Medienkonzerne :
Spiegel tritt Bertelsmanns Vermarktungsbündnis bei

Spiegel-Verlag und Bertelsmann rücken im Werbegeschäft enger zusammen. Das Nachrichtenmagazin wird Partner beim Vermarktungsbündnis Ad Alliance.

Text: Thomas Nötting

Stern und Spiegel - künftig aus einer Hand
Stern und Spiegel - künftig aus einer Hand

Der Spiegel schließt ein Vermarktungsbündnis mit dem Medienkonzern Bertelsmann. Ab kommenden Jahr wird der Hamburger Verlag Partner der Ad Alliance – dem Werbebündnis der RTL-Gruppe und dem Medienhaus Gruner + Jahr. Damit wird der größte Vermarktungsblock im deutschen Werbemarkt noch ein wenig größer. Zusammen mit den Zeitschriften und Online-Seiten des Spiegel-Verlags erreicht die Anzeigen-Allianz künftig 99 Prozent der deutschen Bevölkerung. Bei den Digital-Vermarktern dürfte die Ad Alliance im Reichweiten-Ranking der Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung (Agof) auf den zweiten Platz hinter Marktführer Ströer vorrücken.

Werbetreibende können über die vor einem Jahr gegründete Ad Alliance medienübergreifende Kampagnen aus einer Hand buchen. So hatte etwa der Kosmetik-Konzern L’Oréal für seine Make-up-Line „Perfect Match“ einen Auftritt inszeniert, der sich über Blogs, Zeitschriften, Online-Seiten bis zu TV-Werbung erstreckte. Diesem Bündnis schließt sich ab Januar 2018 der Spiegel mit seinen Medienmarken Der Spiegel, Spiegel Online, Manager-Magazin und Harvard-Business-Manager an.

Unter dem Dach der Anzeigen-Allianz agieren die Vermarktungs-Firmen von Gruner + Jahr, RTL und künftig Spiegel weiter eigenständig. Sie treten aber vor allem gegenüber großen und finanzkräftigen Werbekunden gemeinsam auf. Im Online-Bereich kooperieren die Partner zudem deutlich enger. Hier werden die Angebote gemeinsam vermarktet und gemeinsame Adtech-Systeme genutzt.

Spiegel-Chef Hass: "Relevanz steigern"

Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass hofft, der Beitritt zum Bertelsmann-Bündnis werde „die Relevanz“ der Spiegel-Medien „für Kunden und Agenturen weiter steigern und in einem sich intensivierenden Wettbewerb den Erfolg unserer Werbevermarktung langfristig sichern“. Gemeinsam werde man „die Position der Vermarkter-Allianz im deutschen Werbemarkt weiter stärken“, so Hass weiter. Stefan Schäfer, für die Vermarktung verantwortlicher Produktchef bei Gruner und Jahr, freut sich, „dass – ganz im Sinne unserer Kunden – die Spiegel-Gruppe ihre Stärken unter dieser Dachmarke einbringt.“

Matthias Dang, Geschäftsführer des RTL-Vermarkters IP Deutschland sieht das ähnlich: „Nach einem erfolgreichen ersten Jahr unter dem Dach der Ad Alliance freuen wir uns, dass mit Spiegel Media ein weiterer Vermarkter dazu stößt, der mit seinem Portfolio auf unsere drei Leistungsversprechen einzahlt: Qualität, Wirkung und Reichweite.“ Startschuss für die erweiterte Ad Alliance ist die diesjährige Digital-Messe Dmexco am 13. und 14. September.

Spiegel rückt näher an Bertelsmann

Der Beitritt des Spiegel stärkt das Werbe-Bündnis vor allem bei den Zielgruppen Entscheider und Männer. Hierzu wollen die Ad-Alliierten künftig neue Vermarktungspakete schnüren. Unter dem Titel „News-Blockbuster“ können künftig Kampagnen auf den Online-Seiten von Spiegel, Stern und NTV gebucht werden. Außerdem gibt es weitere Angebote zu den Themenfeldern Sport, Reise und Lifestyle.

Durch die Kooperation im Werbegeschäft rückt der Hamburger Spiegel-Verlag näher an den Bertelsmann-Konzern. Dem Medienkonzern aus Gütersloh und seiner Verlagstochter Gruner + Jahr wird bereits seit Jahren nachgesagt, die Mehrheit bei dem Nachrichtenmagazin übernehmen zu wollen. Dies scheiterte bislang stets am Veto der Erben des Verlagsgründers Rudolf Augstein und der Mitarbeiter KG, welche die Mehrheit der Anteile hält. Gruner + Jahr besitzt. 25,5 Prozent der Spiegel-Anteile. Im Umfeld der beteiligten Unternehmen heißt es allerdings, es gehe ausschließlich um die Vermarktung.


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.