Kleber sagt dem Spiegel ab
Die Absage von Claus Kleber ist für den Spiegel-Verlag an der Hamburger Brandstwiete eine der schwersten Schlappen in seiner Geschichte. "Es ist ein Mega-Gau", so ein "Spiegel"-Insider zu W&V.
Claus Kleber, Leiter und Chefmoderator des "heute-journals", will nicht als Chefredakteur zum Nachrichtenmagazin „Spiegel“ wechseln. Er werde weiterhin für das ZDF arbeiten, teilte der Sender gestern abend überraschend mit. Kleber betonte, dass das Angebot des Spiegel zwar eine große Ehre gewesen sei. So habe er sich den Job zugetraut. Am Ende sei er aber der Überzeugung gewesen, dass das Fernsehen "mein Medium" sei.
Damit erlebt der Spiegel-Verlag an der Hamburger Brandstwiete eine der schwersten Schlappen in seiner Geschichte. "Es ist ein Mega-Gau", so ein "Spiegel"-Insider. Die Redaktion sei geschockt, heißt es intern. Noch vor wenigen Tagen hatten die beiden Spiegel-Gesellschafter, die Mitarbeiter KG sowie der Hamburger Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr ("Stern", "Geo"), Kleber das Amt des Chefredakteurs angeboten. Danach sollte der TV-Journalist den bisherigen Chefredakteur Stefan Aust ablösen, dessen Ende 2008 auslaufender Vertrag nicht verlängert worden war. Gegen die Ernennung Klebers zum Chefredakteur hatten sich hingegen Jakob und Franziska Augstein, Erben des Verlagsgründers Rudolf Augstein, ausgesprochen. Sie wollten vor allem einen printerfahrenen Journalisten an die Spitze des Nachrichtenmagazins setzen. Kleber verfügt aber über keine Magazin-Erfahrung.
ZDF-Intendant Markus Schächter begrüßte hingegen die Entscheidung des TV-Journalisten: "Claus Kleber ist der Spitzenmann des deutschen TV-Journalismus. Ich freue mich sehr, dass er bei uns bleibt. Als Anchor des wichtigsten Nachrichtenmagazins im deutschen Fernsehen steht er für Kontinuität, Professionalität und Zuschauernähe".. Ähnliche Töne schlägt auch ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender: "Ich habe Claus Kleber 2003 von der ARD geholt, warum sollte ich ihn jetzt zum Spiegel ziehen lassen. Wir haben verabredet, dass das ZDF-Nachrichtenmagazin 'heute-journal' energisch als Topformat ausgebaut wird“, sagte Brender.
Die Absage des ZDF-Journalisten stürzt die Spiegel-Redaktion in schwere Führungskrise. Denn jetzt dürfte es für die Gesellschafter immer schwieriger werden, einen geeigneten Kandidaten zu finden, der sich das Amt zutraut und annimmt. Kaum Chancen dürften die bisher in der Öffentlichkeit kolportierten Kandidaten haben, da sie nun als zweite Wahl gelten. Zu den bisherigen Anwärtern zählten Uwe Vorkötter, Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau", Gabor Steingart, ehemaliger Leiter des Berliner Spiegel- Büros, sowie Heribert Prantl, Innenpolitik-Chef der "Süddeutschen Zeitung". Auch der Spiegel-Online-Chef Mathias Müller von Blumencron dürfte nach der Absage von Kleber um den Chefposten aus dem Rennen sein. „Die Absage von Kleber hat die bisher in der Öffentlichkeit genannten Kandidaten schwer beschädigt", meint ein "Spiegel"-Redakteur.