Twitter-Aktion :
Social-Media-Sternstunde: So begleitete @polizeimuenchen den "Tatort"

Der "Tatort" am Sonntag blieb ungelöst, erst 2017 erfahren die Zuschauer, wie es weitergeht. Hoffentlich ist dann die Polizei München wieder dabei, die den "Tatort" via Twitter grandios kommentierte. Hier ist das Best of:

Text: Frauke Schobelt

Der "Faktenchecker" der Münchner Polizei: "Der Kollege wollte unbedingt ins Bild", scherzen die Beamten.
Der "Faktenchecker" der Münchner Polizei: "Der Kollege wollte unbedingt ins Bild", scherzen die Beamten.

Das Ende kam ziemlich abrupt und ließ die Zuschauer am Sonntagabend mit einem leicht ungläubigen "What the f....?"-Gefühl zurück. Im Münchner "Tatort" blieb der Fall um den mysteriösen Mord an einem Familienvater ungelöst. Zum ersten Mal in ihren 25 Jahren als Ermittlerduo konnten die Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) den Mörder nicht präsentieren - immerhin entlarvten sie in akribischer Polizeiarbeit einen psychopathischen Trittbrettfahrer, der auch nicht ohne war. Doch erst 2017 folgt die Fortsetzung dieses Falls. Hoffentlich ist dann auch die Polizei München wieder mit an Bord, die den "Tatort" via Twitter live begleitete und erheblich zum Unterhaltungswert beitrug.  

Das Social-Media-Team, Ermittler und ein Polizeipsychologe kommentierten unter @polizeimuenchen und #Tatort das Geschehen, der "Faktencheck" klopfte den Realitätsgehalt der Szenen ab und beantwortete die Fragen der Twitter-Gemeinde zur Polizeiarbeit.

Die Resonanz überwältigte das Team, hunderte Fragen kamen zusammen und die Münchner Polizei hatte alle Hände voll zu tun, diese zu beantworten. Was das Social-Media-Team auch fleißig bis spät in die Nacht tat, auch doppelt und dreifach, denn viele Fragen wiederholten sich natürlich.

Zum Beispiel die Frage nach dem Mörder.

Oder die Frage nach dem Bürodesign: 

Häufig gefragt wurde auch nach dem morgendlichen Klingelton -  der Wecker im "Tatort" klingt ziemlich abschreckend. 

Oder nach dem Schuhwerk bei der Polizei, denn bei einer Verfolgungsjagd verliert Batic wie Aschenputtel eine seiner Lederschlappen und die Netzgemeinde fragte sich, ob sich echte Polizisten nicht pragmatischer kleiden. 

Oder die Frage nach der Stimmung bei der Polizei - im "Tatort" faltet ein cholerischer Vorgesetzter Leitmayr zusammen - was auch bei der Münchner Polizei schlecht ankommt.

Nett ist man offenbar zu den eigenen Polizeipsychologen: 

Man lernt, dass "Tatort"-Ermittler Batic im echten Leben wohl zig Disziplinarverfahren an der Backe hätte, Formate wie "Cobra 11" und "CSI" in der Gunst der echten Ermittler nicht sehr hoch stehen, "Kollege Kraus" und "Tatort" dagegen gut ankommen, dass sich Kripobeamte ihren Kaffee selber holen, im Dienst nicht mal alkoholfreies Bier trinken ("danach riecht man nach Bier"), niemals privat Zeugen besuchen, dass vollgestopfte Pinwände nach wie vor "en vogue" sind und dass die Münchner Polizei die "Süddeutsche Zeitung" um ihre Kantine beneidet.

Das Wühlen im Müll, das Kurzzeitgedächtnis von Zeugen, das Vorgehen beim DNA-Massentest, der Umgang mit Angehörigen - man erfährt viel Interessantes über die echte Polizeiarbeit und das ist mindestens so packend wie das Geschehen im Fernsehen. Was diesen Abend aber auch etwas stressig macht. Denn Multitasking ist nicht wirklich gesund und wer gleichzeitig die Story im Fernsehen anschaut, die Antworten von @polizeimuenchen liest, die dazugehörigen Fragen der User sucht, den #Tatort-Twitterstream verfolgt und und sich noch selber Fragen ausdenkt, hat ganz schön zu tun.

Aber es macht mehr Spaß als nur von der Couch aus zuzuschauen und gibt einem das Live-Glotze-Gemeinschaftsgefühl zurück, das Streaming-Dienste wohl nie hinbekommen werden.

Das Fazit der Polizei München:

Das Fazit von W&V Online: Spannende und unterhaltsame 90 Minuten mit dem "Tatort" und der @polizeimuenchen. Gerne mehr davon. 


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.