BBDO/Sandy Hook Promise :
Zwei Mal gucken: Warum die Werberomanze "Evan" so gut funktioniert

BBDO New York sorgt gerade mit dem Spot "Evan" für Aufsehen: einer High-School-Romanze, bei der man zwei Mal hinschauen muss, um ihren Sinn zu verstehen.

Text: Daniela Strasser

Szene aus dem Film von BBDO New York.
Szene aus dem Film von BBDO New York.

Süß. So beginnt der zwei Minuten lange Film "Evan". Ein gelangweilter Schüler kritzelt vor den Sommerferien Botschaften auf einen Tisch in der Schulbibliothek. Zu seiner Überraschung antwortet ihm eine Unbekannte. Die beiden schreiben weiter. Kurz vor den Ferien gibt sie sich endlich zu erkennen. Sieht aus wie der Anfang einer großen Schülerliebe. Wer schon ein paar Mal Werbung gesehen hat, vor allem solche die bei Kreativfestivals ausgezeichnet wird, ahnt allerdings, dass das nicht alles gewesen sein kann, was BBDO New York da für Sandy Hook Promise abliefert.

Und tatsächlich lenkt der Film erst zum Schluss auf die Hauptszenerie: Im Hintergrund war ein Junge zu sehen, der einen Amoklauf vorbereitet hat. Bemerkt hat das niemand. Sandy Hook Promise ist eine Non-Profit-Organisation, die mögliche Täter frühzeitig erkennen helfen lassen will und so Amoktaten verhindern. Sie wurde nach dem Attentat in der Sandy Hook Elementary School in Conneticut gegründet, wo 2012 20 Kinder und acht Erwachsene ums Leben kamen. 

Anti-Waffen-Kommunikation kennt man in der amerikanischen Werbewelt bestens. Auch das Stilmittel des Zweimal-Hinschauens ist in der Werbung an sich nicht neu. Man denke etwa an das vielprämierte Beispiel "High School Girl" der Kosmetikmarke Shiseido, das sich den Geschlechterstereotypen widmet.

Aber: Zum Nachdenken anregen, nochmal gucken. BBDO New York schafft das mit "Evan" in besonders guter Art und Weise. Auch, weil sich die beiden nicht auf artifizielle Details versteift haben wie etwa Shiseido, sondern in der Ansprache angenehm direkt bleiben. Untermalt mit romantischen Szenen, die jeder aus der Schulzeit so oder ähnlich mindestens nachvollziehen kann. Und ohne, den moralischen Zeigefinger zu heben. Ein Social-Case, klar, aber schon jetzt ein ziemlich aussichtsreicher Preis-Kandidat für die Kreativsaison 2017.

Die Kreation bei BBDO verantworten David Lubars (CCO Worldwide), Greg Hahn (CCO New York), Peter Alsante (Creative Director), Bryan Stokely (Copywriter). Art Director ist Martins Zelcs, produziert hat Smuggler, Regie geführt Henry-Alex Rubin.


Autor:

Daniela Strasser, W&V
Daniela Strasser

Redakteurin bei W&V. Interessiert sich für alles, was mit Marken, Agenturen, Kreation und deren Entwicklung zu tun hat. Außerdem schreibt sie für die Süddeutsche Zeitung. Neuerdings sorgt sie auch für Audioformate: In ihrem W&V-Podcast "Markenmenschen" spricht sie mit Marketingchefs und Media-Verantwortlichen über deren Karrieren.