"Geiselgasteig 2025" :
Traditionshaus Bavaria will die Zukunft des Bewegtbilds mitgestalten

2025 will Bavaria Film im Süden von München einen "modernen Bewegtbild-Campus" errichtet haben. Der Weg dorthin wurde jetzt so skizziert.

Text: Petra Schwegler

Der Bavaria-Standort Geiselgasteig soll junge kreative TV- und Filmmacher anlocken.
Der Bavaria-Standort Geiselgasteig soll junge kreative TV- und Filmmacher anlocken.

Die Bavaria Film feiert zwar im Jahr 2019 ihren 100. Geburtstag. Bis dahin soll sich das Münchner Produktionsunternehmen mit den öffentlich-rechtlichen Eltern allerdings in einem moderneren Gewand präsentieren.

So will Christian Franckenstein, Vorsitzender der Bavaria-Geschäftsführung, "unverändert" weiterhin die Beteiligungsaktivitäten straffen – "als Voraussetzung für gezieltes Wachstum in der Zukunft", wie er am Dienstag bei einem Pressegespräch in München bekannt gab. Neu ist etwa, dass das Bavaria-Gewirr entflochten und in die drei Geschäftsbereiche "Content", "Rights & Distribution" sowie "Studios & Services" unterteilt wurde.

Geholfen hat die Strategie bereits, zumal sie die Bavaria Film seit rund eineinhalb Jahren einsetzt. So konnte das Haus – nach Content-Umsatz neben UFA, Studio Hamburg, Endemol Shine sowie Constantin Film Teil der Top 5 im deutschen Produktionsmarkt – im vergangenen Jahr Umsatz (von 181,6 im Jahr 2014 auf 202,3 Millionen Euro) und Erlöse (von 5,6 auf 6,9 Millionen Euro) steigern. "Durchaus zufrieden" zeigt sich Franckenstein mit dem Ergebnis. Auch das Ebitda von 16,9 Millionen Euro (2014.: 16,7 Millionen Euro) kann sich sehen lassen.

Doch es soll mehr werden, die Rendite von derzeit rund drei Prozent verbessert werden. Weitere "Desinvestments" werden in diesem Jahr auf jeden Fall das Ergebnis beflügeln. So wurde der Berliner Home-Entertainment- und Logistik-Spezialist der Gruppe, die Eurotape Media Services GmbH, zum 1. Juli an die Nordkurier Mediengruppe verkauft. Im rückläufigen DVD-Markt ist die Bavaria Film damit nur noch über die Tochter Euro Video Medien aktiv.

Laut Achim Rohnke, Geschäftsführer Bavaria Film GmbH, wurde darüber hinaus der Technikservice-Dienstleister Bavariapool Services GmbH zu 100 Prozent in die Bavaria Studios Gruppe überführt. Ebenfalls seit dem 1. Juli hält die Bavaria Film eine Mehrheit von je 51 Prozent an der Bavaria Fernsehproduktion GmbH sowie über die Rechtetochter Bavaria Media GmbH an der Enterprises Sonor Musik GmbH. Die Strategie dahinter: An den gut 30 Beteiligungen der Gruppe wollen die Münchner das Sagen haben, die Unternehmen im Konzern voll konsolidieren und auch mitentscheiden, wo "Nichtbeschäftigung" enden sowie ein eher größeres Team zum Einsatz kommen soll.

Achim Rohnke (Foto: Bavaria).

Achim Rohnke (Foto: Bavaria).

Die Zahlen stärker beflügeln soll aber ein klarer Wachstumskurs unter zwei Überschriften: "Geiselgasteig 2025" und "Creative Forge". Über alle drei Geschäftsbereiche "Content", "Rights & Distribution" sowie "Studios & Services" erstrecken sich die Vorhaben, die jetzt auf Geiselgasteig bei München konzentrierte Produktion auszubauen, den Standort für viele Partner und Mieter attraktiv zu machen und sich so mit allen möglichen Dienstleistern rund um TV und Film zu vernetzen.

Mit "Creative Forge" sollen unter Bavaria-Entertainment-Geschäftsführer Tobias Gerlach Junge, Kreative und Youtuber angelockt werden. Motto: "Vom Lab direkt ans richtige Set", wie Rohnke das Ziel der Bavaria umreißt. Einen "modernen Bewegtbild-Campus" erhofft sich der Geschäftsführer, wenn "Creative Forge" in "Geiselgasteig 2025" mündet. Die "Hardware" der Firma für den Standort ist beachtlich: Auf dem etwa 30 Hektar großen Studioareal in Grünwald bei München werden zwölf Film- und TV-Studios mit einer Größe zwischen 50 und 3150 Quadratmetern betrieben.

Doch es müssen noch mehr Partner mit ins Boot: "Beim Wettbewerb um gewerbliche Medienunternehmen, um Spitzenkräfte und um die beste Infrastruktur steht der Bavaria eine große Herausforderung bevor. Wir wollen unseren Campus auf Augenhöhe mit den anderen und neu entstehenden Medienstandorten im Großraum München bringen", so Rohnke. Das Traditionshaus Bavaria will dort die Zukunft des Bewegtbilds mitgestalten.

Für die nahe Zukunft ist das Sky-Projekt "Das Boot" zunächst einmal ein sehr wichtiges Vorhaben fürs Unternehmen, das immer noch gut 70 Prozent seines Umsatzes mit der Säule "Content" macht. Acht Folgen der Serie mit einem Produktionsvolumen von bis zu 25 Millionen Euro sollen abgedreht, die Geschichte des gleichnamigen Bavaria-Kino-Hits weitererzählt werden. Gut wäre jetzt noch eine weitere tägliche Serie, die das volatile Produktionsgeschäft ähnlich wie die Cashcow "Sturm der Liebe" (ARD) stützt, räumen die Bavaria-Lenker ein. Hoffnung macht dem Bavaria-Team, dass deutsche Fiction ins TV zurückkehrt. 

"Das Boot" geht dank Christian Franckenstein (l.)und Sky-Chef Carsten Schmidt wieder auf Tauchgang (Foto: Bavaria).

"Das Boot" geht dank Christian Franckenstein (l.)und Sky-Chef Carsten Schmidt wieder auf Tauchgang (Foto: Bavaria).

Mittel zurücklegen musste die Bavaria, zumal das Unternehmen mit einer Entscheidung des Bundeskartellamts rechnen musste. Und in der Tat: Die Kartellwächter haben am Mittwoch Studio Berlin Adlershof, die Schwestergesellschaft Studio Berlin Broadcast und die Bavaria Studios & Production Services GmbH zu Bußgeldern in Höhe von insgesamt rund 3,1 Millionen Euro verdonnert – "wegen der Beteiligung an einem kartellrechtlich unzulässigen Informationsaustausch". Die Ermittlungen des Bundeskartellamtes seien durch einen Kronzeugenantrag des tatbeteiligten Studiobetreibers MMC Studios Köln ausgelöst worden, heißt es.

MMC kommt nun ohne Bußgeld davon, die Zahlungen für die drei Genannten wurden von der Bonner Behörde aufgrund ihrer Kooperationsbereitschaft gemindert. Die Strafzahlungen beziehen sich auf den "Informationsfluss zwischen konkurrierenden Unternehmen" im Zeitraum von September 2011 bis Dezember 2014. Damals habe es regelmäßig Zusammenkünfte und weitere persönliche Kontakte gegeben. Die Unternehmen hätten damals Informationen über Preise, Angebotsinhalte, ihr Angebotsverhalten und andere wettbewerblich sensible Informationen ausgetauscht, so das Kartellamt. 

Hinter der Bavaria stehen die ARD-Anstalten WDR, BR, MDR, SWR sowie der Freistaat Bayern.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.