Nachrichtensendung des US-Präsidenten :
Trump will Fake News mit "Real News" kontern

Twitter allein scheint nicht zu genügen: Seine Sicht der Dinge will Donald Trump nun mithilfe der Nachrichtensendung "Real News" via Facebook untermauern.

Text: Susanne Herrmann

Kayleigh McEnany präsentiert Donald Trumps "Real News" aus dem Weißen Haus.
Kayleigh McEnany präsentiert Donald Trumps "Real News" aus dem Weißen Haus.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich der amerikanische Präsident Donald Trump nicht über "Fake News Media", die "failing New York Times" oder die "Hexenjagd" auf ihn und seine Leute beklagt. Vornehmlich auf seinem Twitter-Kanal.

Hier fasst Trump dann in 140 Zeichen zusammen, wie er die Welt sieht: Erfolge, die während seiner Amtszeit erzielt worden seien und welche die Fake-News-Medien von CNN über NYT und Washington Post sich anzuerkennen weigerten. Seinen überwältigenden Wahlsieg. Die Menschenmassen bei seiner Amtseinführung. Die überwältigende Zahl an Anhängern, die seine Politik unterstützen. Ein Realdonaldtrump-Beispiel-Tweet:

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Tatsächlich kritisieren die großen Medienhäuser Trump teilweise scharf - und versuchen, das anhand von Fakten zu belegen. Trumps Fakten aber sind andere. Und er scheint die Überzeugung gewonnen zu haben, dass das Twittern allein trotz 35,4 Millionen Followern nicht ausreicht, um die seiner Ansicht nach einseitige Berichterstattung in den unabhängigen Medien zu widerlegen und die Deutungshoheit zu erlangen.

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Diesen weiteren Kanal hat er nun: Mit "Real News" lässt er eine eigene wöchentliche Nachrichtensendung produzieren. Die erste Sendung moderierte Schwiegertochter Lara Trump, jetzt Kayleigh McEnany; sie war vorher bei CNN und vertrat dort die Pro-Trump-Position. Auf dem Trump-kritischen Sender eine eher undankbare Aufgabe. Nun ist sie Sprecherin der Republikaner. Und darf als Moderatorin im Auftrag des Präsidenten durch seine Welt führen.

Direkt aus dem Trump Tower berichtet McEnany auf Facebook über die politische Agenda Trumps, den Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Einwanderung. Positive Nachrichten statt Berichterstattung der Traditionsmedien.

Trump und wie er die Welt sieht

Kurzfassung: Alles super! Die "wahren Nachrichten" in seiner Eineinhalb-Minuten-Show lauten Boom auf dem Arbeitsmarkt, Verbraucher sind optimistisch; Trump hat die Wirtschaft wieder auf Kurs gebracht, eine Lohnerhöhung für Arbeiter eingeführt (notwendig unter anderem, weil Einwanderung zu Lasten der Arbeitslöhne gegangen seien) und Kriegsveteranen ausgezeichnet.

1,6 Millionen Aufrufe verzeichnet das Nachrichtenvideo aus Woche 28 auf Trumps Facebookseite, es wurde 11.500 Mal geteilt und mehr als 42.000 Mal positiv bewertet.

Kritik ließ ebenfalls nicht lange auf sich warten. So setzen große Medien den Arbeitsmarktzahlen Trumps die der Obama-Legislaturperiode entgegen: Da seien die Zahlen ähnlich hoch gewesen, von Trump aber stets als geschönt bezeichnet worden.

Die Huffington Post bemängelt, dass es viele Tatsachen gar nicht erst in die "Real News" schaffen würden, etwa die Ermittlungen in der Russland-Affäre oder Trumps gebrochenes Versprechen, keinen Urlaub zu machen. Spicer, Kelly, Scaramucci? Sind kein Thema in der Trump-Show. Die "Washington Post" bezeichnete die "Real News" gar als "real propaganda". Vergleiche zu Staatsfernsehen à la Nordkorea oder Hofberichterstattung lägen nahe. Das sieht auch manch ein Nutzer so.

Hier Folge eins mit Lara Trump und den guten Nachrichten zu Trumps guten Taten: Er spendet sein Präsidentengehalt (auf das zu verzichten er direkt nach der Wahl angekündigt hatte), schafft Arbeitsplätze, er ehrt Lebensretter der Schießerei bei dem Kongress-Baseballspiel und Veteranen, er traf Polizisten in New York, die Wirtschaft boomt - und der Vizepräsident besuchte ein Soldaten-Spital (2,3 Millionen Aufrufe). Unterschied zu den "Real News" vom 6. August: gering. Neuigkeitswert beider Clips: keiner.

Das ist auch Futter für die US-Comedyshows. Zum Beispiel für eine Parodie bei Steven Colbert.

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Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.