Konsolidierung bei Thermomix-Titeln :
Thermomix: Nicht für alle Verlage das richtige Rezept

Der Herbst 2016 trieb die Verlage von der Küchenmaschine an die Druckerpresse: Aus zwei Thermomix-Magazinen wurden binnen Wochen sechs. Nun sind's nur noch fünf.

Thermomix-Erfolge am Kiosk: "Essen & Trinken mit Thermomix" (l.) und "Rezepte mit Herz" (jeweils Ausgabe 3/2017).
Thermomix-Erfolge am Kiosk: "Essen & Trinken mit Thermomix" (l.) und "Rezepte mit Herz" (jeweils Ausgabe 3/2017).

Zwischen September und November 2016 liefen die Maschinen auf Hochtouren, sowohl in den Küchen als auch den Druckereien - und vor allem in den Denkwerkstätten der Verlagshäuser. Gleich vier davon hatten etwa zeitgleich den Geistesblitz, den Käufern des Thermomix Hilfestellung zu leisten: Die Luxus-Küchenmaschine verkauft sich schließlich wie geschnitten Brot - doch so manch einer weiß dann nicht so recht, was sie alles drauf hat.

Um das zu ändern - und im Windschatten des Verkaufsschlagers Leser und Anzeigenkunden zu gewinnen - traten "Mein Zaubertopf" (Falkemedia, zunächst unter dem Titel "Mein Thermo" erschienen), "Essen & Trinken mit Thermomix" (Gruner + Jahr), "Trixx" (IT Media) und "Rezepte mit Herz" (Kontanzemedia) an. 

Vorwerk selbst, Hersteller des Wunderapparats Thermomix, beglückt seine Kunden schon seit 2007 mit einem Magazin, das Rezeptideen und Tipps für den Küchenhelfer versammelt. Unter dem Titel "Finessen" gestartet, wurde das Heft 2016 in "Thermomix-Magazin" umbenannt und Gruner + Jahr zur Vermarktung übergeben. Früher dran als die oben genannten vier war auch der Heel Verlag. Der brachte bereits im November 2015 das Zweimonats-Magazin "Mixx - Küchenspaß mit dem Thermomix" auf den Markt.

Es schien ein guter Zeitpunkt: Ende 2015 hatte es Tumulte gegeben, weil Aldi einen Billig-Klon der Vorwerk-Maschine (die sonst ab 1200 Euro kostet) für 200 Euro angeboten hatte. Und auch das Original boomt. Für 2016 meldete Vorwerk einen erneuten Umsatzanstieg mit dem Thermomix um 11 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro - das bedeutet an die 1,1 Millionen verkaufte Geräte weltweit.

Das Küchenwunder von Kiel

Marktführer unter den Thermomix-Heften ist natürlich Vorwerk selbst: Schon im Sommer 2016 meldete das offizielle "Thermomix Magazin" 385.00 verkaufte Exemplare.

Zu viel für "Trixx": Der Mitbewerber, der mit einer Druckauflage von 110.000 Heften im November angetreten war, ist vom Markt. Verleger Sven Schrader und IT Media Publishing aus München haben die Marke und den Abonnentenstamm an einen der Wettbewerber verkauft: Die Kieler von Falkemedia und "Mein Zaubertopf" haben zugeschlagen und freuen sich über die so steigende Reichweite.

Zusammen, so Falkemedia, hätten "Trixx" und "Mein Zaubertopf" an die 30.000 Abonnenten. Der "Zaubertopf" allein verkaufe rund 125.000 Hefte pro Ausgabe (Abo + Einzelverkauf). Nun bekommen die Leser noch ein besonderes Gimmick: Der Ausgabe 4/2017 liegt eine Gratis-DVD mit zehn Folgen der neuen TV-Kochschule aus dem "Zaubertopf" bei. TV-Moderatorin Franca Storm lädt zum Mitkochen ihrer Lieblingsgerichte ein. Alle Videos und Rezepte stehen aber auch auf der Magazin-Webseite zum kostenfreien Herunterladen.

105.000 verkaufte Exemplare meldete der Heel Verlag für "Mixx" Ende 2016 an die IVW. Damit musste sich der Verlag, der deutlich schneller reagiert hatte als die Konkurrenz, nun hinter dem Zaubertopf" einreihen.

Gruner + Jahr beziehungsweise die Deutsche Medien-Manufaktur (DMM), die G+J und der Landwirtschaftsverlag gemeinsam betreiben, gibt auf Anfrage die Auflage für den "Essen & Trinken"-Thermomix-Ableger mit rund 100.000 verkauften Exemplaren pro Ausgabe an; davon sind 30.000 Abos - und damit sei man im Verlag zufrieden. Die erste Ausgabe verkaufte nach Verlagsangaben etwa 140.000 Hefte. Astrid Hamer, Publisher der DMM: "Auch mit der Vermarktung sind wir nach einem Jahr zufrieden: Wir sehen das Interesse von Anzeigenkunden an beiden Thermomix-Titeln, und neue Kunden sind natürlich immer herzlich willkommen bei uns."

Das sieht Konstanze Hacke ein wenig anders: "Neue Magazine sind heute in der Regel ohne die Erlös-Säule Anzeigen kalkuliert. Zum einen bewertet die werbungtreibende Industrie die neuen Segmente erst nach einer gewissen Startphase und zum anderen sind valide Leistungsdaten mehr denn je Pflicht." Ihre Printausgabe "Rezepte mit Herz" entwickelte sich aus dem gleichnamigen Onlineportal zum Kochen und Backen mit dem Thermomix - die potenzielle Leserschaft für ein gedrucktes Heft leitete die Inhaberin von Konstanzemedia aus den mehr als 3 Millionen Page Impressions pro Monat ab. Mit etwa 80.000 bis 85.000 gibt Hacke die Verkaufsauflage ihres "Rezepte mit Herz" in den Mediadaten an. Knapp 18.000 Abonnenten seien darunter, sagt die Verlegerin. Dennoch: "Der Vertriebsmarkt wird sicher weiter aggressiv agieren , aber erste Sättigungseffekte zeichnen sich deutlich ab und führen dazu, das sich zum Ende des Jahres der Markt schon leicht bereinigt", sagt Konstanze Hacke.

Im Zeitschriftensegment Thermomix kann derzeit also noch keine Rede sein von einem "Landlust"-Boom (gute 900.000 Verkaufsauflage/IVW). Immerhin geben sich die Verlage, die noch im Geschäft sind, zufrieden mit dem Küchenhelfer-Kochthema.

Siebenstellige Auflagenzahlen erreichen im Zeitschriftenmarkt ohnehin nur noch Programmies: Die gehören auch in der IVW I/2017 zur aussterbenden Klasse der Millionenseller. Etwa "TV 14" mit 12,4 Millionen, "TV Digital" (1,6 Mio.), "TV direkt" (1,1 Mio.), "TV Spielfilm plus" und der Wochentitel "Hörzu" (je 1 Mio.).


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



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