"Das mit 200 Millionen Downloads erfolgreichste Browser-Plugin Adblock Plus ist nicht mehr und nicht weniger als ein Kontrolleur", so Pallenberg. Das Programm wolle Anwendern, aber auch Webseiten-Betreibern, die ihre Arbeit über Werbung finanzieren, aufzwingen, welche Werbung erlaubt ist und welche nicht. Die Freigabe der Werbung in Adblock Plus sei undurchschaubar. Insbesondere die Freischaltung von Anzeigenangeboten aus dem Umfeld von Eyeo sei unter höchst dubiosen Umständen abgelaufen, meint Pallenberg.

Adblock weist diese Vorwürfe zurück. Till Faida, dessen Gründer, sagt, für alle werbetreibenden Unternehmen gälten dieselben Kriterien, um auf die "weiße Liste" zu kommen. "Das Whitelisting steht allen Websites gleichermaßen offen. Die Community entscheidet final über jede Art von Whitelisting, und viele Vorschläge wurden von ihr abgelehnt", sagte er. Daran stößt sich wiederum Pallenberg. Die "Community" sei keine ernstzunehmende Kontrollinstanz. Bei geschätzten 50 Millionen aktiven Nutzern der Software seien lediglich 27.000 Mitglieder in dem Forum registriert. "Das sind keine User wie du und ich, das sind die Adblock-Plus-Macher und ihre Angestellten", behauptet Pallenberg.

Faida hält dagegen: Die sogenannten "Acceptable Ads", also die als unaufdringlich eingestufte Werbung, werde in einer separaten Liste erfasst. Diese sei von jedem Nutzer individuell an- und abschaltbar. Jeder Nutzer könne also selbst festlegen, welche Werbung er akzeptiere.

Ja, man müsse über die Qualität von Werbung reden. Aber die "Acceptable Ads" von Adblock Plus seien noch schlimmer, darin waren sich Spiegel-Online-Geschäftsführerin Katharina Borchert auf der Konferenz von Netzwerk Recherche mit dem Süddeutsche.de-Chef Stefan Plöchinger einig. Der Versuch, die Verlage für die Aufnahme auf die "Whitelists" von Adblock Plus zahlen zu lassen, sei "ein Geschäftsmodell von Adblock Plus zu Lasten unseres eigenen Geschäftsmodells", formulierte Plöchinger. Borchert spitze dies noch zu: "Das ist moderne Wegelagerei." (dpa/aj)


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Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.