Literaturnobelpreis :
Bob Dylan: Der Nobelpreisträger in der Werbung

Bob Dylan hat wieder mal alle überrascht - wenn auch diesmal das schwedische Nobelkomitee dafür verantwortlich ist. Über einen Mann, der Rockmusik und Literatur, Auflehnung und Religiosität, Protestkultur und schnöde Werbung zusammenbringt.

Text: Markus Weber

Dylan tauscht sich mit dem IBM-Supercomputer Watson aus - über Sprache und Kreativität.
Dylan tauscht sich mit dem IBM-Supercomputer Watson aus - über Sprache und Kreativität.

Bob Dylan hat wieder einmal alle überrascht - wenn auch diesmal das schwedische Nobelkomitee dafür verantwortlich ist. Dylan ist jetzt Literaturnobelpreisträger. Im klassischen Literaturbetrieb dürfte diese Entscheidung nicht jedem gefallen.

Aber dafür kann der Meister nichts. Der begnadete Songpoet aus Minnesota ist ein Mann, der Rockmusik und Literatur, Auflehnung und Religiosität, Protestkultur und schnöde Werbung - also: Dinge, die eigentlich nicht zusammenpassen wollen - trotzdem zusammenbringt. Und damit keinerlei Probleme hat.

Dylan hat über 500 Lieder geschrieben. Seine (treue) Fangemeinde hat er über die Jahrzehnte immer wieder verprellt und manchmal sogar regelrecht schockiert. Zum Beispiel, als er 1965 auf dem Newport Folk Festival zum ersten Mal mit E-Gitarre auftrat. Das passte vielen Fans nicht: Dylan als Folkverräter?

Dylan hatte zwar die Gattung "Protestsong" in den 60er-Jahren populär gemacht. Gleichzeitig hatte er aber überhaupt keine Lust, sich von der Protestbewegung in den USA vereinnahmen zu lassen.

Als er 1979 plötzlich zum Christentum konvertierte, stieß das seinen Fans ebenfalls übel auf. Plötzlich drehten sich alle seine Lieder nur noch um religiöse Themen. Das war dann doch zu viel.

Ein ebenso großer Schock war für viele, als Dylan 2004 zum ersten Mal Werbung machte: Mit seinem Song "Love Sick" warb er für "Victoria's Secret". Im Spot ist er zusammen mit Model Adriana Lima zu sehen.

2007 warb Dylan dann in einem TV-Spot für den Cadillac Escalade.

2014 folgte der Auftritt im Super-Bowl-Spot von Chrysler, in dem Dylan die Hauptrolle spielt.

Im vergangenen Jahr überraschte Dylan dann mit diesem Spot - einer angeregten Unterhaltung mit dem IBM-Supercomputer Watson über das Thema "Sprache und Kreativität".

Der Literaturnobelpreis für die Songwriter-Legende ist vielleicht die erste dicke Überraschung, mit der kein Dylan-Fan ein Problem hat.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.