Und wie sieht diese Dienstleistung konkret aus?

Wir haben ein etwas anderes als das klassische Verständnis von Kommunikation, Dienstleistung und Beratung. Unser Slogan ist "Empowering instead of Consulting". Das heißt, wir wollen Unternehmen in die Lage versetzen, selbst Kommunikation im deutschen Markt zu betreiben – wir geben die Initialzündung. Die kann allerdings von der Marktanalyse, dem Product-Fit bis hin zur letztendlichen Kommunikation reichen.

Sie wollen also über das Angebot einer klassischen Kommunikationsagentur hinausgehen.

Richtig. Es kann heute nicht mehr nur um klassische Medien- und Pressearbeit gehen. Nach unserem Konzept geht es um alle Maßnahmen, mit denen ein Unternehmen seine Zielgruppe erreicht und sich im jeweiligen Markt etabliert und positioniert. Das fängt bei Community-Building an und geht über Events bis hin zur Medienarbeit. Es gehört aber beispielsweise auch dazu, Talente für die Unternehmen zu finden. Es handelt sich also um ein Gesamtpaket für den Eintritt in den deutschen Markt.

Openers ist ein Berliner Unternehmen. Würden Sie auch internationale Unternehmen unterstützen, die sich eher in München oder Hamburg ansiedeln wollen?

Auf jeden Fall. Wir wollen uns nicht auf den lokalen Berliner Markt beschränken. In einem zweiten Schritt wollen wir ja auch deutschen Unternehmen bei der internationalen Expansion helfen. Das Netzwerk soll also global gespannt werden.

Wie wollen Sie das denn alles stemmen?

Es gibt natürlich mehrere Bereiche, die wir nicht allein abdecken werden. Dafür haben wir starke Partner gesucht und halten auch weiterhin Augen und Ohren offen, um ein möglichst breites und internationales Netzwerk zu etablieren und unseren Kunden dieses Gesamtpaket weitergeben zu können.

Und wenn es um schwierige juristische Fragen geht?

Dann arbeiten wir mit Anwaltskanzleien zusammen. Oder auch mit einer Kanzlei für steuerrechtliche Fragen. Das sind Firmen, die zuvor schon im Festival-Bereich mit uns zusammengearbeitet haben wie etwa das Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Netzwerk KPMG oder die auf Wirtschaftsrecht spezialisierte Anwaltskanzlei Lacore. Beide Unternehmen sind übrigens Sponsoren des Festivals.

Welches sind die größten Probleme, die ausländische Start-ups haben, wenn sie den deutschen Markt angehen wollen?

Der deutsche und der kontinentaleuropäische Markt bergen eine ganze Reihe von Herausforderungen. Es gibt viele unterschiedliche Kulturen, viele Sprachen. Das ist beispielsweise für US-amerikanische Unternehmen eine viel größere Herausforderung als etwa die englischsprachigen Märkte Kanada, Australien, Neuseeland, Großbritannien und Irland. In Europa ist es wichtig, die kulturellen Unterschiede bei bestimmten Themen wie etwa Bildung und die jeweiligen rechtlichen Bedingungen genau zu kennen.

Zum Beispiel?

Das fängt schon bei der Frage an, ob es zulässig ist, einen Freelancer zu engagieren, der vielleicht sechs Monate lang den Markteintritt vorbereitet. Muss dafür schon rechtlich eine Gesellschaft in dem Land gegründet werden? Für viele US-Start-ups ist es das erste Mal, dass sie mit solchen Fragen konfrontiert werden. Oder etwa das Beispiel Lastschriftverfahren. Damit kennt sich kaum ein amerikanisches Unternehmen aus. Im E-Commerce-Bereich und auf Online-Marktplätzen in Deutschland ist das aber eine gängige und beliebte Zahlungsform. Und schließlich geht es um die Lokalisierung der Plattform, also um die Sprache. Das alles wollen wir anbieten. Das heißt, wir arbeiten nicht nur mit der Kommunikationsabteilung unserer Kunden zusammen, sondern auch mit dem Produkt-Department.

Haben Sie schon einen Startkunden?

Wir arbeiten bereits an den ersten vier Projekten. Wir können hier aber noch keine Namen nennen.

Aus welchen Regionen kommen Ihre Kunden?

Zunächst sind dies natürlich die Regionen, in denen wir schon gute Kontakte haben. Das ist der US-amerikanische Markt, aber auch Großbritannien, Irland und Israel. Also die größten Start-up-Ökosysteme: das Silicon Valley, London, Tel Aviv.

Spielen Sie mit dem Gedanken, im Silicon Valley ein Büro zu gründen?

Längerfristig schon, oder zumindest in den USA – New York wäre auch eine Option. Derzeit ist es aber so, dass wir in vielen Städten Partner gefunden haben, die auf Provisionsbasis den Kontakt zu potenziellen Kunden herstellen. Wir glauben auch an Synergien. Man muss nicht unbedingt selbst alles abdecken, sondern kann Partner an Bord holen, die bestimmte Aufgabenfelder abdecken. Openers versteht sich hier eher als eine Plattform, die die relevanten Player und Partner zusammenbringt. So können wir unseren Kunden ein Gesamtpaket anbieten, ohne ständig überall selbst vor Ort sein zu müssen.  

Wie sehen Ihre weiteren Pläne für dieses Jahr aus?

Wir wollen vor allem zeigen, wie unsere Arbeit funktioniert – und dabei unsere Projekte für sich sprechen lassen. Das ist das erste Ziel. Außerdem wollen wir zeigen, dass es für Unternehmen absolut sinnvoll ist, gerade in der Anfangsphase einen Dienstleister zu engagieren, der darauf bedacht ist, inhouse Know-how aufzubauen und nicht nur für einen bestimmten Zeitraum zu verkaufen. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, welche Gesamtzusammenhänge eine Rolle spielen, wenn Unternehmen ein Produkt in einem neuen Markt etablieren. Wichtig ist uns, dass wir die Unternehmen dazu befähigen, im Anschluss aus eigenen Kräften in diesem Markt zu wachsen. Und schließlich steht von Anfang an die weltweite Ausrichtung im Fokus, also den Gedanken eines globalen Dienstleisterkonglomerats voranzutreiben



Franz Scheele
Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.