"Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden das Karstadt vorschlagen", sagt Pross weiter.

Auch der zweite Grand Prix (für Internet-Filme) zeichnet in diesem Jahr den Mut des Kunden aus. Volvo Trucks hat mit "The Epic Split" auf überraschende Art und Weise das Briefing seines Kunden umgesetzt und den Virtual dazu äußert aufwändig produziert. Auch The Epic Split hatte zwei Anwärter auf den Preis auszustechen – nämlich Old Spice und "Perfect Day" von Playstation. Aber er hat die Juroren am Ende berührt. "Das ist fast eine spirituelle Meditation", sagt der US-Juror Pete Favat von Deutsch in Los Angeles.

"Alle sagen immer, Film sei ein aussterbendes Medium", so Jury-Präsident Amir Kassaei. Aber das sei nicht der Fall. "Film ist immer noch die beste Plattform, um Menschen zu bewegen." Beim Film gehe es um Emotionen und darum, Konsumenten und Produkt zueinander zu bringen. "Wir nutzen unsere Kreativität dazu, um die Probleme unserer Kunden zu lösen. Wir sind kein Kunst-Festival."

Kassaei hat die Jury seit einer Woche geführt. Weil er sich vor zwei Jahren zum Voting-Verfahren in den Jurys gegenüber dem Festival sehr kritisch geäußert hatte, hat Cannes es seitdem reformiert. "Diese Diskussion war notwendig", sagt Amir Kassaei, "obwohl ich sicher nicht angenehm ('pain in the ass') war", sagte er während der Pressekonferenz zu Festival-CEO Phil Thomas. "Aber ich wollte, dass jede Politik aus der Jury-Arbeit verschwindet." Inzwischen stimmen die Juroren anonym mit Tablets ab.

In der Kategorie Film hat die Jury in diesem Jahr neben den beiden Grand Prix 13 Gold-Löwen, 35 Silber- und 57 Bronze-Löwen vergeben (siehe Gewinnerliste). Mit Film schließt der Reigen der Preisverleihungen am Samstagabend im Palais des Festivals. Am selben Abend wird am Carlton Beach die Abschiedsgala gegeben – mit einem opulenten Werber-Feuerwerk.

Jung von Matt "Chicken", Mercedes-Benz

Scholz & Friends "Schlafzimmer", Valmano

Scholz & Friends "Zahnarzt", Valmano

Alle Sieger finden Sie in unserem Cannes-Special. Lesen Sie auch in unserem "Gold-Blog", was die W&V-Blogger in Cannes erleben.


Conrad Breyer, W&V
Autor: Conrad Breyer

Er kam über Umwege zur W&V. Als Allrounder sollte er nach seinem Volontoriat bei Media & Marketing einst beim Kontakter als Reporter einfach nur aushelfen, blieb dann aber und machte seinen Weg im Verlag. Conrad interessiert sich für alles, was Werber- und Marketer:innen unter den Nägeln brennt. Seine Schwerpunktthemen sind UX, Kreation, Agenturstrategie. Privat engagiert er sich für LGBTQI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine.