Sinnstiftende Magazine :
Achtsamkeit: Wie Print vom digitalen Wahnsinn profitiert

Zurücklehnen, blättern und dazu einfach ein- und ausatmen. Magazine von "Happinez" bis "Landlust" bedienen das Bedürfnis des Menschen nach einer Auszeit. Das wird durch die Schnelllebigkeit der Digitalisierung immer größer.

Text: Irmela Schwab

Entspannung pur: Warum Premium-Magazine heute Konjunktur haben.
Entspannung pur: Warum Premium-Magazine heute Konjunktur haben.

Die Digitalisierung hat auch etwas Gutes für die gedruckten Produkte. Neben der Integration von Printed Electronics oder Augmented Electronics geht es dabei wieder um das gedruckte Produkt selbst. Dabei spielt den Verlagen, so der Zukunftsforscher Matthias Horx, der Trend zur Achtsamkeit in die Hände. Im Kern geht es darum: Dass man das Grundrauschen an Informationen, die über digitalen Kanäle noch um ein paar Dezibel lauter geworden sind, abstellt. Und die Stille genießt.

Lean back statt Lean forward: Das bekommt einen neuen Stellenwert, Print erlebt in der gut gemachten Nische eine Renaissance. Zeitschriften, die diese Trend zum Rückzug zur Selbstbesinnung aufgreifen, schaffen es dabei besonders, das Premium-Erlebnis Print herzustellen. Das zeigen zum Beispiel "Flow" von Gruner + Jahr oder "Happinez" aus dem Bauer Verlag.

Mit Mindstyle zum Glück

Diese sogenannten Mindstyle-Magazine haben den gesellschaftlichen Trend nach Spiritualität und der Suche nach dem eigenen Glück erkannt. "Menschen suchen immer mehr nach Orientierung und Entschleunigung", sagt Karsten Binke, Verlagsleiter "Happinez". "Sie suchen nach Wegen, ihrem Leben mehr Bedeutung, mehr Sinn zu geben. Mehr Balance, mehr Dinge und Momente, die etwas bedeuten, mehr Spiritualität – kurzum: mehr Glück."

"Happinez" bedient dieses Bedürfnis seit 2010 mit acht Ausgaben im Jahr. Ein Heft kostet 5,40 Euro. Dafür erhält der Leser eine hochwertige Papierqualität sowie Extras auf dem Cover oder im Heft. Opulente Optik und Haptik sind wichtig, um mit allen Sinnen zu genießen, glaubt Binke. "Das Heft ist mentale Wellness-Oase und Inspiration zugleich. Und die Leserinnen nehmen sich für ihre 'Happinez' viel Zeit, sie konsumieren das Magazin bewusst – ganz ohne Second Screen." Das ist ein Effekt, der nur mit Print erreicht werden könne.

Das glaubt man auch beim Magazin "Landlust". Über Garten, Natur und Wohnen macht die Lebensstil-Zeitschrift dem Leser Lust auf einem Leben auf dem Land. Zwischen den Zeilen ruft es damit aber auch - ganz klar - zu einem bewussteren Lebensstil auf. Der Leser soll sich Zeit nehmen, pure Dinge zu genießen. "Unser Alltagsleben wird immer unnatürlicher", findet "Landlust"-Chefredakteurin Ute Frieling-Huchzermeyer. Körper und Seele dürsteten nach Ausgleich. "Wir können unsere Gene nicht austricksen." Das zweimonatliche Heft kratzt mit einer verkauften Auflage im dritten Quartal 2016 von 939.016 Exemplaren an der Millionen-Grenze. 

Printkomfort: Kuratierung in endlichen Ausgaben

Während Online das Leben also immer technologischer macht, und den Menschen somit von seiner Natur entfremdet, bringen ihn die Lean-back-Medien wieder dorthin zurück. Idealerweise natürlich mit Themen, die Entspannung und den Erholungseffekt noch verstärken. Und: Findet man bei Online einen endlosen Strom an Informationen vorfindet, hat Print Themen bereits kuratiert und in eine - endliche - Ausgabe  zusammengefasst. So beschreibt es Hilleken Zeineddine, Geschäftsführerin Brand Media, dem Vermarkter der Titel des Jahreszeiten Verlags und der Media Group Medweth: "Als Kontrakpunkt zu einer schnellen, digitalisierten Welt haben Premium-Print-Titel vielleicht mehr Konjunktur denn je, so Zeineddine." Dafür sorgen laut der Managerin typische Print-Stärken wie Qualität, Tiefe, Haltung und der Möglichkeit zur Entschleunigung und Inspiration.

Das zeigt für die Brand-Media-Chefin auch der Launch des US-Luxusmagazins "Robb Report" in Deutschland durch den Jahreszeiten Verlag. Das Magazin ist das erste multithematische Luxusmagazin auf dem deutschen Markt, das die Seele schöner Dinge zeigt. Zeineddine: "In diesem Markt werden immer wieder Lücken ausgemacht."

Medium für anspruchsvollen Zielgruppen.

Die Anzeigenkunden schätzen das. Aufgrund seiner Wertigkeit und edlen Anmutung etabliert sich Print damit immer mehr zum Medium für anspruchsvollen Zielgruppen. In den neuen Hochglanztiteln mit dem Achtsamkeitsfokus finden sie spitze Zielgruppen, die ansonsten nur schwer erreichbar sind. "Werbung in Premium-Magazinen passt sich in ihrer Hochwertigkeit optimal in das Umfeld ein und wird von den Leserinnen als Benefit, als Inspiration angesehen", sagt Zeineddine. 

Bei Bauers "Happinez" schalten zum Beispiel Kunden aus dem Bereich Kosmetik, Karriere, Ernährung und Pharma. "Unsere 'Happinez'-Studie mit dem Marktforschungsinstitut Rheingold hat ergeben, dass die Leserinnen für qualitativ hochwertige Produkte auch einen entsprechenden Preis zahlen", sagt Binke. "Damit bieten wir Anzeigenkunden ein sehr attraktives Werbeumfeld."


Autor:

Irmela Schwab
Irmela Schwab

ist Autorin bei W&V und LEAD digital. Die studierte Germanistin interessiert sich besonders dafür, wie digitale Technologien Marketing und Medien verändern. Dazu reist sie regelmäßig in die USA und ist auf Events wie South by Southwest oder der CES anzutreffen. Zur Entspannung macht sie Yoga und geht an der Isar und in den Bergen spazieren.


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