Cannes-Jurorin Patricia Pätzold: "Das Festival ist wie ein Inspirations-Flash"
Zwölf Juroren aus Deutschland werden beim Werbefestival in Cannes über Ruhm und Ehre mitentscheiden. W&V Online stellt sie in einer Serie vor. Im Interview spricht Patricia Pätzold, Group Creative Director bei Kempertrautmann, über ihre Berufung in die Outdoor-Jury.
Patricia Pätzold, Group Creative Director bei Kempertrautmann, unterrichtet an der Texterschmiede die Disziplin Plakat und saß bereits in einer Reihe von nationalen und internationalen Jurys zum Thema Outdoor. In Cannes ist sie das erste Mal als Juror dabei.
W&V Selbst schon mal einen Löwen in Cannes gewonnen? Welcher ist Ihnen am meisten wert?
Am meisten bedeutet mir der Löwe, den ich mit meinem Team für das Volkswagen Touareg Plakat "Wattiefe“ gewonnen habe. Damals war ich noch bei Grabarz & Partner. Es war der erste Löwe, den die Agentur gemeinsam mit dem Kunden Volkswagen gewonnen hat.
W&V Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an dem Festival in Cannes?
Das Festival in Cannes ist für die Werbebranche das, was für die Filmbranche die Oscar-Verleihung ist. Ein Cannes‐Löwe ist wie ein Ritterschlag. Und es ist natürlich etwas ganz Besonderes, wenn man mit entscheiden darf, wem dieses Jahr diese Ehre gebührt. Außerdem ist es faszinierend, wie viel Energie entsteht, wenn so viele hochkarätige Kreative aus unterschiedlichsten Disziplinen und Ländern zusammenkommen. Das Cannes‐Festival ist wie ein Inspirations-Flash – und eine Top Motivation für jeden Kreativen.
W&V Was haben Sie sich für Ihre Arbeit in der Jury vorgenommen?
Ich werde mir noch einmal die internationalen Winner der letzten Jahre anschauen und mich so auf meine Juryarbeit vorbereiten. Ansonsten lasse ich es auf mich zukommen. Wichtig ist, dass man offen und ehrlich diskutiert. Wobei man sich bei den wirklich herausragenden Arbeiten in der Regel einig ist.
Was sind die Stärken und die Schwächen Ihrer zu bewertenden Kategorie?
Die Kategorie Outdoor ist eine der spannendsten in Cannes. Hier fließen viele unterschiedliche Disziplinen zusammen. Die Kategorie ist wie ein Gradmesser für die Dynamik in unserer Branche. Sie definiert sich jedes Jahr neu. Das ist natürlich auch gleichzeitig die Schwäche der Kategorie. Ein Film ist ein Film – aber bei Outdoor-Arbeiten sind die Grenzen zu anderen Kategorien oft fließend. Was die Bewertung nicht immer ganz einfach macht.
Worauf freuen Sie sich besonders?
Auf den Austausch mit den internationalen Kollegen. Auf den Blick über den Tellerrand. Auf die Reizüberflutung. Und auf die großen Augen meiner Studenten in der Texterschmiede, wenn ich über meine Jurytage in Cannes berichte.
Was wollen Sie in Cannes unbedingt sehen?
Ich möchte auf keinen Fall "The Cannes Debate“ mit Sir Martin Sorrell, James Murdoch und Jeffrey Katzenberg und das Seminar von MDC Partners und Crispin, Porter & Bogusky "Five to Five“ verpassen.
Und wovor graut Ihnen?
Im Moment vor nichts. Aber das kann sich noch ändern.
Ihr Tipp: Was darf man in Cannes nicht verpassen?
Den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang. Spaß beiseite. Absolute Pflicht sind der Saatchi & Saatchi New Directors Showcase und die Shortlist Screenings der Kategorien Film, Film Craft, Titanium und Integrated Lions.
Bleiben Sie noch, nachdem Sie mit den Jurysitzungen durch sind? Was machen Sie dann?
Wenn ich mit den Jurysitzungen durch bin, werde ich mir die Ausstellung und die Screenings anschauen, an Seminaren teilnehmen und die Zeit nutzen, um ein paar Regisseure zu treffen.