Wenn Sie auf die Kooperation mit etablierten Buchverlagen setzen: Bietet Sobooks dann auch die Möglichkeit, gedruckte Bücher zu bestellen?

Nein. Absolut nein. Wir sind ein Digital-Unternehmen und bieten ausschließlich digitale Produkte an. Wir sind Digital-Fuzzis, angetrieben von der Vision, wie das Lesen der Zukunft aussieht. Das heißt nicht, dass wir das gedruckte Buch für tot erklären, wir müssen uns aber konzentrieren auf die digitale Welt, die ist wegen der Technik, des umgebenden Ökosystems und der Innovation schwierig genug.

Wie viel Zeit und wie viel Geld steckt im Aufbau von Sobooks?

Sascha Lobo ist seit zwei Jahren dabei, ich kam etwas später hinzu. 50 Prozent unser Arbeitszeit haben wir wahrscheinlich in Sobooks investiert. Wobei wir das natürlich auch nicht immer durchgehalten haben, wenn zum Beispiel Herr Lobo nebenher auch noch ein Buch schreiben und ich volle Kraft in ein Beratungsmandat stecken musste. 

Wen beraten Sie?

Ich bin seit Anfang des Jahres als Interimsmanager bei Red Bull in Salzburg, als Head of Digital bei Red Bull Mediahouse in der Unit ServusTV. Das ist sehr interessant, nimmt aber natürlich auch Zeit in Anspruch.

Haben Sie bei Sobooks Investoren?

Wie bei jedem Start-up wird es auch bei uns eine Finanzierungsrunde geben. Wir haben noch so viel vor, das geht nicht aus eigener Tasche. Sagen wir so:  Es gibt Gespräche mit möglichen Investoren.

Mit wem?

Das darf ich Ihnen natürlich nicht sagen. 

Schade. Sind es eher Venture Capitalists oder klassische Medienhäuser?

Wir führen viele Gespräche. Für uns ist wichtig, dass ein Investor unser Geschäft wirklich versteht, also digital tickt und auch Nachhaltigkeit vor kurzfristigen Ertrag stellt. In der Branche braucht man auch ein bisschen mehr Benehmen und Feinsinn als in anderen Branchen, wie der Fall Suhrkamp und Barlach zeigt. Unser Geschäft ist schon so disruptiv, da muss man nicht auch noch Porzellan zerdeppern.

Wie meinen Sie das?

Als digitale Plattform ist Amazon unser Konkurrent. Wir sind Post-Amazon, nicht Contra-Verlage.

Ernsthaft?

Ja. ich weiß, das ist verrückt, gegen eines der größten und erfolgreichsten Unternehmen der digitalen Welt anzutreten. Aber wir können ja nichts dafür, dass Amazon den Social Layer nicht schafft, nicht mal einen bruchfreien Prozess zwischen kaufen, lesen, diskutieren und empfehlen. Ich habe absoluten Respekt vor Bezos, aber das Amazon-Gen ist Logistik und IT-Backend und nicht Medien und Frontend-Usability.

Na dann. Viel Erfolg beim Launch!


Autor:

Frank Zimmer

Redaktionsleiter Online mit analogem Migrationshintergrund. Seit 1996 im Internet. Buchautor ("Der Social-Media-Rausch") und Blogger ("Mittelrheingold"). Interessiert sich für Content Marketing und digitale Transformation. Hat eine Schwäche für Agenturen, weil er mal in einer gearbeitet hat.