Verimi :
Telekom und Lufthansa verstärken Daimlers Datenallianz

Die Datenallianz von Daimler und Deutscher Bank gewinnt neue Verbündete: Lufthansa, Deutsche Telekom und Bundesdruckerei schließen sich dem Bündnis an.

Text: Thomas Nötting

Zuwachs für Daimlers Datenallianz
Zuwachs für Daimlers Datenallianz

Die Datenallianz um die Großkonzerne Deutsche Bank und Daimler meldet namhafte Zugänge: Deutsche Telekom, Lufthansa und die Bundesdruckerei schließen sich dem im Mai gegründeten Bündnis an. Die Initiative, die bislang unter dem Arbeitstitel DIPP firmierte, bekommt außerdem einen offiziellen Namen. Sie heißt ab sofort Verimi. Das Kunstwort ist angelehnt an die englischen Begriffe "verify" und "me".

Die Plattform soll  zum Jahreswechsel starten, kündigen die beteiligten Unternehmen an. Erste Informationen sind bereits unter der Onlineseite Verimi.com veröffentlicht. Mit ihrer Plattform wollen die Partnerunternehmen deutschen Onlinenutzern eine Art Generalschlüssel für den Zugang zu Internetangeboten anbieten. Nutzer können sich über Verimi zentral für sämtliche Dienste und Seiten der beteiligten Firmen anmelden. Die zeitraubende Eingabe von Daten sowie die Verwaltung mehrerer Passwörter entfallen. Gegründet wurde die Plattform im Mai von Deutscher Bank, Allianz, Daimler, Axel Springer sowie den Technologiefirmen Core und Here-Technologies.

Potente Datenpartner

Mit der Deutschen Telekom und der Lufthansa gewinnt die Initiative zwei potente Partner hinzu. Beide Konzerne verfügen über eine Vielzahl an Kundendaten. Ähnlich wie die US-Digitalkonzerne Google und Facebook hat das deutsche Konsortium künftig die Möglichkeit, das Verhalten von Nutzern auch außerhalb der eigenen Silos zu verfolgen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für datenbasierte digitale Werbung.

Hier werden im Mai 2018 die Karten neu gemischt. Mit ihrer Allianz reagieren die Konzerne auf die neue europäische Datenschutzgrundverordnung und die sogenannte E-Privacy-Verordnung. Sie wird Targeting und Tracking auf der Basis von Cookies deutlich erschweren. Umso wertvoller werden deshalb Log-in-Daten aus erster Hand, welche Nutzer den Onlinediensten freiwillig geben.

Die digitale Deutschland AG wirbt mit hohen Datenschutzstandards um die Nutzer. "Digitalisierung baut auf Einfachheit und Vertrauen", erklärt Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom. Man wolle dafür sorgen, "dass digitale Identitäten unserer Kunden den EU-Rechtsraum nicht verlassen und die Sicherheit des deutschen Datenschutzes genießen". Ähnlich äußert sich Harry Hohmeister, Vorstandsmitglied der Deutschen Lufthansa: "Verimi hat das Potenzial, höchste Standards bei Datenschutz und Sicherheit mit Nutzerfreundlichkeit zu kombinieren." Ulrich Hamann, Chef der Bundesdruckerei, erklärt: "Als führender Vertrauensdiensteanbieter und Verfechter der digitalen Souveränität bringen wir hier gern unsere Expertise ein."

Wettrennen der Datenallianzen

Mit dem Ausbau ihres Passwort-Projekts erhöhen die Verimi-Allierten den Druck auf eine konkurrierende Initiative. Ende Juli hatten sich die Medienunternehmen RTL-Gruppe, ProSiebenSat.1 und United Internet zu einer sehr ähnlichen Allianz formiert. Auch die so genannte Login-Allianz will gemeinsam einen digitalen Generalschlüssel prägen, um letztlich im Geschäft mit digitaler Werbung den US-Großkonzernen Google, Amazon und Facebook Paroli zu bieten. Während sich im Verimi-Projekt führende Vertreter aus unterschiedlichen Branchen zusammenfinden, kommen die Login-Allierten allesamt aus der Medienbranche. Ein weiterer Unterschied: Das Verimi-Bündnis will auch digitale Behördenzugänge anbieten. De fakto liefern sich beide Plattformen nun ein Wettrennen um Nutzer und weitere Partner. In ihrer Mitteilung erklären die Verimi-Partner, auch "andere Initiativen" könnten sich anschließen, um die eigene „Plattform gemeinsam mit den Gesellschaftern zu vergrößern und weiterzuentwickeln".


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.