Depressionshilfe warnt im Fall Bennington :
Wie Medien über Suizide berichten sollten

Möglichen reißerischen Schlagzeilen über den Tod des Linkin-Park-Frontmannes Chester Bennington möchte die Stiftung Deutsche Depressionshilfe vorbeugen.

Text: Petra Schwegler

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe gibt Tipps, wie Medien nach dem möglichen Selbstmord von Chester Bennington berichten sollen.
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe gibt Tipps, wie Medien nach dem möglichen Selbstmord von Chester Bennington berichten sollen.

Dass Chester Bennington, Sänger der US-Band Linkin Park, am Donnerstag im Alter von nur 41 Jahren in seinem Haus bei Los Angeles tot aufgefunden wurde, haben Medien und Netzgemeinde sehr unterschiedlich kommuniziert. Vor allem die Vermutung, dass es sich möglicherweise um einen Suizid handelt, wird in der Berichterstattung nach und nach in den Mittelpunkt gestellt oder reißerisch aufgemacht.

Durchaus mit schlimmen Folgen für potenzielle Nachahmer, wie die Stiftung Deutsche Depressionshilfe anlässlich des Todes des Linkin-Park-Frontmannes warnt. Die Berichterstattung über Selbstmorde sei mit "besonderer Verantwortung" verbunden, da die Gefahr des so genannten Werther-Effektes bestehe, heißt es in einem Hinweis an die Redaktionen am Freitag. Sprich: Die Organisation fürchtet, dass das Schildern von Details "Nachahmungssuizide" auslösen könnte.

Und begründet dies so: Fast 90 Prozent der jährlich rund 10.000 Suizide und 150.000 Selbsttötungsversuche in Deutschland erfolgen demnach vor dem Hintergrund einer oft nicht optimal behandelten psychischen Erkrankung, am häufigsten einer Depression. Falsch gestaltete Medienberichte könnten in einer "kritischen Phase" eines Erkrankten durchaus den Auslöser für einen Suizid darstellen.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe gibt unter anderem folgende Tipps, um die Berichterstattung über Suizide abzufedern:

-In den Berichten sollten Helplines und Hilfekontakte angegeben werden, wie etwa die Telefonseelsorge in Deutschland 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222 oder im akuten Fall der Notarzt.

- Die Autoren sollten Expertenmeinungen einholen.

- Alternative Problemlösungen und Fälle von Krisenbewältigung sollten aufgezeigt werden.

- In den Medien sollte der Suizid als Folge einer Erkrankung (z.B. Depression) dargestellt wird, die erfolgreich hätte behandelt werden können.

- Die Autoren sollten Hintergrundinformation zum Krankheitsbild geben.

In einem Medien-Guide hat die Stiftung die wichtigsten Regeln zusammengefasst. Sie sind hier zu finden. Tatsächlich – eine gewisse Sensibilisierung hat eingesetzt, namhafte Medienmarken wie der "Spiegel" geben Hinweise.