Bewusst sind sich die TV-Macher, dass es durchaus gewisse Verschiebungen geben wird – weg vom linearen hin zum On-Demand-Fernsehen. Bis 2015 dürfte der nicht klassisch genutzte Anteil auf rund zehn Prozent steigen, schätzt das Team um Wirkstoff-TV-Lenker Jan Kühl. Die Initiative hält fest: "Von der weltweit rasant steigenden audiovisuellen Mediennutzung auf allen Plattformen profitiert vor allem das Fernsehen. Digital erweitert das bisherige Geschäftsmodell, die digitalen Verbreitungswege und Endgeräte ergänzen das traditionelle TV", heißt es mit Blick auf Thomas Koch, der moniert, dass die großen Privatsender derzeit lieber in digitale Projekte als ins originäre Programm investieren würden.

Dass das Fernsehen und speziell das kommerzielle TV wankt, glaubt bei Wirkstoff TV freilich keiner. Untermauert wird der Optimismus dort vom Blick in die USA, wo TV "derzeit die am meisten unterschätzte Erfolgsstory der Medienbranche" sei. Medienkonzerne wie Time Warner und News Corp. hätten für das abgelaufene Weihnachtsquartal Rekordergebnisse gemeldet. Wachstumstreiber bei beiden sei das extrem gut laufende TV- beziehungsweise Bewegtbild-Geschäft gewesen, heißt es. Hoffnungen steckt die Gattung in neue Entwicklungen: TV werde derzeit rasant und zunehmend ergänzt durch den Second Screen, heißt es. Social-TV-Angebote würden die Zuschauer stärker binden und aktivierenwas diverse Studien durchaus bereits belegen. Wirkstoff TV resümiert: "Das ‚alte‘ Lagerfeuer flackert jetzt nicht nur im Wohnzimmer, sondern zusätzlich durch Social TV dezentral auf vielen Smartphones und Tablets. Das Fernsehen, das durch seine ja heute schon mehrheitlich gemeinschaftliche Nutzung das soziale Medium schlechthin ist, wird also noch sozialer."

Wirkstoff TV vertritt seit einigen Monaten die diversen Formen des Fernsehens, das klassisch-lineare Programmfernsehen genauso wie das non-lineare und mobile TV via PC, Tablet oder Smartphone. Das Ganze nennt sich "Initiative für TV und Bewegtbild"; es sei egal, auf welchem Screen der professionelle Content verbreitet werde, heißt es.

Übrigens: Sowohl "Handelsblatt" als auch Thomas Koch reiben sich an der Qualität der Formate im privaten TV, werfen Sat.1, RTL und ProSieben auch Ideenlosigkeit vor. Über Qualität lässt sich immer trefflich streiten: Gerade eben hat das Grimme-Institut das lange verpönte "Dschungelcamp" von RTL geadelt und die Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" (Ibes) erstmals in diesem Jahr in der Kategorie Unterhaltung für den begehrten Grimme-Preis nominiert. Vermeintlicher Trash wird ergo salonfähig. Hinzu kommt: Sender wie RTL II mögen aus Sicht der Feuilletonisten mit stark Social-Media-affinen Real-Life-Formaten wie "Berlin - Tag & Nacht" patzen. Bei der Zielgruppe kommen diese Programmstrategien an und bringen den zwischenzeitlich abgesunkenen Münchner Privatsender nach Marktanteilen insgesamt wieder gut ins Rennen.


Petra Schwegler, Redakteurin
Autor: Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.