Studie: SUVs boomen, Porsche beliebt

Der Trend zum dicken Wagen ist ungebrochen: Schon 15 Prozent Marktanteil haben die sportlichen Geländewagen, genannt SUVs. Das Center Automotive Research prognostiziert dem Segment weiteres Wachstum. Das Kraftfahrtbundesamt weist derweil Porsche als Marktgewinner aus.

Text: Susanne Herrmann

05. Mar. 2012

Schon 15 Prozent Marktanteil haben die sportlichen Geländewagen, genannt SUVs: Jeder siebte Neuwagen ist damit heute ein "Sports Utility Vehicle" (SUV). Tendenz steigend: Vor zehn Jahren lag der Marktanteil noch bei vier Prozent. Dicke Wagen liegen - steigenden Umweltbewusstseins und hoher Spritpreise zum Trotz - im Trend. Getrieben werde der Trend zum SUV aber durch die Klasse der Kompakt-SUVs, zum Beispiel den VW Tiguan, BMW X3 und X1 und Audi Q3. "Der SUV ist damit nicht mehr der Spritfresser", so die Experten, denn der Verbrauch liege, wenn auch über dem der Limousinen, so doch deutlich unter dem der großen dicken SUVs der ersten Generation.

Ferdinand Dudenhöffer und das Center Automotive Research (CAR) haben die Neuzulassungen unter die Lupe genommen. Die SUVs kommen hier im Januar sogar auf 15,7 Prozent Marktanteil, für 2012 erwartet das CAR-Team am Ende 15 Prozent: Genauso viele Menschen würden heute die Partei Bündnis 90/Grünen wählen (Sonntagsfrage Februar 2012) - aber dieselben sind es vermutlich nicht.

Die Experten des CAR an der Universität Duisburg-Essen stellen fest, dass kein Fahrzeugsegment so schnell wächst wie das der Geländelimousinen. Dementsprechend geht CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer davon aus, dass das Segment weiter wächst und schon 2015 die 18-Prozent-Marke knacken wird. Das würde 575.000 Fahrzeugen entsprechen.

"Autobauer mit einem attraktiven SUV-Angebot werden ihre Marktanteile ausbauen", gibt CAR die Wachstumsparole aus. Eine gute Marktposition bescheinigen die Experten den Importeuren, allen voran Nissan, der japanische Konzern ist der Importeur mit den meisten SUV-Verkäufen. Ebenfalls gute Noten bekommen Hyundai, Dacia, Mitsubishi, Kia, Volvo und die klassischen Geländewagenexperten Landrover und Jeep: Sie alle liegen beim Marktanteil im SUV-Segment massiv über ihrem Gesamtmarktanteil und damit bei einer Marktausschöpfung von jeweils über 100 Prozent, profitiert also besonders vom Trend zum dicken Brummer. Unter den deutschen Autoherstellern gelingt das am besten Porsche (213%), BMW 180%) und knapp Audi (117% Marktausschöpfung), in Stückzahlen haben im Januar VW (4654 - davon 3925 Tiguan), BMW (4253) und Audi (2763) die Nase vorn.

Spot für den VW Tiguan

CAR hat die Verkaufszahlen der SUVs analysiert, seit die Wagenklasse 1995 aus den USA nach Deutschland schwappte. Von 67.750 verkauften Modellen (2% Marktanteil) wuchs der Markt ab 1198 moderat (jährlich bis zu ein Prozentpunkt), seit 2009 sprunghaft: Wurden 2009 276.800 neue SUVs zugelassen, was einem Marktanteil von gut 7 Prozent entsprochen hatte, waren es 2010 bereits 332.000 mit einem Marktanteil von gut über 11 Prozent, 2011 422.100 bzw gut 13 Prozent.

Für Januar 2012 registrierte das CAR einen neuen Rekord: Noch nie lag der Marktanteil der SUVs in Deutschland in einem einzelnen Monat bei über 15 Prozent - im Januar bei 15,7. Damit seien, so die CAR-Auswertung, SUVs der drittwichtigste Fahrzeugtyp in den Verkaufsstatistiken. Verlierer unter den Wagenformen und Schlusslicht der Tabelle ist die Stufenhecklimousine. Ihr Marktanteil schrumpfte wie der der FDP auf unter fünf Prozent - von gut 24 Prozent 1995. Vor den SUVs führen die Liste im Januar 2012 die Fließhecklimousinen mit 36 Prozent der Neuzulassungen an, doch auch dieses Segment musste Federn lassen: 1995 lag ihr Marktanteil noch bei 46 Prozent. "Traditionelle Karosserievarianten sind die Verlierer", stellt Dudenhöffer trocken fest.

Zulegen konnten, wenn auch nicht so deutlich wie die SUVs, nur die Kombis, die mit einem Marktanteil von 23 Prozent Position zwei behaupten (1995: 17%). Hinter den SUVs in der Neuwagenstatistik auf Rang vier mit fast elf Prozent platzieren sich die noch 2005 so beliebten Vans: Dieser Trend ist endgültig vorbei. 1995 mit 1,7 Prozent auf dem Weg aus der Nische, überschritten die Kleinbusse ihren Zenith der Popularität 2005 mit einem Marktanteil von knapp 14 Prozent, seither gehen die Verkaufszahlen wieder zurück.

Den Trend zum sportlichen Geländewagen bestätigt das Kraftfahrbundesamt (KBA): Hier werden Geländewagen und "Utilities" getrennt ausgewiesen, beide aber mit einem Plus von neun (Gelände) beziehungsweise elf Prozent (SUVs) im Februar 2012 verglichen mit dem Vorjahresmonat. Das Mini-Segment mit Modellen wie dem VW up und dem Smart Fourtwo legte im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent zu, "Fahrzeuge der Oberklasse waren nach der starken Nachfrage im vergangenen Jahr weniger gefragt (-25,4 %)", so die Statistik des KBA.

Das KBA registrierte im Februar 224.318 Pkw-Neuzulassungen. Und hat diese nach Zuwächsen und Verlusten der Marken untersucht: Der Gewinner unter den deutschen Automarken im Februar ist Porsche mit einem Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Zweiter Wachstumssieger ist die Marke Smart (+18%), ins Plus kommt auch Mercedes (+8,5 %). "Bei den Import-Marken sorgten Lancia (+246%), Land Rover (+87%) und Kia (+71%) für auffällig hohe Zulassungsraten", berichtet das KBA.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit