Studie :
Kulturelle Unterschiede behindern Innovationen

Kulturelle Vielfalt wirkt nicht immer beflügelnd, meint Tomas Chamorro-Premuzic, Professor für Wirtschaftspsychologie am University College London. Wenn es um Innovationen geht, wirke sie kontraproduktiv.

Text: Christian Gehl

Steile These: Tomas Chamorro-Premuzic, Professor für Wirtschaftspsychologie am University College London
Steile These: Tomas Chamorro-Premuzic, Professor für Wirtschaftspsychologie am University College London

Es ist ein ziemlicher Schock: Entgegen der gesellschaftlich weithin akzeptierten Annahme, dass Diversität am Arbeitsplatz die Kreativität beflügelt, stehen sich Teams mit sehr unterschiedlichen kulturellen Hintergründen eher gegenseitig im Weg. Allerdings nicht grundsätzlich – tatsächlich hängt es von der Art der Tätigkeit ab, ob ethnisch gemischte Arbeitsgruppen produktiv zusammenarbeiten. Behauptet wird dies von Tomas Chamorro-Premuzic, CEO des US-amerikanischen Recruiting-Dienstleisters Hogan Assessment Systems und Professor für Wirtschaftspsychologie am University College London. Grundlage seiner These ist eine Metaanalyse von 108 Studien über mehr als 10.000 Teams. Derzufolge arbeiten Menschen aus verschiedenen Kulturen sehr gut miteinander zusammen, wenn es darum geht, Ideen zu entwickeln. Im Vergleich zu Teams mit einem homogenen ethnisch-kulturellen Hintergrund sind sie kreativer: Sie entwickeln weitaus häufiger originelle und nützliche Ideen. Allerdings scheint es für ethnisch gemischte Arbeitsgruppen schwierig zu sein, einen Konsens zu finden, der ihnen hilft, die richtige Idee überhaupt erst einmal auszuwählen und dann auch tatsächlich umzusetzen. Bei der Implementierung ihrer Ideen seien sie deutlich im Nachteil, so Chamorro-Premuzic in einem Aufsatz für das Business-Magazin „Harvard Business Review“.

Was also tun? Der Autor schlägt vor, Teams eben gemäß genau dieser Arbeitsvorgaben zusammenzustellen. Geht es darum, Ideen zu entwickeln, Neues hervorzubringen, in diesem Sinne kreativ zu sein. dann sollte ethnisch sehr gemischten Gruppen der Vorzug gegeben werden. Soll allerdings aus einem Fundus an bereits existierenden Ideen eine ausgesucht und umgesetzt werden, so seien Unternehmen mit homogenen Teams besser dran. Laut Chamorro-Premuzic sei nämlich gar nicht der Mangel an Ideen das Problem der Wirtschaft, es seien die Innovationen, also die tatsächlich implementierten Vorschläge. Quintessenz seines Aufsatzes: Mit homogenen Teams kann dem Innovationsstau wirkungsvoll begegnet werden.