Interview:
Let'sPlayer Paluten: "Wir machen keine Kampagnen, auf die wir keinen Bock haben"

Wieso einerseits Minecraft, andererseits GTA? "Das ist wie die Frage wieso einerseits Pizza, andererseits aber Steak." Let'sPlayer Paluten im Interview.

Text: Ralph-Bernhard Pfister

Paluten, eigentlich Patrick, ist seit 2012 Youtuber und macht Let'sPlay-Videos. Er bringt es auf über 2,3 Millionen Abonnenten auf Youtube und auf über 1,1 Mrd. Views gesamt. Ein Gespräch über seine Themen, seine Zielgruppe und die Rolle von Werbepartnern.

Patrick, als LetsPlayer reichen deine Videothemen von Minecraft über Sim-Spiele bis zu GTA V, aufgelockert durch Alltagsspäße. Wie kommt diese Mischung zustande?

Das sind alles fantastische Spiele, die mir extrem viel Spaß machen und bei denen nur meine Fantasie die Grenzen setzt. Ich spiel nur das, worauf ich selbst Lust habe – alles andere würde auch total unglaubwürdig rüberkommen. Und da ich nicht rund um die Uhr am Zocken bin - obwohl ich verstehen kann, wenn das so rüberkommt -, sind mir auch meine Alltagsspäße immer wichtiger geworden. Dadurch kann ich meine Zuschauer auch noch mehr an meinem Leben teilhaben lassen und sie beispielsweise darüber informieren, was für eine geile Zeit ich auf der Gamescom 2017 hatte. Immer wieder tauchen auch befreundete Influencer in den Clips auf, was mich natürlich auch extrem freut.

Wieso einerseits Minecraft, andererseits GTA?

Das ist ein wenig wie die Frage "Warum einerseits Pizza, andererseits aber Steak". Beide Spiele sind absolut großartig! Während in Minecraft die eigene Fantasie animiert und angestachelt wird, tauche ich in GTA in eine meisterhaft inszenierte Welt ein, die mich mit immer neuen Details überrascht und begeistert.

Als LetsPlayer hast du es sicher mit einer recht unterschiedlichen Zielgruppe zu tun. Wie sehen deine Fans aus?

Meine Fans sehen wunderschön aus und sind von einer elfenhaften Aura umgeben! Im Ernst: Meine Fans sind tatsächlich sehr unterschiedlich, was mich immer wieder überrascht und freut – dass ich mit meinen Videos eine so breite Zielgruppe erreichen würde, hätte ich zu Beginn niemals erwartet. Ich bekomme immer wieder Kommentare von Schülern, die als Belohnung nach dem Büffeln für eine Klassenarbeit meine Minecraft-Videos schauen – gleichzeitig gibt es auch tolles Feedback von vierzigjährigen Familienvätern, die nach der Arbeit mit meinen GTA-Videos relaxen.

Was meine Fans aber vereint ist der enorme Support für mich und meine Projekte, für den ich extrem dankbar bin. Dadurch kann ich auch neue Ideen ausprobieren, ohne dass gleich ein Shitstorm losbricht.

Wie wichtig ist die Interaktion mit ihnen? Wie handhabst du das?

Die Interaktion mit meinen Fans ist mir extrem wichtig: Ich bin sehr aktiv auf Twitter und in den Kommentaren bei YouTube. Auch wenn ich leider nicht auf alle Kommentare antworten kann: Ich lese sie und sie sind für mich wichtiges Feedback. Gerade weil meine Videos oft auch von Improvisation leben ist die Interaktion sehr hilfreich um zu erkennen, was gut funktioniert hat und was nicht – vielleicht steckt da schon die nächste Idee für ein neues Format drin.

Bei öffentlichen Auftritten nehme ich mir natürlich auch immer Zeit für Autogramme, Selfies und ein kurzes Gespräch. So kitschig das jetzt auch klingen mag: In diesen Momenten ist mir besonders bewusst, wie viel Glück ich hatte, dass meine Videos bei so vielen Menschen ankommen und deshalb will ich mir auch so viel Zeit wie möglich für meine Fans nehmen.

Welche Rolle spielen die Kanäle jenseits von Youtube?

Auf Twitter bin ich mehrmals am Tag aktiv und mein Instagram-Account brummt ebenfalls, obwohl ich dort noch gar nicht so aktiv bin, wie ich gerne sein möchte.

Bislang betreffen mich die "Richtlinien für werbefreundliche Inhalte" von YouTube nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass die anderen Kanäle künftig noch wichtiger werden könnten. Aktuell ist YouTube aber mit weitem Abstand der wichtigste Kanal für mich. Auf Twitch bin ich derzeit wegen der immer noch unklaren Situation bezüglich Sendelizenz nicht aktiv.

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Wie kann man sich deinen Alltag vorstellen? Stellst du dir einen Sendeplan auf oder machst du das eher spontan?

In mehrstündigen Planungs-Meetings wird ein extrem detaillierter Sendeplan aufgestellt, der dann innerhalb weniger Millisekunden komplett über den Haufen geworfen und komplett ignoriert wird, sobald der Aufnahme-Button gedrückt ist. Das kreative Chaos in meinen Videos dürfte wohl der Hauptgrund dafür sein, warum sie angeschaut werden und das will ich mir auf jeden Fall beibehalten.

Geplant werden muss aber immer dann, wenn ich mit einem befreundeten Influencer ein gemeinsames Video machen will – in unseren Terminkalendern einen freien Slot zu finden würde selbst Gamer mit Platintrophäe in Bloodborne zum Weinen bringen.

Wie funktionieren bei dir Kooperationen mit Werbepartnern?

Potenzielle Werbepartner wenden sich an die 2nd Wave GmbH, meinem Management, das extrem gut Bescheid weiß, für welche Ideen und Partnern ich theoretisch offen wäre. Dadurch werden bereits viele potenzielle Kooperationen ausgesiebt, die nicht zu mir passen würden. Falls mein Management von einer Idee überzeugt ist, setzen wir uns zusammen und sprechen darüber. Da nenne ich dann eventuelle Vorbehalte oder Änderungswünsche, die dann mein Management wiederum mit dem potenziellen Werbepartner abklärt.

Wählst du nach Branche oder nach Kampagnenidee aus?

Für mich zählt in erster Linie die Idee – mir muss es Spaß machen, für dieses Projekt zu arbeiten und es muss zu mir passen. Alles andere wäre auch völlig unglaubwürdig und das will ich weder mir und noch viel viel weniger meinen Zuschauern zumuten. Unser internes Motto lautet: "Wir machen keine Kampagnen, auf die wir keinen Bock haben".


Autor:

Ralph Pfister
Ralph-Bernhard Pfister

Ralph Pfister ist Koordinator am Desk der W&V. Wenn er nicht gerade koordiniert, schreibt er hauptsächlich über digitales Marketing, digitale Themen und Branchen wie Telekommunikation und Unterhaltungselektronik. Sein Kaffeekonsum lässt sich nur in industriellen Mengen fassen. Für seine Bücher- und Comicbestände gilt das noch nicht ganz – aber er arbeitet dran.


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