Hintergrund: BBDO im Umbruch
Am gestrigen Montag hat BBDO-Chef Anton Hildmann die Bombe platzen lassen: Economia wird aufgelöst, Interone und .start sollen fusionieren. Die W&V-Redakteure Lena Hermann und Conrad Breyer berichten über den Umbau der Gruppe. Die W&V-Bildergalerie zeigt auf, wie sich im vergangenen Jahr einschneidende Veränderungen bereits angedeutet haben.
Anton Hildmanns Willkommensgeschenk für Frank Lotze hat es in sich. Komplett umgebaut hat der BBDO-Chef die Agenturgruppe. Großer Gewinner der Umgestaltung ist Interone: Zum einen erhält die ehemalige Digitalagentur an den Standorten München und Hamburg durch die Integration von Start und Economia eine Stärkung. Damit entsteht ein Gegengewicht zu den BBDO-Standorten Düsseldorf, Stuttgart und Berlin.
W&V-Informationen zufolge baut Hildmann mit Interone zum anderen eine zweite Marke auf, die sich als Full-Service-Agentur neben BBDO etablieren und damit eventuelle Konkurrenzkonflikte auffangen soll. „Interone ist für uns weit mehr als eine digitale Agentur“, bestätigt Hildmann. „Mit der durch Start verstärkten Interone entsteht ein zukunftsweisendes Agenturmodell, das für seine Kunden alle klassischen und interaktiven Kommunikations- und Vertriebskanäle bündelt und Lösungen auf höchstem kreativem Niveau anbietet.“
Als ergänzende Digitalagentur soll im Gegenzug Proximity näher an BBDO heranrücken. Schon aus diesem Grund verantwortet der neue CCO Wolfgang Schneider künftig nicht nur der kreative Output der BBDO-Agenturen sondern auch der digitalen Agentur Proximity.
Rund 50 Mitarbeiter müssen gehen
Die Mitarbeiterzahl wird sich in den nächsten Wochen bei BBDO Germany um eine größere Zahl verringern. Nachdem Economia und Claus Koch zum Jahresende mit Interone in Hamburg beziehungsweise der Peter Schmidt Group verschmelzen, spart sich BBDO Germany hier einige Mitarbeiter. Von rund 50 Angestellten, die gehen müssen, ist die Rede. Der Rest wird in den zusammengeführten Agenturen aufgehen.
Das gleiche gilt für die Kunden. Economia-Etats sollen zu BBDO Düsseldorf oder Interone übergehen. Das Gros der Etats dürften aber die ehemaligen Economia-Chefs Peter Brawand (COO) und Thorsten Rieken (CCO) mitnehmen. Sie wollen sich selbstständig machen, wie zu hören ist. Jochen Leisewitz, Geschäftsführer Kreation von Economie, will sich ihnen offenbar anschließen. Economia betreut Etats von Hilcona, Schwartau, AIDA oder Fressnapf. Die Kunden sind informiert, die Verhandlungen laufen.
Der Grund für die Schließung von Economia liegt nicht ganz auf der Hand. Noch nie sei die Agentur so erfolgreich gewesen wie unter Peter Brawand und Thorsten Rieken, heißt es aus Branchenkreisen. In der Tat konnten sie beiden Geschäftsführer zuletzt einige Etats gewinnen und sich verstärkt als Agentur mit Foodkompetenz positionieren. Zu hören ist allerdings auch, dass Economia Hildmann schon seit dem Weggang von Klaus Utermöhle Zeit ein Dorn im Auge war. Vier Jahre hätte sich die Entscheidung hingezogen, die Hamburger Agentur zu schließen.
Vielleicht ist es so zu erklären, dass Hildmann den beiden Economia-Chefs - kaum hatte BBDO die Mehrheit an der Agentur übernommen - keinerlei Entwicklungsperspektive aufgezeigt hat. Brawand und Rieken hätten vergeblich auf ein Angebot aus Düsseldorf gewartet, wissen Insider. Das aber kam nie.
Viele verschiedene Häuptlinge
Mit der tiefgreifenden Umstrukturierung soll BBDO künftig führbarer und gleichzeitig effizienter werden. Die Struktur wird zentralistischer. „Es gab so viele Häuptlinge in der BBDO-Welt, da mussten irgendwann einfach ein paar aussortiert werden“, heißt es von einem Beobachter. Fraglich ist, ob es den kreativen Chefs Jan Leube (BBDO Berlin), Toygar Bazarkaya (BBDO Düsseldorf/Stuttgart sowie Lüders/BBDO) und Detlef Rump (Proximity) gefallen wird, wenn sie künftig den Jung von Matt-Mann Wolfgang Schneider über sich haben. Der Mann könnte es schwer haben.
Zumindest von Leube ist bekannt, dass er zuletzt immer wieder auf den Listen von Headhuntern stand und einem Wechsel offenbar nicht ganz abgeneigt gegenüber steht. Ob es ihn aber, wie zuletzt spekuliert, wirklich zu McCann Erickson zieht, scheint noch nicht entschieden zu sein.