Fake-News :
Trump will "New York Times" verkaufen

Die US-Medien werden für Donald Trump immer lästiger. So lästig, dass er die traditionsreiche "New York Times" per Twitter gleich zum Verkauf anbietet. Auf Twitter wiederum wird eine Ex-Kampagne dem US-Präsidenten derzeit zum Verhängnis.

Text: Anja Janotta

Donald Trump attackiert die "New York Times".
Donald Trump attackiert die "New York Times".

Die vierte Macht macht Donald Trump auch weiterhin zu schaffen. Die Presse ist allgemein beim neuen US-Präsidenten nicht so hoch angesehen, scheint aber durchaus einen Vorreiter zu haben, den Trump besonders gern attackiert - die traditionsreiche "New York Times". Allein vier Tweets waren dem Präsidenten die Inhalte der Zeitung am Wochenende wert. In einem davon ließ er sich sogar dazu verleiten, einen Verkauf der Traditionszeitung zu fordern. "Jemand mit Eignung und Überzeugung möge die Fake News- und versagende NYTimes kaufen, und entweder diese richtig betreiben oder sie in Würde sterben lassen."

Schon vorher hatte Trump über die angeblichen Fake News der "New York Times" getwittert:

Zuvor hatte Trump sowohl die "New York Times" als auch das "Washington Post" angegeriffen: "The coverage about me in the @nytimes and the @washingtonpost has been so false and angry that the times actually apologized to its […] dwindling subscribers and readers. They got me wrong right from the beginning and still have not changed course, and never will. DISHONEST." Man habe ihn von Anfang an falsch verstanden, die Redaktionen würden das auch weiterhin tun. Das sei unehrenhaft.

Die "New York Times " hatte kürzlich angekündigt, weit mehr Aufwand und auch Gelder in die Recherche rund um Donald Trumps Aktivitäten stecken zu wollen. Fünf Millionen Dollar würden dafür extra locker gemacht und das, obwohl die Zeitung an anderer Stelle auch sparen muss, kündigten die Chefredakteur Dean Baquet und Geschäftsführer Joe Kahn in einem offiziellen Memo an. Personell wurde das Trump-Team aufgestockt; statt vier berichten künftig sechs Reporter über den US-Präsidenten.

Twitter wird auch zum Gegeninstrument für Trump selbst. Eine fünf Jahre alte Marketingaktion von Trumps Hotelkette hat auf Twitter zu Hunderten hämischen Antworten geführt. "Erzählt uns von eurer liebsten Reiseerinnerung", hatten die Trump Hotels Ende 2011 gebeten - und vorgeschlagen: "War es ein Bild, ein Souvenir, ein Sonnenuntergang?" Angesichts des Einreiseverbots der USA gegen sieben überwiegend muslimische Länder erzählten die Nutzer nun aber ganz andere Geschichten.

"Meine ist die Geschichte meiner Mutter, die Nazideutschland mit dem Zug nach Brüssel verließ und sich dort versteckte, bis sie sich als Flüchtling in die USA retten konnte", schrieb eine Twitter-Nutzerin, deren Beitrag rund 15.000 Mal weiterverbreitet wurde.

"Ich erinnere mich an die Zeit, als man ins Ausland reisen konnte, ohne sich dafür schämen zu müssen, ein Amerikaner in der Ära Trump zu sein", schrieb ein anderer. Insbesondere das Einreiseverbot für syrische Flüchtlinge rief beißende Kritik hervor. Trump hatte einen 90-tägigen Einreisestopp für Menschen aus den mehrheitlich muslimischen Ländern Syrien, dem Iran, dem Irak, dem Sudan, Somalia, Libyen und dem Jemen verfügt. Auch die Firmenchefs namhafter IT-Unternehmen haben neben den Medien das Einreiseverbot scharf kritisiert.

Vielleicht mag sich Trump nach seinen unschönen Begegungen mit der US-Presse eine euphorischere Berichterstattung wünschen, wie er sie gerade in Serbien erfährt. "Trump, Du alter Serbe!" titelt dort beispielsweise die  Zeitung "Informer", die als Sprachrohr der Regierung gilt. Sie ließ diesen Slogan sogar auf Reklametafeln im Zentrum Belgrads kleben. Der angebliche Hintergrund: Die serbische Oma Milka Milisavljevic will in den 80er Jahren im Trumpschen Haushalt Kindermädchen gewesen sein. Jetzt behauptet sie: "Wegen mir liebt Trump Serbien." Die Belgrader Zeitung "Kurir" übermittelte vor wenigen Tagen "exklusiv" diese angebliche Aussage des neuen US-Präsidenten: "Ihr Serben seid ein wunderbares Volk. Ich will mich mit Regierungschef (Aleksandar) Vucic treffen." Das habe er dem serbischen Botschafter in Washington persönlich mitgeteilt. (mit dpa)


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.