"Cosmopolitan" :
Starke Medienfrauen: Warum Kerstin Weng in Print und Web zu Hause ist

Kerstin Weng beweist an der Spitze der "Cosmopolitan" seit rund einem Jahr ihr Händchen für Themenmischung und Auftritt. Ein Porträt.

Text: Petra Schwegler

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Seit der weibliche Verein Pro Quote angetreten ist, um mehr Frauen in den Führungspositionen deutscher Medien zu verankern, hat sich nicht wirklich viel getan. Die Branche bleibt vorerst weiter von Männern dominiert. Immer wieder erreichen unsere Redaktion Anfragen vor allem von Leserinnen, warum so wenige Frauen in Print und Online zitiert und abgebildet werden. Wir würden in der Tat gern öfter über einen "Chefinnen-Wechsel" berichten oder aber eine "Media-Kennerin" interviewen. Eine Bestandsaufnahme lohnt: W&V Online porträtiert in einer losen Reihe Managerinnen und Macherinnen der Medienbranche. Motto: Es gibt sie, die weiblichen Führungskräfte – lassen wir sie zu Wort kommen.

Es ist kein Modepüppchen, das da seit einem Jahr an der Spitze der deutschen "Cosmopolitan" steht. Kerstin Weng hat ihr Metier von der Pike auf gelernt: Die studierte Modejournalistin hat bei Zeitschriften wie Burdas "Cover" und "Myself" redaktionell gewirkt, zuvor auch schon einmal bei der "Cosmo", als sie noch in Besitz der Münchner MVG war. Die vorzeigbare Vita der "Cosmo"-Chefredakteurin mag nicht recht zum Alter passen: Kerstin Weng ist erst 31 Jahre alt. Ein klarer Vorteil, zumal sie passend zu ihrer Generation nicht nur Print kann, sondern auch Online. In ihrer Zeit beim Condé-Nast-Titel "MySelf" bloggte Weng mit Erfolg zu Lifestyle-Themen. Daher weiß die Netzgemeinde auch, dass die Journalistin mit dem Abschluss von der Münchner Akademie für Mode und Design (AMD) eine Schwäche für Chucks und Kleider hat. Vom Bloggen profitiert Weng heute: "Lehrreich", so ihr Urteil über das stete Feedback zur Leserin. Den Austausch mit der Zielgruppe hat sie schätzen gelernt und professionalisiert. "Leserbriefe an die ‚Cosmopolitan‘ laufen auf meinem Account ein. Ich will stets wissen, welche Geschichten interessieren und wo Kritik geübt wird", betont die Chefredakteurin.

Ein bisschen Glück hatte sie schon auf ihrer Seite, als sie zum Februar 2013 die Nachfolge von Carolin Schuhler bei der "Cosmo" antrat. Mitten in der Umbruchphase – nach dem Verkauf des Lifestyle-Monatsmagazins an Bauer – hat Weng den Ruf an die Spitze des Titels angenommen. "Diese Aufbruchstimmung beim ganzen Team war von Vorteil, weil ich bei all den Veränderungen nie Sätze hören musste wie ‚Das haben wir immer schon so gemacht‘. Es herrschte ein frisches, angenehmes Klima, um etwas Neues anzuschieben. Alle Neuerungen wurden von Verlagsseite unterstützt." Weng hat sich auf die wichtigsten Themenbereiche der "Cosmo" gestürzt und "Job/Karriere", "Mode/Beauty" sowie "Sex/Partnerschaft" neben der internationalen Idee des Titels weiter ausgebaut. Die Bilanz zum Jahresende, nur ein gutes halbes Jahr nach Wengs Amtsantritt: Auf 249.950 verkaufte Exemplare wuchs die "Cosmo"-Auflage laut IVW im vierten Quartal an, ein Plus von mehr als acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Kerstin Weng weiß eine besonders frauenfreundliche Verlegerin an ihrer Seite. "Es ist wunderbar, dass sich Yvonne Bauer perfekt in die Zielgruppe hineindenken kann und als Frau sehr gut versteht, was wir mit Geschichten ausdrücken wollen", erzählt die "Cosmo"-Chefredakteurin über ihren Austausch mit der Verlagsspitze. Auch wenn die Werte, die die "Cosmo" verkörpert, über die Jahrzehnte die gleichen geblieben und im Motto "Fun Fearless Female" verankert sind – 2014 werden Frauenmagazine anders gemacht als noch vor 20 Jahren. Frauen müssten zwar immer noch viele Hürden nehmen, doch es gebe "andere Selbstverständlichkeiten und in vielen Bereichen einen offeneren Umgang mit Dingen", meint Weng. Die Folge: "Wir können anders schreiben." Die "Cosmo"-Zielgruppe der modernen selbstbestimmten Frau steht auch neuen Verbreitungswegen offen gegenüber. Eine Art Blog-Welt zusätzlich zum Magazin sei für das Bauer-Hochglanzmagazin durchaus denkbar, räumt Kerstin Weng ein.

Auch wenn Weng wenig auf den Glamour des Postens an der Spitze der deutschen "Cosmo" gibt ("Die Kooperation mit ProSieben und der Auftritt bei ‚Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klumist einfach nur ein Tag, an dem die Kamera dabei ist."): Verführen lässt sie sich durchaus von der Hochglanz-Marke. Kerstin Weng gerät ins Schwärmen: "Der Spirit ist schon sehr berauschend. Es ist ein Riesenspaß und eine tolle Sache, Teil dieser starken Marke zu sein." Leicht fällt es ihr daher, Look und Feel des Titels auch selbst zu verkörpern. "Authenzität ist sehr wichtig", sagt Weng – und wohl auch unerlässlich für ihr persönliches Ziel an der Spitze: "Die ‚Cosmopolitan‘ soll das Heft für die Zielgruppe sein." Da sollte Frau schon wissen, was ihre weibliche Zielgruppe trägt, schätzt und lesen will.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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Anonymous User 14. März 2014

"Die ‚Cosmopolitan‘ soll das Heft für die Zielgruppe sein."

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