Cannes 2009: Ehre gerettet, fünf Press-Löwen für Deutschland
Fünf der acht Shortlist-Plätze haben einen Löwen gewonnen: Scholz & Friends freut sich über Gold, außerdem gab es dreimal Silber und einmal Bronze.
Die Ausgangslage war schlecht. Nur acht Kampagnen hatte es Montag auf die Shortlist geschafft. Doch die Arbeiten waren einfach zu gut. Die Deutschen nehmen fünf Press-Löwen mit nach Hause, einen goldenen, drei silberne und einen bronzenen. Das ist höchste Effizienz!
Gold geht an Scholz & Friends, Berlin, für die Kampagne der Augsburger Allgemeinen, die sogar für den Grand Prix im Gespräch war. Silber bekommen DDB, Düsseldorf, für Ikea (Storage Solutions), Grabarz & Partner, Hamburg, ebenfalls für Ikea (Ikea Assembly Service) und Scholz & Friends, Hamburg, für Nykke & Kokki (Whole Food Delivery and Catering). Bronze gewinnt nochmals Scholz & Friends, Berlin, für die Kampagne der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte.
„Es ist mir ja direkt peinlich, dass Scholz&Friends so viele Löwen gewonnen hat“, sagt Matthias Schmidt, Vorstand Kreation der Agentur in Hamburg. Er hat in diesem Jahr Deutschland in der Press-Jury vertreten. „Ich habe damit nichts zu tun“, sagt Schmidt scherzhaft. Eine Chance, sich für seine eigenen Arbeiten in der Jury einzusetzen, hatte er tatsächlich nicht. In solchen Fällen müssen die Juroren bei Abstimmungen aus dem Raum gehen.
Die Press-Jury hat in diesem Jahr - ähnlich wie die Radio-Jury – streng bewertet. „Es kam uns darauf an, Substanz zu bewerten“, sagt Jury-Präsident David Lubars, Chairman und Kreativchef von BBDO North America. „Die Kampagnen müssen auch verkaufen, etwas für die Marke tun.“ Gerade in Zeiten der Krise müssten die Agenturen sehr viel härter arbeiten, um die Business-Probleme ihrer Kunden zu lösen. Schon die Shortlist haben die Juroren nochmals überprüft, als sie bereits stand. Um die Auswahl von Fakes zu bereinigen. „Es zählt nur, was echt ist“, sagt der Juror aus Singapur, John Merrifield von TBWA Asia Pacific.
Vor diesem Hintergrund wird das deutsche Ergebnis noch wertiger. Fünf statt im vergangenen Jahr sieben Löwen waren es 2008, damals war kein Gold dabei, dafür dreimal Silber und viermal Bronze. Außerdem waren aus Deutschland statt wie im Vorjahr 661 lediglich 498 Einreichungen an der Côte d’Azur eingegangen.
„Gute Printwerbung lebt von einer guten Idee, die berührt, und von einer guten Umsetzung“, sagt Schmidt. Das haben die Deutsche in diesem Jahr augenscheinlich richtig gemacht, aber auch viele andere Nationen, unter denen keine dominiert.
Der Grand Prix geht an Frankreich nach Paris. Fred & Farid hatte für Wrangler eine Print-Kampagne entwickelt, die die Umpositionierung der Marke begleitet. „We are animals“ lautet seit einiger Zeit der Claim der einstigen Cowboy-Marke. Im Auftritt zu sehen sind Menschen in wilder Natur, die sich wie Tiere geben. „Keine andere Kampagne hat die DNA der Marke so gut transportiert wie die Arbeit von Fred & Farid“, sagt Aust-raliens Juror Jay Benjamin, ECD von Leo Burnett. „Die Kampagne hält den Augenblick einer Welt fest, ein Gefühl“, ergänzt Schmidt. „Die Idee steht für ein ganzes Unternehmen“. Das, sagt der deutsche Juror, sei einzigartig.