Tageszeitung für Sport :
Springer startet mit täglicher "Fußball Bild"

Pünktlich zum Saisonstart der Bundesliga bringt Springer seine "Fußball Bild" an den Kiosk. Hat das Blatt hierzulande Chancen?

Text: Susanne Herrmann

So könnte sie aussehen: Testbild der täglichen "Fußball Bild" von Springer.
So könnte sie aussehen: Testbild der täglichen "Fußball Bild" von Springer.

Pünktlich zum Saisonstart der Bundesliga bringt Springer seine "Fußball Bild" an den Kiosk (W&V Online berichtete). Die Testauflage für München und Stuttgart liegt bei 60.000 Exemplaren. Das Medienhaus Axel Springer testet die Fußball-Tageszeitung mit 24 Seiten Umfang für 1 Euro während der Bundesliga-Hinrunde.

Die Inhalte sollen in erster Linie aus der zentralen "Bild"-Sportredaktion und den zwölf regionalen Standorten kommen. Jeden Tag nur Sport in der Zeitung - in anderen Spanien, Italien, Frankreich ist das seit Jahrzehnten normal. Tatsächlich gehören "Marca", "La Gazzetta dello Sport" oder "L'Equipe" für viele Sportfans in Europa zum Morgen-Espresso oder zur Fahrt in der Metro. Ob das neue Blatt an diese Erfolge knüpfen kann, dürfte die deutsche Medienszene mit Interesse beobachten.

In Frankreich und Italien haben die Sportblätter einen festen Platz auf dem Zeitungsmarkt. "L'Equipe" steht mit knapp 230.000 verkauften Exemplaren an dritter Stelle im französischen Zeitungsranking (2015), in Italien liegt die "Gazzetta" mit 160.000 Exemplaren auf Platz fünf.

Die Blätter sind auch Zentralorgane für Megaevents. "L'Equipe" organisiert über eine Schwesterfirma Rennrad-Klassiker wie die Tour de France, die "Gazzetta" ist am Giro d'Italia beteiligt. In Spanien sind die Fußballblätter in den großen Clubs verankert - "Marca" und "AS" bei den "Madridistas", "Mundo Deportivo" und "Sport" bei den Fans des FC Barcelona.

Ein erster Entwurf der "Fußball Bild" von Axel Springer.

Ein erster Entwurf der "Fußball Bild" von Axel Springer.

In Deutschland sieht Christoph Bertling, Medienwissenschaftler an der Kölner Sporthochschule, hohe Hürden für ein tägliches Sportblatt. ARD und ZDF seien ein fester Bestandteil des Systems Bundesliga. Ob Freitagsspiel, Pokal-Begegnungen oder Champions-League-Spiele - der Rundfunkbeitrag, den jeder Haushalt zahle müsse, ermögliche es den Öffentlich-Rechtlichen, ausführlich über Fußball zu berichten.

Nach der Hinrunde der Fußball-Bundesliga wird entschieden, ob die Zeitung deutschlandweit vertrieben wird. Das vorläufige Erscheinungsgebiet mit 9000 Verkaufsstellen bilde mit der "Fußballhauptstadt München" und dem zur Zeit im Fußball weniger erfolgreichen Stuttgart sowie den ländlichen Regionen dazwischen ein ideales Testgebiet ab, sagt Managing Director Print Fank Mahlberg. Sorgen, Leser könnten von "Bild" zu "Fußball Bild" abwandern, hat Mahlberg nicht: "Wenn ein Leser, dem das Fußball-Angebot in 'Bild' noch nicht reicht, zu 'Fußball Bild' wechselt, kann uns das nur recht sein." (W&V Online/mit dpa)


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.