Latentes Steuerrisiko :
Springer schafft Markenabos ab

Wer künftig bei Springer ein Print-Abo bestellt, darf nur noch begrenzt kostenlos die Digitalangebote nutzen. Der Konzern will damit drohenden Steuerrisiken vorbeugen.

Text: Florian Zettel

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Axel Springer hat seine Abo-Strategie umgestellt: Der Berliner Medienkonzern hat zum August seine Markenabonnements abgeschafft und will damit künftig nicht mehr Print-Abonnenten kostenlos die digitalen Angebote lesen lassen. Das berichtet der W&V-Schwestertitel "Kontakter" in seiner aktuellen Ausgabe (EVT: 07.08.). Springer ist derzeit dabei, seine Kunden über diesen Schritt zu informieren. So heißt es für "Welt"-Kunden beispielsweise: "Ab dem 01.08.2014 sind die digitalen Produkte der Welt für Zeitungsabonnenten nicht mehr kostenfrei nutzbar(...). Um Ihnen auch weiterhin den digitalen Zugang zur Welt zu ermöglichen, schenkt Ihnen unser Kooperationspartner IFA weitere 6 Monate Die Welt Digital."

Auf Anfrage des Kontakters erklärt dazu eine Springer-Sprecherin: "Paid Content ist nach wie vor ein Experiment für uns, wir machen uns viele Gedanken über die Gestaltung unserer Kundenbindung, Angebote und Preise und probieren weiterhin vieles aus. In diese Überlegungen fließen zahlreiche Aspekte ein, die Steuergesetzgebung ist nur einer davon."

Mit der Umstellung der Abo-Strategie, die Auswirkungen auf den Digitalkurs von Springer haben dürfte, will der Medienkonzern massiven Steuerrisiken vorbeugen. Denn die Digitalisierung führt in deutschen Verlags- und Buchunternehmen zu einem latenten Steuerrisiko in Millionenhöhe, die bereits die Verlegerverbände in Alarmbereitschaft versetzt hat. Die wachsende Zahl der Digitalabos bereitet der Verlagsbranche derzeit massive Steuerprobleme - wie der "Kontakter" bereits berichtete.

Grund für die Aufregung sind die digitalen Ableger, die die Verlagshäuser ihren Print-Abonnenten kostenlos im Bundle anbieten. Denn für beide Produkte gilt ein unterschiedlicher Mehrwertsteuersatz. Während Leser auf Print-Produkte sieben Prozent Mehrwertsteuer zahlen, sind es bei der digitalen Version 19 Prozent. Gibt deshalb ein Verlag – wie bislang in der Branche weitgehend üblich – seinem Print-Abonnenten das Digitalangebot gratis hinzu, wird dies für das Unternehmen steuerrechtlich zum Problem. In diesem Fall kommt im Steuerrecht eine alte Regel zum Vorschein. Sie besagt, dass die Nebenleistung das Schicksal der Hauptleistung bestimmt. Das bedeutet, dass der Mehrwertsteuersatz der Nebenleistung, also 19 Prozent, auf die Hauptleistung angewandt werden muss.

Mehr hierzu lesen Sie im aktuellen Kontakter. Abo?


3 Kommentare

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Anonymous User 8. August 2014

Wirklich selten so einen zusammengedrechselten Blödsinn in Sachen Regel- und ermäßigtem Steuersatz gelesen. Zugegeben: Wie sich Haupt- zu Nebenleistung verhält - insbesondere was überhaupt fiskalisch als Nebenleistung zu gelten hat – ist steuerrechtlich nicht gerade das kleine ABC. Gerade deshalb hätte man sich besser auf eine alte journalistische Regel besonnen, die da sagt, man solle nur über Dinge schreiben, die man auch versteht. Aber vielleicht hat Thomas Gsella ja doch recht, wenn er reimt:
Der Journalist hat nichts gelernt, und muss darüber schreiben. So ist er weit davon entfernt mucksmäuschen still zu bleiben

Anonymous User 8. August 2014

Das hat mit einer alten Regel zu Haupt- und Nebenleistung nichts zu tun. Die Finanzbehörden gehen einfach davon aus, dass bei nur einem Preis für Print- und Digitalabos ein bestimmter Anteil des Preises für Print anzurechnen ist und der andere Teil für das Digitalabo. Und diese beiden Anteile sind je unterschiedlich zu besteuern (7% bei Print und 19% beim Digitalanteil).

Wenn der Verlag nur 1 Preis nennt, dann muss der künstlich aufgeteilt werden. Das Finanzministerium empfiehlt, dies im Verhältnis Printabopreis zu Digitalabopreis zu tun. Andere Lösungen wären denkbar.

Die einfachste und steuerlich günstigste Lösung ist freilich, einen geringen, eher symbolischen Aufpreis für das zusätzliche Digitalabo zu nehmen. Dann werden die 19% Umsatzsteuer nur auf diesen kleinen Anteil fällig. der Haken: Kunden, die auch diesen kleinen Zusatzbetrag nicht bezahlen wollen, hätten dann keinen Zugriff auf die digitalen Angebote.

Anonymous User 8. August 2014

Das hat mit einer alten Regel zu Haupt- und Nebenleistung nichts zu tun. Die Finanzbehörden gehen einfach davon aus, dass bei nur einem Preis für Print- und Digitalabos ein bestimmter Anteil des Preises für Print anzurechnen ist und der andere Teil für das Digitalabo. Und diese beiden Anteile sind je unterschiedlich zu besteuern (7% bei Print und 19% beim Digitalanteil).

Wenn der Verlag nur 1 Preis nennt, dann muss der künstlich aufgeteilt werden. Das Finanzministerium empfiehlt, dies im Verhältnis Printabopreis zu Digitalabopreis zu tun. Andere Lösungen wären denkbar.

Die einfachste und steuerlich günstigste Lösung ist freilich, einen geringen, eher symbolischen Aufpreis für das zusätzliche Digitalabo zu nehmen. Dann werden die 19% Umsatzsteuer nur auf diesen kleinen Anteil fällig. der Haken: Kunden, die auch diesen kleinen Zusatzbetrag nicht bezahlen wollen, hätten dann keinen Zugriff auf die digitalen Angebote.

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