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Cannes-Gewinner: Beste Radio-Ausbeute seit Jahren

Einen Gold-, einen Silber und drei Bronze-Löwen nehmen die Deutschen in der Kategorie Radio in diesem Jahr mit nach Hause. Das ist das beste Ergebnis seit Jahren. Im Vorjahr gab's für Radiowerbung aus Deutschland gerade einmal einen Löwen.

Text: W&V Redaktion

18. Juni 2008

Hans-Peter Albrecht ist Österreicher. Fragen zum Spielausgang am Montag verbittet er sich. "Ich bin nach dem Spiel ganz schnell ins Bett", sagt der Werber mit einem Augenzwinkern. Albrecht vertritt in diesem Jahr Deutschland in der Radiojury. Seine Agentur ist HP Albrecht in München. Für das Land, in dem er arbeitet, freut er sich ob der immensen Löwenausbeute trotzdem. "Die Arbeit hat sich gelohnt."
Fünf Löwen gehen in diesem Jahr nach Deutschland. Gold bekommt BBDO in Düsseldorf für Mercedes-Benz (Brake System), Silber geht an Grabarz & Partner, Hamburg, für Volkswagen (Navigation System). Bronze holen Y&R, Frankfurt (Wüsthof), DDB (Ikea) und Start, München, (München Ticket). 16 Beiträge hatten es auf die Shortlist geschafft, insgesamt hatte die internationale Jury unter Vorsitz von Mark Gross, Senior Vice President & Group Creataive Director von DDB in Chicago, 1.259 Arbeiten aus 56 Ländern zu sichten. Im vergangenen Jahr brüllte für Deutschland nur ein einziger Löwe, im Jahr davor gab's gar keinen.
Wird Radio damit zur deutschen Disziplin? "Jedenfalls waren sie in Text, Handwerk und Mechanik ganz vorne", sagt Juror Albrecht. Tatsächlich führen die Deutschen 2008 nach den USA und Südafrika das Löwen-Ranking vor allen anderen Nationen an. "Die ganze Branche setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die Radiowerbung in Deutschland an Qualität gewinnt", sagt Hans-Peter Albrecht. Radio sei nicht mehr das Stiefkind der deutschen Werbung. "Die Kreativen begreifen, dass aus diesem uralten Medium eine Menge rauszuholen ist."
Aufpassen müssten die Deutschen allerdings, wenn sie die Spots ins Englische übertragen. In Cannes punkten nur gut produzierte Stücke, die auf Anhieb verständlich sind. "Für den einen oder anderen Spot musste ich mich schon sehr einsetzen", sagt Albrecht.
Den Gold-Löwen von BBDO mit dem Titel "Nothing" hätte die Jury denn auch fast zum Grand Prix gekürt. Jedenfalls war er in der Diskussion dafür. Gewonnen hat am Ende eine Arbeit aus Japan, die, so sieht es Jury-Präsident Mark Gross, "das Medium Radio auf eine fantastische Art und Weise" nutzt. Es geht um einen Spot für die Eos-Kamera von Canon, die innerhalb von zwei Zehntel Sekunden aufnahmebereit sein soll. "Der Beitrag macht deutlich, welche Gelegenheiten ungenutzt verstreichen, wenn man keine schnelle Kamera hat", erklärt Gross. Noch bevor sich eine Situation feshalten lässt, ist sie schon passé. Im Spot hat das die Agentur Dentsu aus Tokio über die Lautstärke geregelt. Ein Beispiel: Ein Bungee Jumper macht sich zum Absprung bereit, der Sprecher spricht laut und deutlich, dann hebt der Jumper ab, eigentlich müsse die Kamera spätestens jetzt einsatzbereit sein, doch: die Stimme wird leise, noch bevor die Kamera den Moment festhalten kann. Und das ist nur eine von vielen Situationen, die der Spot erzählt. "Das ist einfach, witzig, auch der Text ist wunderbar", lobt der Jurychef.
"In diesem Jahr haben alle versucht, die Grenzen des Mediums auszuloten und neu zu definieren", sagt Albrecht. Der Grand Prix ist das beste Beispiel dafür. Es gab einen brasilianischen Spot, der eine Minute lang zur gleichen Zeit im ganzen Land ausgestrahlt wurden, es gab einen Fünfminüter, einen Einsekünder (so schnell klebt Sekundenkleber), Spots unterschiedlicher Werbekunden , die sich aufeinander beziehen, Werbung, die ganz still ist. Mit Musik haben 2008 wenige Werber gearbeitet. "Und die Pornografie ist im Radio angekommen", beobachtet Hans-Peter Albrecht. Ausgerechnet aus Amerika kommen die Blow-Jobs. Aber auch aus Chile war Pornographisches dabei.
Die Radio-Jury hat von Freitag bis Montag getagt. Insgesamt 1259 Arbeiten aus 56 Ländern hatten die 16 Juroren zu sichten. Deutschland hatte 113 Arbeiten eingereicht, 16 Beiträge hatten es auf die Shortlist geschafft. 47 Löwen wurden insgesamt vergeben, fünf Gold, 15 sieben und 27 Bronze Lions. Die Radio-Löwen werden am Dienstag im Palais des Festivals vergeben zusammen mit den Outdoor- und Media-Löwen. Danach wird das Festival am Carlton Beach offiziell mit einem großen Galabuffet eröffnet.


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