So will Bertelsmann digitaler werden

Thomas Hesse, noch frischer Bertelsmann-Vorstand für Unternehmensentwicklung und Neugeschäfte, sucht für den Konzern den Schulterschluss zu Google, Apple, Amazon und Facebook – wo es nötig und passend erscheint.

Thomas Hesse, seit 100 Tagen Vorstand für Unternehmensentwicklung und Neugeschäfte der Bertelsmann AG, kann sein Wissen aus der Musikindustrie in seinem neuen Job gut gebrauchen. Das wird in seinem ersten Interview auf der konzerneigenen Homepage deutlich.

Der Manager, der zwischen 1996 und 2008 bereits verschiedene Führungspositionen beim Gütersloher Konzern innehatte und dann bei Sony Music geblieben war, soll nach dem Willen von CEO Thomas Rabe die Weichen in Richtung Digitalisierung stellen – und sagt nun: "Die wichtigste Lektion, die wir aus dem Fall der Musikindustrie mitnehmen, ist sicherlich die, dass sich ein Geschäftsmodell den Bedürfnissen und Wünschen der Konsumenten anpassen muss und nicht umgekehrt, auch wenn das manchmal schmerzhaft ist." Der richtige Zeitpunkt sei relevant; "zu früh mit einem Angebot zu kommen, ist genauso schlecht oder noch schlechter als zu spät", weiß Thomas Hesse.

Für den Mittvierziger steht die Erkenntnis im Raum, dass "Medienangebote im Internet Fans einzeln ansprechen können und nicht länger nur anonym, und dass sich daraus vielfältige Möglichkeiten aus der Direktkundenbeziehung ergeben". Für Bertelsmann führt der Weg dorthin durchaus über die ganz Großen im Online-Geschäft; man habe in Gütersloh erkannt, "dass wir die großen bestehenden Online-Plattformen und Netzwerke wie Youtube oder Facebook für die eigenen Zwecke nutzen müssen, gleichzeitig aber auch wichtige Grenzen ziehen wollen, wo wir unser Geschäft verteidigen und selber betreiben müssen".

Als Beispiel führt er seinen letzten Brötchengeber Sony an und das Beispiel Vevo, ein eigener Musikkanal auf Youtube, "der aber seine eigene Werbevermarktung betreibt und unter seiner eigenen Marke auftritt", so der Bertelsmann-Vorstand. Hesse geht noch weiter: "Wir werden mit diesen wichtigen Spielern sowohl kooperieren als auch im Wettbewerb stehen." Die Medienwelt werde immer globaler, "Google, Apple, Amazon und Facebook jedenfalls agieren vollständig global. Darauf müssen wir uns einstellen. Mal werden sie unsere Partner sein, mal unsere Konkurrenten, mal müssen wir darauf achten, dass die richtigen Spielregeln beachtet werden, insbesondere im Urheberrecht", betont Thomas Hesse auf Bertelsmann.de.

Auch Persönliches verrät der Manager, der als Rabes Weggefährte gilt und ebenfalls bereits bei der RTL Group gearbeitet hat. Und er geht auf die Unterschiede zwischen Sony und Bertelsmann ein wenn er verrät: "Wenn es ein Thema gibt, das mich überrascht hat, so ist es, wie stark in den USA das Internet im Mainstream, also im Mittelpunkt, der Gesellschaft steht, und wie relativ wenig im Vergleich das aus rein deutscher Perspektive nach wie vor der Fall ist." Ansonsten sei der Bertelsmann-typische Unternehmergeist weiterhin überall präsent, "so wie die Professionalität". Hesse: "Wesentliche Gründe, warum ich gern zurückgekommen bin."


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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