Wie ARD und ZDF werbefreier werden sollen

Im 15. Rundfunkstaatsvertrag könnte stehen, dass ARD, ZDF und DeutschlandRadio wesentlich weniger oder gar nicht mehr werben dürfen. Für den Hörfunk verlangt der Privatfunkverband VPRT, dass zumindest das Spotvolumen deutlich reduziert wird - wie beim NDR...

Text: Petra Schwegler

14. May. 2012 - 1 Kommentar

Die Vorarbeiten für den 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag laufen an - und damit für weniger Werbung bei ARD, ZDF und DeutschlandRadio. Das ist bei der zweiten "Radio Lounge" des Privatfunkverbands VPRT in Berlin deutlich geworden. Bereits zur nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 14. Juni sei geplant, dass die Landesväter der Rundfunkkommission grünes Licht für einen Sonderbericht zur Werbereduzierung in TV und Radio geben sollen, betont Harald Hamann, Leiter der Abteilung Medien der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz. Dort, bei Ministerpräsident Kurt Beck, liegt die Federführung der Kommission.

Nun soll also die Gebührenkommission KEF in einem Sondergutachten im Zusammenhang mit ihrem nächsten Bericht die Auswirkungen einer möglichen Reduzierung der Werbung sowohl für Hörfunk als auch für Fernsehen einschließlich des Sponsorings noch einmal darlegen. Unabhängig davon werde man mit allen Beteiligten frühzeitig in die politische Diskussion darüber einsteigen, kündigt Hamann an. Apropos "Werbereduzierung": Die Länder verhandeln in diesem Punkt erst einmal ergebnisoffen. Am Ende könnte auch entschieden werden, dass Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk komplett gegen Null gefahren wird.

Für den VPRT steht derzeit der Werbefunk im Vordergrund: So bringt der Verband den Vorschlag ein, den gesamten ARD-Hörfunk nach dem "NDR-Modell" zu gestalten und stufenweise die Werbung zu reduzieren. Will heißen: Alle ARD-Anstalten sollten werktäglich nur noch maximal 60 Minuten im Radio werben dürfen – in nur einem Hörfunkprogramm. Auch Sponsoring sollte dort künftig verboten sein. Ähnlich lauten Überlegungen, die die Medienanstalten zur Jahreswende gegenüber den Ländern in einem Schreiben offenbart haben. Der Radio-Regenbogen-Chef und Verbands-Vize Klaus Schunk appelliert an die Medienpolitik, bei den anstehenden Beratungen Hörfunk "nicht im Paket" mit TV zu verhandeln. Schunk fordert zudem, dass die Causa Werbefunk vorgezogen werde – die Lage des Privatfunks, der unter den "Dumpingpreisen der ARD" leide, mache das nötig.

Ob sich KEF und Rundfunkkommission bei Überlegungen zu weniger Werbung im ARD-Hörfunk am NDR-Modell orientieren, ist noch offen. Und ob die ARD im Ausgleich für weniger Werbung im Funk -wie von der Medienanstalt BLM geschätzt – als Ausgleich geschätzte 30 bis 40 Cent mehr an Gebühren bekommen könnte - das liegt bei der KEF. Die Gebührenkommission muss 2013 und mit dem Start des neuen Haushaltsmodells ohnehin alles neu berechnen.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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Anonymous User 2. April 2013

Ich frage mich als trockener Alkoholiker schon lange, warum nicht auch, neben dem Verzicht auf Werbung für Tabakwaren, auf Werbung für Alkohol verzichtet wird?

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