Einzelhandel im Fokus :
Omnichannel wird zum Pflichtprogramm

Der deutsche Einzelhandel muss sein Geschäftsmodell überdenken. Digitale Konzepte und Omnichannel-Strategien müssen von der Kür zur Pflicht werden, so eine neue Studie.

Text: Christian Gehl

Händler müssen die On- und Offline-Angebote sinnvoll verknüpfen.
Händler müssen die On- und Offline-Angebote sinnvoll verknüpfen.

Immer noch mehr als die Hälfte der Händler verkaufen ihre Produkte ausschließlich stationär. Aber: 37 Prozent von ihnen wollen in fünf Jahren auch im Online-Vertrieb aktiv sein. Das zeigt eine neue Studie zum Einzelhandel, die die ibi Research der Universität Regensburg in Kooperation mit der IHK durchgeführt hat.

Umgekehrt planen 14 Prozent der heute ausschließlich online aktiven Händler, in fünf Jahren offline zu verkaufen, was den Handlungsdruck auf die stationären Akteure zusätzlich erhöhen wird. Dieselbe Entwicklung zeigt sich auch bei einem Blick auf die erwartete Verteilung der Umsätze: In den nächsten fünf Jahren rechnen 24 Prozent der stationär aktiven Händler mit einen Rückgang der im Ladengeschäft erwirtschafteten Umsätze. Im Vertriebskanal Online-Shop erwarten dagegen lediglich 4 Prozent der Händler einen Rückgang. 13 Prozent gehen von einem Zuwachs aus.

On- und Offline kombinieren

Weiterer großer und wichtiger Trend: Die Kanäle On- und Offline müssen sinnvoll miteinander vernetzt werden. Services wie eine Online-Reservierung und eine Vor-Ort-Abholung setzen bereits 27 Prozent der Händler ein und 11 Prozent planen es. Ähnliche Werte ergab die Analyse beim Online-Kauf und der Abholung im Ladengeschäft (Click and Collect). Hier liegen die Werte bei 24 Prozent und 10 Prozent. Die digitale Aufwertung der stationären Shops hinkt aber noch hinterher: Virtuelle Regale haben gerade einmal 5 Prozent im Einsatz, weitere und 5 Prozent planen es. Auch kostenloses WLAN findet sich bisher nur in gut einem Drittel der Geschäfte. Auch im Back-Office wird immer stärker digitalisiert. Aber: Ein Fünftel der Händler verfügt noch immer nicht über die digitalen Systeme. Das erschwert die Anbindung an Online-Shops oder ‑Plattformen.

Betrachtet man den Einfluss der Digitalisierung auf die Geschäftsmodelle des Einzelhandels und versucht die Hauptfaktoren zu analysieren, wird von den Befragten mit Abstand der Marktmacht der globalen Marktplätze, wie Amazon, eBay & Co., der höchste Einfluss zugesprochen. 70 Prozent bezeichnen den Einfluss auf ihr Geschäftsmodell als „sehr hoch“ oder „hoch“. Ein ähnlicher Wert wird nur vom Faktor der „zunehmenden Kundenanforderungen“ erreicht (69 Prozent).