Kreativchef Jorg Riommi: "Wir machen Saatchi sexy"
Seit zwei Monaten ist Jorg Riommi Executive Creative Director bei Saatchi in Frankfurt. Sein Ziel: die Agentur zum Hotshop umbauen. Wie es klappen kann und bis wann er die Networkagentur auf Kurs gebracht haben will, verrät er im Interview mit W&V-Redakteur Peter Hammer.
Seit zwei Monaten ist Jorg Riommi Executive Creative Director bei Saatchi in Frankfurt. Der 35 Jahre alte Deutsch-Italiener kam von Saatchi in Bukarest, die 2010 erfoglreichste rumänische Agentur beim Wettbewerb Golden Drum war. Für Frankfurt hat sich der international ausgezeichene Kreative ehrgeizige Ziele gesetzt: das Büro soll zum Hotshop werden. Wie es klappen kann und bis wann er die Networkagentur auf Kurs gebracht haben will, verrät er exklusiv W&V Online.
Herr Riommi, im aktuellen W&V-Ranking der kreativsten Agenturen Deutschlands 2011 taucht Saatchi auch auf – allerdings nur mit einer Eigenanzeige. Damit können Sie nicht zufrieden sein.
Doch, es geht mir gut dabei. Es war eine Management-Entscheidung, 2011 keine Arbeit einzureichen, denn der Fokus der Agentur lag auf anderen Bereichen. 2012 ändert sich das. Wir pushen das Thema Kreativität. Erster Beleg dafür ist eben die von Ihnen zitierte Ranking-Anzeige.
Es war Ihre Idee?
Ja , mit Unterstützung von Anna-Marina Pirsch und Dominik Bauer. Es ist eine prima Media-Idee. Wir stärken schon die Muskeln für das laufende Jahr. Schließlich möchte ich Frankfurt sexy machen. Wir wollen mal die attraktivste Agentur der Gruppe sein. Auch wenn Frankfurt eine Banker-Stadt ist. Ich glaube daran.
Wie wollen Sie Saatchi in Frankfurt zum Hotshop machen?
Ich bin jetzt seit gut zwei Monaten hier und konnte mir ein Bild machen. Zuerst muss sich der Fokus der Agentur und das Selbstverständnis der Mitarbeiter zum Thema Kreativität ändern. Wir müssen kreativ top sein wollen und wir müssen gewinnen wollen. Ich zitiere hier gerne Paul Arden, der sagte: „Wie gut du bist, hängt vor allem davon ab, wie gut du sein willst“. Ich möchte, dass die Agentur gut wird und in der Lage ist, das Beste aus sich herauszuholen. Wir werden das nicht nur postulieren, sondern mit Fakten belegen.
Menschen ändern sich schwer. Wie wollen Sie die Einstellung bei den Mitarbeitern verändern?
Man sagt, Menschen kann man nicht verändern aber das entspricht nur zum Teil der Wahrheit. Ich nämlich glaube stark daran, dass man Menschen inspirieren kann und zwar so intensiv, dass sich ihre Ansichtsweisen verändern und sie Perspektiven kennen lernen, die ihnen vorher gänzlich unbekannt waren. Außerdem bin ich überzeugt, dass Leidenschaft, Enthusiasmus, Energie und Wille ansteckend sind. Und ich weiß, dass man mit einem starken Willen und Glauben an die Sache, Dinge verändern kann. Es geht letztendlich nur um die Energie und Entschlossenheit, die man bereit ist aufzubringen und um Talent natürlich. Zudem werde ich neue Mitarbeiter ins Haus holen, die meinen Erwartungen entsprechen.
Schon passiert?
Wir haben in Frankfurt bereits einen Art Director, einen sehr talentierten Mann, einen Copywriter und einen Junior Copywriter engagiert. Was noch fehlt, sind ein Senior Copywriter und ein Digitalteam. Wenn wir in Deutschland nicht fündig werden, dann suchen wir weltweit. Entscheidend für uns ist: sie haben coole Ideen, sind motiviert und können ihre Vorstellungen auch entsprechend überzeugend umsetzen.
Das reicht?
Wir wollen auch flexibler werden und haben intern umgebaut. Jeder soll 2012 an einem neuen Platz mit einer neuen Vision durchstarten können.
Sie ändern Teams?
Ja, ein gutes Beispiel ist Pampers, einer der wichtigsten Kunden von Saatchi Frankfurt. Ich bin ja ECD vom Frankfurter Office und zugleich auch Regional Creative Director für Western Europe für die Marke. Ein erster Schritt um besser zu werden ist, bisherige Silos aufzulösen. Künftig arbeiten bei uns mehr Teams für den Kunden, aber weniger intensiv. Wenn sich Kreative bei mehreren Marken und Aufgaben einbringen können, dann besteht weniger die Gefahr, dass sie eines Tages ausgebrannt sind.
Welche Rolle spielen die Shopper Marketing-Kollegen von Saatchi X im selben Haus?
Ich verstehe mich sehr gut mit dem Kreativchef Ulrich Kudielka. Meiner Meinung nach müssen wir enger zusammenrücken und noch mehr wie eine Agentur agieren. Es macht keinen Sinn, bei Kommunikationsaufgaben nicht von vornherein an Möglichkeiten für Activation, sei es durch Promotions oder auch Events oder andere Aktionen, zu denken.
Und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Saatchi-Kollegen in Düsseldorf und in Berlin?
Unser Plan ist es, die Mannschaften bei Bedarf zu kombinieren und auch Ressourcen bereit zu stellen oder zu teilen, wenn es nötig ist. So arbeiten wir regelmäßig mit den Digital-Spezialisten aus Düsseldorf zusammen, auch wenn wir derzeit Strukturen schaffen, um künftig digitale Aufgaben auch komplett zu übernehmen – mit Unterstützung von Freelancern. Gleichzeitig verbindet uns ein freundschaftlicher Wettstreit, wenn es um das kreative Produkt geht. Auch wenn am Ende alle Arbeiten das Label „Made by Saatchi“ tragen, so möchte ich doch, dass die besten Arbeiten künftig aus Frankfurt kommen.
Fehlen nur mehr die Kunden, für die Sie und Ihre Teams innovative und kreative Arbeiten realisieren können.
Wir müssen einerseits unsere Bestandskunden für inspirierende Werbung begeistern, andererseits aber auch nach neuen Auftraggebern suchen, die offen für Neues sind. Was fehlt, ist ein Kunde wie die Baumarktkette Hornbach bei der Berliner Agentur Heimat oder Media Markt bei Ogilvy. Grundsätzlich denke ich schon, dass wir kreativ mit den anderen Agenturen mithalten können.
Auch mit Hilfe so genannter Award-Arbeiten?
Die renommiertesten Kreativchefs der größten Agenturen machen das, keine Frage. Auch wenn sie es bisweilen bestreiten. Wir reden hier nicht von Fakes oder Scams, sondern von proaktiven Arbeiten, die gegebenenfalls neue Grenzen setzen. Sie sind wichtig für die gesamte Kreativindustrie, gut für die Moral der Kreativen und wichtig für die Reputation der Agentur. Wenn es gleichzeitig für eine große Menge Menschen relevant ist – dann umso besser.
Und wo finden wir Saatchi in drei Jahren im Kreativranking? Wieder als Eigenanzeige?
In drei Jahren wird es keinen Bedarf für Eigenanzeigen mehr geben.