TV-Wirkungstag: Fernsehen lebt - aber irgendwie anders

David Brennan, Hartmut Scheffler oder auch Stefanie Lemcke - Experten beschwören auf dem 9. TV-Wirkungstag die Macht des Social Web und seine positiven Effekte auf das Medium Fernsehen.

Text: Petra Schwegler

- keine Kommentare

Social Media ist auf dem 9.TV-Wirkungstag angekommen, der am Donnerstag - dem Girl's Day - nach Düsseldorf in die Tonhalle lädt. Dort macht der britische Media-Kenner David Brennan von Media Native deutlich, dass Fernsehen lebendiger ist denn je, gerade deshalb, weil TV heute dank vieler Verbreitungswege überall und mobil empfangen werden kann. Dass sich die Nutzer auf Facebook oder via Twitter über Fernsehen austauschen, macht das Medium nochwichtiger - so die Kernthese des Briten, der überzeugt ist: Fernsehen lebt - aber irgendwie anders.

Die große Stärke des Mediums sei die große Emotionalität und die Fähigkeit, das Langzeitgedächtnis zu stimulieren. Vorteil von TV gegenüber dem schnell wachsenden Medium Internet: Man kann gemütlich vor dem TV-Gerät gemeinsam Filme und andere Inhalte konsumieren. Das sei auch ein starkes Umfeld für die Werbung - so Brennan. Dass auch TV-Werbung vom Social Web profitiert, führt der Forscher anhand eines netten Beispiels vor - an der Werbefigur Aleksandr the Meerkats. An sich dröge Themen wie Preisvergleiche könnten so dank YouTube und Facebook zu wahren Kultmarken werden. Brennan: "Es ist die aufregendste Zeit, um in Marketing, Media und Fernsehen zu arbeiten!"

Hartmut Scheffler von TNS Emnid kann Brennans Thesen weitgehend für den deutschen Markt bestätigen. Für die Marken gibt er die These aus, dass sie selbst zu Medien werden - mit Auftritten in den sozialen Netzwerken. Wobei: Platte Produktwerbung würden die User zu 50 Prozent ablehnen. Scheffler appelliert an Markenartikler, Kampagnenplanungen neu anzugehen und die "Orchestrierung" der Reklame zu überdenken. Zuschauer würden die Aussagen der Werbebotschaften immer mehr sofort online nach ihrem Wahrheitsgehalt überprüfen. Dass die Deutschen immer noch mehr und länger Fernsehen gucken, liegt laut dem TNS-Emnid-Mann an der Parallelnutzung mit mobilen Medien, die stark zunehmen würde. Seine These: "TV treibt Online und das Web pusht Fernsehen." Drei der vier meistgegoogelten Menschen im Jahr 2011 sind Deutschland TV-Stars gewesen.

Moderator Wolfram Kons, eloquenter, gut gelaunter Moderator und Botschafter des RTL-Standorts Köln, hat noch weiter "Propheten" in der Hinterhand - obwohl: Er möchte sie wie Sir Peter Ustinov am liebsten in drei Jahren wieder befragen. Ziemlich sicher dürften indes Trends sein, die Quantum-Managerin Stefanie Lemcke frisch aus den USA mitbringt. Dort wird der Microblogging-Dienst immer wichtiger für das Medium Fernsehen. Die Top-50-US-Shows würden auf Tweets nicht mehr verzichten. In TV-Sendungen sind Binden mit Twitter-Botschaften nicht mehr wegzudenken. Sie wirkt begeistert von der Entwicklung "TV Anywhre", die US-Kabelstationen im vergangenen Jahr durch die Bank durchgezogen hätten. Das iPad wird zur Fernbedienung, der viel beschworene Rückkanal ist perfekt. Und: "Die Datenexplosion revolutioniert TV."

Zur Info: Düsseldorf ist patriotisch - der Fanschal des FC Bayern, der sich am Vorabend in einer Zitterpartie gegen Real Madrid ins Finale der Champions League gekickt hat, ziert ide Bühne des TV-Wirkungstag. TNS-Mann Scheffler spielt "Prophet" - er sieht 2013 auf dem Event den schwarz-gelben Schal des BVB...


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit