Das erfordert aber selbst bei einem integrierten Display im Auto eine gesteigerte Multitaskingfähigkeit.

Ja, da sind die Konzepte noch zu wenig ausgereift. Aber gerade für Frauen werden selbstfahrende Autos sehr spannend sein, weil sie ihren Anforderungen und Wünschen entgegenkommen. In den Premium-Modellen heute gibt es auch schon gute Connectivity-Lösungen, wenn auch noch zu recht hohen Preisen. Doch wie so oft werden die Hersteller das über ihre Premium-Modelle in den Volumenmarkt bringen. 

Anders Opel, wo es das Connectivity-Programm in allen Modellen gibt …

Ja, großes Lob für Opel. Und sehen Sie, da entscheiden Frauen mit, mit Tina Müller als Marketingvorstand und Mary Barra an der Spitze des Mutterkonzerns General Motors. Frauen sind in der Automobilbranche unterrepräsentiert, obwohl immerhin 51 Prozent der potenziellen Kunden weiblich sind. Wir haben in Deutschland nur etwa 36 Prozent Privatkäuferinnen. Sicher fahren auch viele Frauen Autos, die auf Männer zugelassen sind. Aber die Branche hat verstanden, dass Wachstum nur mit dieser Kundengruppe zustande kommen kann.

Auch Mercedes hat mit "She’s Mercedes" einen Vorstoß in diese Richtung unternommen. Wie schätzen Sie das ein?

Einen solchen Ansatz musste Mercedes wählen, um Frauen, vor allem jüngere Frauen, anzusprechen. Das ist schon sehr gut gemacht, auch wenn der Algorithmus beim Lifestyle-Konfigurator verbesserungswürdig ist. Dennoch: Mercedes reagiert darauf, dass sich Frauen anders mit dem Autokauf beschäftigen als Männer. Männer recherchieren weit im Voraus und gehen perfekt informiert ins Autohaus. Dann geht es in erster Linie um den besten Deal, vielleicht noch mit den Winterreifen obendrauf.

Und Frauen?

Verwenden viel weniger Freizeit für die Vorbereitung eines Autokaufs. Dadurch sind sie in Autohäusern deutlich lenkbarer. Technische Details sind weniger ausschlaggebend als dass ein Auto zur Lebenssituation passt.

Inwiefern sollte das dann auch in der Kommunikation berücksichtigt werden?

Frauen schätzen bei Autowerbung Humor. Die französischen Hersteller greifen das sehr gut auf. Männer wollen ernsthaftere Werbung. In den Autohäusern selbst hat sich einiges getan. Vor einigen Jahren, bei einer Reihe von Testkäufen mit Paaren, sprachen Verkäufer teilweise nur mit dem Mann, obwohl das Paar gesagt hatte, ein Auto für sie beide zu suchen. Da wurden nur schwarze Modelle gezeigt, weil er "Schwarz" sagte, obwohl sie Silber wünschte. Das ist zum Glück weitgehend Vergangenheit.


Franziska Mozart
Autor: Franziska Mozart

arbeitet als freie Journalistin für die W&V. Sie hat hier angefangen im Digital-Ressort, als es so etwas noch gab, weil Digital eigenständig gedacht wurde. Heute, wo irgendwie jedes Thema eine digitale Komponente hat, interessiert sie sich für neue Technologien und wie diese in ein Gesamtkonzept passen.