Cannes Film Lions: Vier Löwen für Deutschland
Trotz weniger Shortlist-Plätze schneiden deutsche Agenturen mit zwei Silber- und zwei Bronze-Löwen besser ab als 2008. Feiern können Serviceplan, Jung von Matt, Scholz & Friends sowie Grabarz & Partner.
Damit dürfte kaum einer gerechnet haben: Trotz einer eher mageren Shortlist-Ausbeute schneiden deutsche Agenturen in diesem Jahr mit zwei Silber- und zwei Bronze-Löwen viel besser ab als noch in 2008. Damals gab es nur zwei Bronze-Löwen.
Je einen Silber-Löwen holte Serviceplan, München“, mit dem Film „Gas Station“ für den Kunden Sanyo Video Vertrieb (Produktion: Cobblestone, Hamburg) und Jung von Matt, Hamburg, mit dem Commercial „Dreams“ für Mercedes-Benz (Produktion: Bigfish, Berlin). Mit Bronze ausgezeichnet wurden der Loewe-Streifen „Remote Control“ von Scholz & Friends, Berlin, (Produktion: Element E) sowie der VW-Commercial „Parking“ von Grabarz & Partner in Hamburg (beide Produktionen von Element E).
Silber-Gewinner Jung von Matt (Mercedes)
Ein Ergebnis, mit dem Wolf Heumann, der deutsche Film-Juror zufrieden ist. Auch wenn es ein, zwei weitere Spots gegeben hätte, die seiner Meinung nach ebenfalls reif für einen Löwen gewesen wären. Was alle deutschen Gewinner eine: sie hätten eine tolle formale Idee, die sauber umgesetzt werde, allerdings oft etwas „kopflastig“. Vielen internationalen Filme gelänge es besser, authentische Emotionen beim Betrachter auszulösen. So der brasilianischen Agentur Almap BBDO mit dem Commercial „Dog-Fish“ für VW, bei dem „Technik völlig unangestrengt eingesetzt wird und sich völlig in den Dienst der Geschichte, der Idee stellt.“ Und: Andere Länder gelingt es offenbar auch besser, mit den Möglichkeiten des Internets zu spielen.
Silber-Gewinner Serviceplan (Sanyo Video)
So auch der diesjährige Film-Grand-Prix. Er geht an Tribal DDB in Amsterdam für den interaktiven Webfilm „Carousel“ (Kunde: Philips). „Die Menschen spielen mit dem Film, bringen sich ein und setzen sich damit auseinander“, begründet Juryvorsitzender David Lubars (BBDO) das Votum der Jury. Nicht nur, weil die technischen Möglichkeiten vorhanden seien, sondern weil es gleichzeitig perfekte Unterhaltung sei, so Lubars.
„Internet-Filme waren für mich die große Entdeckung“, bestätigt Heumann (Jung von Matt) den Trend weg von den zeitlich begrenzten TV- und Kinoformaten („viele Ideen kamen einem bekannt vor“) hin zum Web als mediale Plattform. Was man bislang über Film gelernt hat, ändert sich seiner Meinung nach. Zwar muss die Idee auch heute noch in einem Satz erklärt werden, nicht aber die Umsetzung, Und: Der Film kann auch als reines Trägermedium eingesetzt und prämiert werden – sofern die Idee stimmt und er wirkt. Beispiel: Dance von Saatchi & Saatchi in London. Hier – wie auch bei anderen Kampagnen - hat der Film den Charakter einer Dokumentation. Anders als 2008 differenzierte die Jury nicht in TV/Kino auf der einen und Internet auf der anderen Seite bei der Grand-Prix-Vergabe.