TV-Quoten im Januar :
ZDF und ARD im neuen Jahr auf der Poleposition

Aber RTL legt ordentlich zu: Von allen Sendern den besten Start ins Jahr hatte das ZDF. Knapp dahinter liegt die ARD, gefolgt von RTL. Werberelevante schauen aber lieber Private als Öffentlich-Rechtliche.

Text: Susanne Herrmann

Das ZDF hatte von Deutschlands TV-Sendern den besten Start ins Jahr 2016. Im Monat Januar verbuchte das Zweite dank vieler reichweitenstarker eigenproduzierter Filme und der Handball-EM einen Marktanteil von 13,2 Prozent - im Dezember waren es noch 12,3 Prozent. Zweiter wurde die ARD mit 12,2 Prozent (Dezember: 11,9 Prozent) - Krimikost und die "Tagesschau" trugen wesentlich dazu bei. Einen Aufschwung gab es noch einmal am Sonntag mit einem Tagesmarktanteil von 20,4 Prozent, dank Handball-EM-Finale und "Tatort" (mehr dazu weiter unten).

An die dritte Stelle setzte sich mit RTL der stärkste Privatsender. Die Kölner verdanken die guten Einschaltquoten vor allem dem Dschungelcamp "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" - so kamen 11,7 Prozent (9,1 Prozent) zusammen. Bei Sat.1 schalteten 7,0 Prozent (7,1 Prozent) ein, bei ProSieben 5,2 (5,4 Prozent). Vox erreichte im Januar 4,7 (5,2 Prozent) der Zuschauer, Kabel eins 3,4 (3,9 Prozent), RTL II 3,3 (ebenfalls 3,3 Prozent) und Super RTL 1,7 Prozent (2,0 Prozent). Die Dritten Programme der ARD erreichten zusammengenommen 12,5 Prozent.

Beim jüngeren, vor allem für die Werbewirtschaft interessanten Publikum zwischen 14 und 49 Jahren siegte RTL im Januar mit 16,3 Prozent vor ProSieben (10,7 Prozent) und Sat.1 (8,4 Prozent). Nach Sendergruppen liegt ProSiebenSat.1 leicht vor RTL: Sat.1, ProSieben, Kabel eins, Sixx, Sat.1 Gold und ProSieben Maxx kommen zusammen auf einen Monatsmarktanteil von 27,3 Prozent. Die IP-Sender RTL, Vox, Super RTL, N-TV, RTL Nitro erreichen 26,9 Prozent.

Der Sonntag war ein Triumph für die deutsch Handballnationalmannschaft - und die ARD. Den 24:17-Erfolg im EM-Finale gegen Spanien sahen am Sonntag ab 17.30 Uhr im Ersten 12,98 Millionen Zuschauer. Der Marktanteil betrug 42 Prozent.  Groß war auch das Interesse des jungen Publikums: 40,3 Prozent der 14- bis 49-jährigen Zuschauer fieberten mit. Allerdings blieb der Gesamtwert unter dem des WM-Finales 2007, als rund 16 Millionen Menschen den deutschen WM-Triumph verfolgten. Zum "Tatort" aus Dortmund mit dem Titel "Hundstage" schalteten dann am Hauptabend 9,34 Millionen Zuschauer das Erste ein. Das entsprach einem Marktanteil von 24 Prozent ab 20.15 Uhr. Der vorherige Dortmund-"Tatort" im vergangenen Oktober hatte mit 9,69 Millionen Zuschauern (27 Prozent) seine bisher beste Quote eingefahren und war damit noch etwas erfolgreicher als der jüngste.

RTL erreichte mit "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! Das große Wiedersehen" am Sonntag noch einmal 5,4 Millionen Zuschauer (14,4 Prozent). Im ZDF schalteten 4,68 Millionen Zuschauer (12 Prozent) das TV-Melodram "Zeit für Frühling" ein. Die Serie "Navy CIS" auf Sat.1 sahen 3,43 Millionen Zuschauer (8,7 Prozent). Die Komödie "Wir sind die Millers" auf ProSieben kam auf 3,26 Millionen Zuschauer (8,9 Prozent).

Zur Handball-WM 2017 übrigens bekommen ARD und ZDF die Rechte offenbar nicht. Wie 2015 bei der WM in Katar droht ein Blackout im frei empfangbaren Fernsehen. Die technischen Anforderungen des Rechteinhabers BeIN Sports existieren weiterhin, meldet die DPA. Im Vorjahr wurde das Turnier nur vom Pay-TV-Sender Sky gezeigt, und das könnte auch 2017 so sein. BeIN Sports besteht nach ARD-ZDF-Angaben darauf, dass die TV-Signale der WM für Satelliten-Kunden verschlüsselt werden. ARD und ZDF müssten "nach derzeitigem Stand 18,4 Millionen Haushalte, die uns via Satellit empfangen, einfach ausschließen", sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Das komme nicht in Frage. 

Das ZDF freut sich also erst mal auf eine Fortsetzung der Handball-Quotenerfolge Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Bereits vor der EM in Polen habe das ZDF gemeinsam mit der ARD sein Interesse an den Übertragungsrechten für die Handball-WM 2017 bekundet. "Dies ist nach wie vor groß, beide Sender sind jederzeit zu Gesprächen bereit", teilt der Sender mit. Die Zuschauerzahlen bei den Übertragungen aus Polen dokumentierten  die Erwartungshaltung, dass große Handballereignisse frei empfangbar ausgestrahlt werden. ZDF: "Nach den bisherigen Äußerungen wird dies vom Rechteinhaber nicht angestrebt."  (sh/dpa)


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.