Cannes 2009: Und sie kommen doch!
50 Prozent weniger Teilnehmer muss das International Advertising Festival in Cannes verkraften. Doch viele Werber kommen inoffiziell. Und findige Experten wissen trotz abgesagter Partys, wo sie hingehen müssen, um zu kontakten.
50 Prozent weniger Teilnehmer muss das International Advertising Festival in Cannes in diesem Jahr hinnehmen. Es gibt weniger Partys, weniger Empfänge, weniger Lunches und Veranstaltungen rund um das größte Kreativfest der Welt. Leer sind die Cafés und Bars an der Croisette trotzdem nicht. Viele Werber kommen inoffiziell, wenn schon ihre Agentur der Côte d’Azur fernbleibt. Vor allem jetzt, wo das Festival auf seinen Höhepunkt zusteuert.
Kerrin Nausch zum Beispiel, Associate Executive Creative Director von Leo Burnett in Frankfurt, ist privat hier. Sie will Bekannte treffen, neue Kontakte knüpfen. Donnerstagmorgen hat sie sich spontan mit Ute Poprawe, COO von Publicis, Frankfurt, zum Early Bird von HelliVentures eingefunden. Auch Stephan Ganser war da, der Kreativchef ihrer Agentur.
Auf dem Steg des Majestic hat die Filmproduktion aus München ein kleines Frühstücksbuffet aufgebaut. Wer will, kann mit einem der angeheuerten Schnellboote Wasserski fahren. Die meisten Gäste, Filmproduzenten, Art Direktoren und Texter, machen es sich allerdings auf den Liegestühlen bequem und ratschen. „Vielleicht ist das dieses Jahr einfach angesagt“, sagt ein Kreativer, „diese Ruhe. Networken kann man so auch, besser sogar als auf den Partys.“ Auf den es in der Regel ziemlich laut ist.
Tatsächlich haben die meisten Agenturen ihre Partys für 2009 abgesagt. DDB, Leo Burnett feiern nicht – der Krise wegen. Der ADC verzichtet auf seinen Empfang, Das Werk, traditioneller Deutschen-Treff gegenüber dem Palais des Festivals, ist verrammelt, leer, öd. Immerhin: Viele andere Filmproduktionen sind vor Ort, Markenfilm lädt allabendlich zum Sundowner, E+P hat Mittwochabend - parallel zur Massive Music Party am Strand – eine Party in den Hügeln hinter der Stadt veranstaltet. Auch Pirates ‚n’ Paradise haben gefeiert. Findige Werber wissen also, wohin sie gehen müssen; angeblich waren alle überall.
Einen großen Ansturm erlebte Donnerstagabend auch die DACH-Party der deutschsprachigen Werber-Community, die alljährlich, von WerbeWeischer organisiert, auf dem Platz vor der alten Burg stattfand. Nirgendwo sonst können sich die Deutschen in der Cannes-Woche offiziell treffen. Und dort verlas W&V-Chefredakteur Jochen Kalka die Shortlistplätze der Deutschen in der Kategorie Film.
Ansonsten bleibt viel Zeit für Gespräche, einen Rosé am Carlton, die Ausstellungen, Seminare und Workshop oder auch Strandleben. Rolf „Rolfe“ Schneider zum Beispiel, Juror bei Germany’s Next Topmodel hat es sich Donnerstag morgen nicht nehmen lassen, mit Freunden in den Ring zu steigen, den Schwimmring wohlgemerkt. Darin liegend haben sich die drei Jungs aufs Meer ziehen lassen, erst sehr gemächlich, dann immer schneller, bis die Schläuche fast abhoben. Willkommen auf der Party der Eingeweihten, willkommen in Cannes 2009!