ENC 2014 :
Start-ups greifen Print unter die Arme

Sie heißen Scoopshot, Tame oder Tevine und stehen für die Automatisierung in Redaktionen: Der European Newspaper Congress stellt in Wien neue Kooperationsmodelle von Zeitungsverlagen vor.

Text: Petra Schwegler

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Der European Newspaper Congress greift auch in diesem Jahr wichtige Trends aus dem Zeitungsmarkt auf. Vom 4. bis 6. Mai wird das Wiener Branchenevent im Special "Der neue Roboter-Journalismus. Wie automatisierte Hilfstruppen klassische Redaktionen unterstützen" dieses Mal den neuen Mix aus Automatisierung und Spezialisierung skizzieren, der sich in den Redaktionen durchsetzt.

Der ENC 2014 will erste Ergebnisse neuartiger Kooperationsmodelle präsentieren, die Zeitungsverlage mit Start-up Unternehmen aus Deutschland, Finnland und Irland eingegangen sind. Ihr Service geht über den der klassischen Nachrichtenzulieferer hinaus: "Sie entdecken, sortieren, organisieren, produzieren und verbreiten exklusive Inhalte, egal ob aktuelle Fotos, relevante Videos, ansprechende Infografiken oder die wichtigsten Tweets aus dem unendlichen Stream von Twitter – jeweils zugeschnitten für unterschiedliche Zielgruppen", betont das Team um ENC-Organisator und Zeitungsdesigner Norbert Küpper, der den Kongress zusammen mit dem Medienfachverlag Oberauer stemmt.

Diverse Start-ups greifen Print unter die Arme und werden beim ENC 2014 ihre Arbeit präsentieren:

Scoopshot aus Finnland will Redaktionen schneller, gezielter und exklusiver als früher Fotos beschaffen – und das in den meisten Fällen auch deutlich günstiger. Der Dienst basiert auf dem Prinzip des Crowdsourcing. Mehrere hundertaused freie Fotografen laden per Smartphone Fotos hoch und bestimmen ihre Preise. So generiert Scoopshot immer neue Bilder, mit deren Hilfe Redaktionen Geschichten entwickeln können. Medienkunden sind bereits die "WAZ", Holtzbrinck ("Tagesspiegel"/"Potsdamer Neueste Nachrichten") oder die Deutsche Welle. Auch Konsumentenmarken wie Heineken, Nokia und Google nutzen Scoopshot.

Tame will den Nutzen von Twitter steigern. Der Service sortiert die Kurznachrichten nach Themen und Hashtags, Benutzerkonten, Relevanz und anderen Kriterien. Die Daten werden fortlaufend über einen Zeitraum von 24 Stunden gespeichert. Zu den ersten Kunden von Tame zählen die "New York Times", die BBC oder Zeit Online. In Wien soll eine neue Technologie für Verlage vorgestellt werden, die Interaktionen von Followern analysiert und den Einfluss misst, den Twitter auf sie hat.

Datawrapper ist europaweit tätig und dient der Visualisierung von Daten aller Art. Der Dienst verspricht: "Redakteure können innerhalb weniger Minuten detaillierte und aussagekräftige, interaktive Grafiken anfertigen und diese leicht in sämtliche ihrer digitalen Produkte integrieren." Der Dienst wird seit 2012 international unter anderem vom "Guardian", von Twitter, vom "Standard", der "NZZ", vom "Spiegel" oder auch der "Welt" genutzt.

Niiu existiert als Tablet App, die für Nutzer ein redaktionelles Angebot aus den Inhalten unterschiedlicher Zeitungsmarken bündelt und wie eine individualisierte digitale Tageszeitung zusammenstellt. Die Berliner kooperieren nach eigenen Angaben mit 30 Zeitungsmarken, darunter Springers "Bild" und Welt" oder "NZZ" und Holtzbrincks "Tagesspiegel".

Das deutsche Start-up Retresco automatisiert die Arbeit von Redaktionen. So werden Themen und Begriffe per Algorithmus im Netz oder in anderen Quellen aggregiert, semantisch ausgewertet, Inhalte automatisch zusammengestellt und verbreitet. Je nach Bedarf stellt Retresco den Service zusammen: "In einem Fall entstehen Themenseiten, im anderen Antworten auf die Fragen von Lesern oder Kunden", heißt es im Programm des ENC 2014. Zum Kundenkreis zählen Unternehmen wie United Internet, N24, Faz.net, "Augsburger Allgemeine" oder das deutsche Ministerium für Gesundheit.

Storyful aus Irland umschreiben die Organisatoren als "journalistisches Trüffelschwein im Netz". Das Unternehmen unterstützt Redaktionen in der Web-Recherche. Der Dienst beschreibt sich als "erste globale Nachrichtenagentur für das Netz”. Mit Sitz in Dublin unterhält es rund um die Uhr ein weltweites Team von Journalisten und Programmierern, die Geschichten im Social Web ausmachen, verifizieren, aufbereiten und sendefertig machen für Kunden wie ABC News, Reuters oder das "Wall Street Journal".

Tevine, mit vollem Namen "Teleocon Virtual Newsroom System, wird als nutzerfreundliches System vorgestellt, das es ermögliche, die Arbeit ganzer Redaktionen rein virtuell vom PC, Tablet oder Smartphone aus zu organisieren. Physische Anwesenheit ist demnach nicht mehr erforderlich: "Jeder Mitarbeiter kann von jedem Ort auf der Welt aus vollständig am Redaktionsgeschehen teilhaben."

Der ENC 2014 findet im Festsaal des Wiener Rathauses statt. Auf der Themenliste stehen der Change-Prozesse in Medienhäusern, Teambuilding in der Redaktion und Best Cases. Außerdem werden beim European Newspaper Award erneut die besten Zeitungen Europas ausgezeichnet.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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