Cannes 2009: Die Press-Krise
Deutlich weniger Arbeiten als im erfolgreichen Jahr 2008 reichten deutsche Agenturen in diesem Jahr bei den Press Lions ein. Nur 23 von 498 Bewerbungen schafften es auf die Shortlist.
Wird das Cannes-Jahr 2009 ein Krisenjahr? In der Kategorie Press haben die Deutschen schon auf der Shortlist wenig vorzuweisen. 498 Arbeiten hatten sie eingereicht. 23 davon haben es jetzt auf die Nominiertenliste geschafft. Acht Kampagnen sind es, von Agenturen wie DDB (Ikea), Jung von Matt (Ricola, Lego, 13th Street Channel), Grabarz & Partner (Ikea), Scholz & Friends (Nykke & Kokki, Augsburger Allgemeine, Internationale Gesellschaft für Menschenrechte).
Zum Vergleich: 2008 waren es 661 Fallbeispiele, am Ende langte es für sieben Löwen, darunter drei silberne. Im vergangenen Jahr noch hatten die Juroren aus aller Welt Deutschland 64 Löwen-Nominees zuerkannt. Unwahrscheinlich, dass die Shortlist-Platzierten 2009 allesamt in den Löwenstatus erhoben werden.
Für Deutschland juriert in Cannes Matthias Schmidt, Vorstand Kreation von Scholz & Friends. Für eine Stellungnahme war der Kreative nach Ausgabe der Shortlist nicht zu erreichen; die Jury tagt rund um die Uhr. Kreativ spiele Deutschland ganz oben mit, hatte Schmidt noch vor einer Woche in der W&V gesagt, „vor allem in Kategorien, die mit bedrucktem Papier zu tun haben.“
Das mag zwar nach wie vor gelten: Allein die geringere Auswahl an deutschen Arbeiten, die den Juroren ob der Krise in diesem Jahr zur Bewertung vorliegt, hat Folgen. „Wenn weniger eingereicht wird, stehen am Ende auch weniger Löwenanwärter auf der Shortlist“, sagt ein Beobachter, „so einfach ist das“. Bis Mittwoch Abend, wenn im Palais des Festivals feierlich die Press-Lions vergeben werden, müssen sich die Deutschen noch beweisen. Dann wird sich zeigen, ob die Krise – neben den quantitativen - auch Auswirkungen auf die Qualität deutscher Printwerbung nach sich zieht.
In Cannes jurieren 18 Experten aus der ganzen Welt über Arbeiten aus 71 Ländern. 5048 Einreichungen hatten sie zu bewerten, 32,2 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Den Vorsitz der Press-Jury führt David Lubars, Chairman und Kreativchef von BBDO North America.