In einer konservativeren Rechnung schließen 90 Prozent der Abonnenten das günstige Basis-Abo ab und nur jeweils fünf Prozent wählen eine der beiden teureren Varianten. Bei diesem Gedankenspiel kommt Olavarria in seiner Rechnung auf Einnahmen von 274.000 Euro in den ersten sieben Monaten. In einem Jahr wären es dann – würden keine weiteren Abonnenten hinzukommen - 660.000 Euro.

Der tatsächliche Umsatz, den die Digital-Abos bis jetzt eingebracht haben, dürfte also zwischen 274.000 Euro und 383.000 Euro liegen. Ein Zusatzgeschäft im Vergleich zu den Einnahmen, die 422.000 gedruckten Ausgaben von "Welt", "Welt am Sonntag" und "Welt kompakt" im Abo und Kiosk-Verkauf bringen. Aus den USA weiß man, dass Digital-Abos keine nennswerte Schrumpfung bei den Print-Abos zur Folge haben. Zum Glück, denn ein Print-Abonnent, der etwa 45 Euro im Monat für "Die Welt" zahlt, ist für den Verlag freilich wertvoller, als ein Digital-Abonnent, der im besten Fall knapp 15 Euro bezahlt.  

Könnte "Die Welt" überleben, wenn es nur noch Online-Abos gäbe? Die Antwort ist nicht einfach. Man müsste wissen, wie hoch die Akquisitionskosten je Kunde sind. Wie lange bleiben die Abonnenten treu? Was kostet die Technik im Vergleich zum Druck und der Zustellung? Wie sind die Werbeumsätze? "Das Überleben als reine Online-Company würde einen massiven Umbau erfordern, da die heutigen Strukturen ja darauf ausgerichtet sind, das Printgeschäft abzubilden", sagt Olavarria.


Franziska Mozart
Autor: Franziska Mozart

arbeitet als freie Journalistin für die W&V. Sie hat hier angefangen im Digital-Ressort, als es so etwas noch gab, weil Digital eigenständig gedacht wurde. Heute, wo irgendwie jedes Thema eine digitale Komponente hat, interessiert sie sich für neue Technologien und wie diese in ein Gesamtkonzept passen.