Gelöschte Kommentare :
Zensur bei Facebook? WDR-Talker Domian ist sauer

Dem WDR-Moderator Domian hat Facebook Texte und Kommentare rund um die Kirche gelöscht - und rudert nun mit einer Entschuldigung zurück....

Text: Petra Schwegler

19. Mar. 2013 - 8 Kommentare

WDR-Kummerkasten Jürgen Domian, inzwischen im Social Web äußerst präsent, beklagt Zensur auf seiner Facebook-Seite – unter großer Anteilnahme seiner Fangemeinde. In der Nacht zum Dienstag hat er auf seiner Seite gepostet, dass er "äußerst verärgert und fassungslos" sei, nachdem Facebook seine Beiträge und die Kommentare seiner Fans gelöscht habe. "Stein des Anstoßes ist wohl mein kritischer Beitrag zu dem Auftritt des erzkonservativen Katholiken Martin Lohmann bei Günther Jauch. Diesen Beitrag haben immerhin 1,1 Millionen Menschen gelesen“, schreibt Domian Montagnacht; über Domians Lohmann-Schelte hat auch W&V Online berichtet. Auch sein "völlig harmloser (und durchaus wohlwollender) Text zum neuen Papst“ entspreche nicht den Richtlinien von Facebook – so hätte es ihm das soziale Netzwerk am Montag mitgeteilt. Der 1Live-Nacht-Moderator findet den Vorgang "ungeheuerlich. Mit Meinungsfreiheit hat das nun rein gar nichts mehr zu tun. Die Texte hätten als Kommentar in jeder öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalt über den Sender gehen können, hätten in jeder Zeitung stehen können. Alle Grundbedingungen waren gefüllt". Domians Vermutung: "Offensichtlich aber haben fanatische Kirchenanhänger bei Facebook so viel Wind gemacht, dass man dort eingeknickt ist." Er beklagt weiter: Auch sein Posts zur Homo-Ehe seien verschwunden.

Der WDR-Nachttalker zeigt sich besonders über die Zensur seines Papst-Textes verwundert und macht deutlich, dass er sich bei so niedrigen Zensurschranken Sorgen um die Demokratie mache. "Mir wird angst und bange bei der Vorstellung, in unserem Land würden politische Kräfte erstarken, die die Demokratie bedrohen. Eine vermeintlich demokratische Plattform wie Facebook würde wohl sofort des neuen Herrn Diener sein", so Domian. Er will nun – ganz ungewöhnlich - in der nächsten Zeit nichts posten, "um die Dinge zu klären. Auch um zu vermeiden, dass meine Texte wieder gelöscht werden". Die Bitte, seinen Text zu teilen, erfüllen ihm viele: Mehr als 65.000 Likes hat das Stück bis zum Dienstagvormittag erhalten, fast 25.000 Facebook-Mitglieder haben Domians Text geteilt.

Und Facebook gibt das Löschen der Texte zu - dabei handele es sich um einen (menschlichen) Fehler. Sprecherin Tina Kulow reagiert rasch – noch nachts, über einen Eintrag im sozialen Netzwerk. Das Unternehmen bemüht sich um Schadensbegrenzung – und entschuldigt sich bei Domian. Die Reporting-Systeme seien dafür entwickelt, "Menschen vor Missbrauch, Hass-Rede und Mobbing zu schützen und es ist bedauernswert, dass gelegentlich Fehler gemacht werden, wenn solche Reports bearbeitet werden", heißt es im Unternehmenssprech. Facebook wisse, "dass dies frustrierend sein kann, wenn wie in diesem Fall, solch ein Fehler passiert". Sie beschwört – trotz möglicher Zensur - den Demokratie-Gedanken hinter der Seite: "Einige Kommentare und Inhalte können für jemanden störend sein - Kritik an einer bestimmten Kultur, Land, Religion, Lebensstil oder politische Ideologie, zum Beispiel. Das allein ist kein Grund, um die Diskussion zu entfernen. Wir glauben fest daran, dass Facebook-Nutzer die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu äußern, und dass wir in der Regel diese Inhalte, Gruppen oder Seiten, die sich gegen Länder, Religionen, politischen Organisationen oder Ideen richten, nicht entfernen."

Nun heißt es abwarten, ob Domian das als Erklärung reicht und ob er bald wieder postet...


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



8 Kommentare

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Anonymous User 19. März 2013

Ich weiß nicht viel über Domian. Aber Fatzebuck ist ja nun scheinbar wirklich ziemlich überflüssig. Wer hat denn, im echten Leben, z.B. 238 Freunde, oder so? Aber gut: Manche schrei'n vor Glück...

Anonymous User 19. März 2013

Facebook ist lt. der Sprecherin also ein Ort, "...wo Menschen offen diskutieren. ihre Fragen und ihre Meinungen äußern können...".
Und da dachte ich immer, Facebook sei ein börsennotiertes Unternehmen was schließlich nur der Profitrate unterworfen ist - ein Shareholder, wer böses dabei denkt!

Anonymous User 19. März 2013

In unreifen Jahren habe ich immer über "Dummerjan" gelacht. Weichei und so.

Irgendwann war ich älter und da habe ich angefangen mal rein zu hören. In Zeiten, wo die erste Frage auf jeder Party lautet "Was machst Du?" Hat ihn schon immer mehr interessiert, wie bist du und warum. Sein Können war damals schon unglaublich. Ich bin auch sicher dieses Können entstand aus seinem Selbst und seinem Talent und war kein Ergebnis schlauer Fragepläne.

Er hat seine Medaille des Verdienstordens wirklich verdient und bringt dieser Auszeichnung ein Stück Würde zurück.

Das nur als Vorbereitung zu meiner Meinung zum Thema Domian bei Facebook zensieren:

Was erlauben Sie!!!11!eins!eins!

Anonymous User 19. März 2013

Merkwürdiger Schluss-Satz der Facebook-Sprecherin: „Wir glauben fest daran, … dass wir in der Regel diese Inhalte … nicht entfernen.“ Facebook glaubt fest daran? Einerseits ist das bekanntlich noch nicht wissen; andererseits kenne ich viele Leute, die fest an Gott glauben und ihn mir doch noch nie zeigen konnten. Was soll ich nun von Facebook halten, so in der Regel? Hintertürchen, ick hör dir trappsen...

Anonymous User 19. März 2013

@Thomas @baldrian Pardon, Asche über unser Haupt. Da waren wir wohl zu schnell.

Anonymous User 19. März 2013

Bitte die Texte mal etwas mehr vor der Veröffentlichung korrekturlesen...

Anonymous User 19. März 2013

Wnn die Texte hir ncht mhr probeglesen wedrn, bevr sie raus gehn, lasst si wnigstns saubr copy-psten. Die ganzen Typos wirken einen Hauch unseriös.

Anonymous User 19. März 2013

Unfassbar! Sowas wird gelöscht, weil es in irgendein Raster fällt und andere Greueltaten könenn weitherin ihr Unwesen auf FB treiben, sich untereinander abstimmen und weiter aufputschen (Gruppen und Seiten zu Hundemorden und -Metzgereien, rechtsextreme Seiten etc.).... traurig traurig wo das hinführt....

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