Spielebranche :
Mobile-Gaming-Markt wächst um 30 Prozent

Spiele für Smartphones und Tablets boomen. Ein Ende ist nicht in Sicht, dafür sorgen eine wachsende Vielfalt von Geschäftsmodellen und technische Neuerungen wie Augmented Reality.

Text: Hans-Thomas Hengl

Mobile Spiele legen um fast ein Drittel zu.
Mobile Spiele legen um fast ein Drittel zu.

Und plötzlich waren sie wieder da: Pikachu, Pummeluff, Glumanda und Co. Aber nicht auf Spielkarten wie früher, sondern versteckt in der Landschaft, in Innenstädten, an Badeseen, am Straßenrand. Horden von Jägern waren mit Smartphones bewaffnet unterwegs, um die bunten Monster zu fangen. Die Deutschen fürchteten angesichts des grassierenden Pokemon Go-Fiebers sogar schon um die Sicherheit im Straßenverkehr, wie eine Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom ergab.

Das war vor einem Jahr. Der Hype um Pokemon Go ist deutlich abgeflaut. Trotzdem hält der Boom bei mobilen Spielen für Smartphones und Tablets ungebremst an: 2016 ist der Markt für Spiele-Apps um 30 Prozent gewachsen und hat ein Volumen von 409 Millionen Euro erreicht, so der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). 17,3 Millionen Menschen in Deutschland spielen auf Smartphones, 11,5 Millionen nutzen Tablets für mobile Games.

In-App-Käufe sind Umsatzbringer

Besonders beliebt hierzulande sind Casual Games, also einfach zu bedienende Spiele für zwischendurch sowie Strategiespiele mit umfangreichen Mehrspielerfunktionen. Mobile Browser-Spiele sind laut BIU kaum mehr von Belang. Bestimmt wird der Markt von Spiele-Apps: als kostenpflichtige Variante, aber viel mehr noch von Freemium-Apps. Diese kann der Spieler kostenfrei herunterladen.

Es ist jedoch möglich, im Spiel Geld auszugeben für zusätzliche Levels oder bessere Ausrüstungsgegenstände. Diese Free-to-play-Angebote liegen laut BIU voll im Trend: 96 Prozent des Umsatzes mit Spiele-Apps in Deutschland entfallen auf diese In-App-Käufe.

Umsatz mit Spiele-Apps

Umsatz mit Spiele-Apps

Auch Werbung in Spielen ist stark im Kommen, vor allem in Form von Videoclips. Für das Betrachten kurzer Werbefilme, häufig für andere Gaming-Angebote, erhält der Spieler Ressourcen oder zusätzliche Inhalte für sein Spiel. "Dadurch ist die Akzeptanz und Aufmerksamkeit für Werbung deutlich höher als bei anderen Werbeformen", sagt BIU-Geschäftsführer Felix Falk.

Die größte Verbreitung, ergänzt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), haben allerdings immer noch die klassischen Werbebanner. Sie fügen sich ins App-Layout ein und vermitteln kurze knackige Botschaften.

Product Placement hinkt hinterher

Dagegen konnte Product Placement in mobilen Games sein Potenzial nach Einschätzung des Verbands für Product Placement noch nicht ausschöpfen. Große Chancen sieht der Vorsitzende Otto Kettmann in der Kooperation von Unternehmen verschiedener Branchen, vor allem bei Casual Games. Als Beispiel nennt Kettmann die Zusammenarbeit eines Automobilherstellers mit einer Fast-Food-Kette in einem mobilen Rennspiel.

Als recht junges Geschäftsmodell sieht der BVDW die Monetarisierung der Daten von Spielern: Hierbei stellen App-Betreiber Werbetreibenden die anonymisierten Daten ihre Nutzer für Werbezwecke außerhalb der eigentlichen Spiele-App zur Verfügung.

Etablierte Publisher gegen Newcomer

Neben Newcomern wie Supercell setzen auch etablierte Player auf dem Spielemarkt verstärkt auf mobile Games. Zum Beispiel Electronic Arts (EA), das mit seiner Fußballspiel-Reihe FIFA einen echten Dauerbrenner für Spielekonsolen im Angebot hat. In den Top 20 der mobile Games in Deutschland ist EA zweimal vertreten: mit "Star Wars: Galaxy of Heroes" und "Die Simpsons: Springfield".

Mobile Spiele, so EA-Sprecher Martin Lorber, haben "im gesamten Portfolio einen großen Stellenwert". Der Schwerpunkt liege auf etablierten Spieleserien wie "Die Sims", "EA Sports Fifa" oder "Plants vs. Zombies". Bei den Geschäftsmodellen stehe Free-to-Play mit In-App Käufen im Mittelpunkt.

Top 20 Spiele-Apps nach Umsatz im Juni 2017

Top 20 Spiele-Apps nach Umsatz im Juni 2017

Nicht nur dieses Business-Konzept wird weiter dafür sorgen, dass der Markt wächst und die Einnahmen fließen. Der BIU rechnet künftig mit einer größeren Vielfalt bei den Geschäftsmodellen: "Es wird mehr Spiele geben, die unterschiedliche Monetarisierungsstrategien kombinieren, beispielsweise In-App-Käufe, Abonnements und Werbung", blickt Falk in die Zukunft.

Technologisch werden Virtual-Reality-Spiele mit der steigenden Verbreitung entsprechender Smartphone-Halterungen wichtiger werden. Auch Augmented Reality, das ein fester Bestandteil des kommenden Mobilbetriebssystems iOS 11 von Apple wird, hat laut Falk das Zeug dazu, die Smartphone- und Tablet Displays zu erobern.