Vertriebsauswertungen mit Excel

Andere könnten vielleicht, spüren den Digitalisierungsdruck aber noch nicht so stark. Ein großer Pharmahersteller etwa macht seine Vertriebs-Auswertungen noch immer mit Excel. Da werden Daten aus dem einen System in das andere exportiert, analysiert und dann wieder weiter kopiert. Das kostet Zeit und Nerven, obwohl längst schon hilfreiche Software-Lösungen am Markt sind, die das alles automatisch können und noch dazu anschauliche Visualisierungen liefern. „Wenn man sich ansieht, was heute eigentlich schon Standard ist und wo die Zukunft hingeht, stelle ich erschreckt fest, dass wir noch im Gestern sind“, sagt eine Mitarbeiterin.

Doch der Laden läuft gut genug, sodass eine Anpassung an das Heute ganz gemächlich ablaufen kann. Anders ist es bei Unternehmen, die in kleineren, spezialisierten Märkten präsent sind. Viele der Hidden Champions sind deshalb so erfolgreich, weil sie sich ständig anpassen müssen, um in einem Nischenmark zu überleben. Der Naturforscher Charles Darwin stellte fest, dass – anders als oft missverstanden – nicht die stärkste oder intelligenteste Spezies überlebe, sondern diejenige, die sich am ehesten dem Wandel anpassen kann. Ähnliches gilt für Unternehmen im Überlebenskampf der Digitalisierung.

Deshalb erringen Unternehmen ihre Weltmarktführung: Weil sie überdurchschnittlich innovativ und wandlungsfähig sind sowie in neue Technologien und Forschung investieren. Doch das geht nur, wenn die Spitze mitzieht. „Bei aller Digitalisierung bleibt daher der wesentliche Faktor immer noch der Mensch, sagt Lars O. Lüke bei Deloitte Digital zuständig für die Digitalisierung des Mittelstands und den Aufbau digitaler Geschäftsmodelle. „Und eine wichtige Rolle spielt hier das Top-Management. Es muss die Basis für ein gemeinsames Verständnis von Ambition, Ziel, Vorgehensweise und nicht zuletzt vom Wertbeitrag der digitalen Transformation schaffen. Der Vorstand und das Leadership-Team müssen aufgeschlossen sein.“

Sein Kollege Nikolay Kolev identifiziert zudem die mangelnde Risikobereitschaft als ein Hindernis auf der Reise zu einem digitalen Geschäftsmodell. Start-ups probieren schneller mal etwas aus, auch mit der Gefahr zu scheitern, wenn sich die Idee als nicht wirtschaftlich tragfähig herausgestellt hat. „Für den klassischen, etablierten Mittelstand ist das ein oft nicht hinnehmbares Risiko. Aber mit Blick auf die Hebelwirkung ihrer bestehenden Assets haben sie einen entscheidenden Vorteil. Diese beiden Welten miteinander zu verbinden und zusammenzubringen, setzt ungeahnte Potenziale und Kräfte frei.“ Außerdem haben sie kaum eine Wahl: Denn was digitalisiert werden kann, wird irgendwann von irgendjemandem digitalisiert.

Case: Osram

Ein Beispiel für den Wandel ist Osram, das zum zweiten Mal auch auf der Dmexco vertreten war– mit dem Produkt Osram Einstone Smart Retail. Das richtet sich an den stationären Handel und soll mit Hilfe von standortbezogenen Diensten über das Mobiltelefon helfen, die Brücke zwischen digitalen Angeboten und Offline-Einkaufserlebnis zu schlagen. „Stationäre Händler benötigen heute zukunftsfähige Technologien, um in der digitalisierten Welt von morgen konkurrenzfähig zu bleiben“, so Maren Brandt, Pressesprecherin für Beacons und Ortungsdienste bei Osram. Eine dieser Technologien kann eine Internet-of-Things-Plattform sein, die intelligente Leuchten mit Daten verknüpft und so beispielsweise zum Wegweiser werden lässt. Nicht geringeres als das “Windows der Lichtbranche” soll das werden, mit Apps und verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten. Doch Osram hat selbst bereits einige Stufen der Digitalisierung genommen: vom Lampenhersteller zum Halbleiter- und High-Tech-Konzern. Dazu hat vor gut einem Jahr das Lampengeschäft der Allgemeinbeleuchtung den Besitzer gewechselt. In Berlin steht inzwischen ein Osram-Werk, das sich als Vorreiter der Industrie 4.0 versteht. Die Produktion lief bereits weitgehend automatisiert, doch im zweiten Schritt ging es darum, die Effizienz zu erhöhen und flexibler zu werden. Die Maschinen sind jetzt seit rund zwei Jahren mit einer eigens entwickelten App verknüpft, die den Mitarbeitern ihre entsprechenden Arbeitsauftrag gibt. Mitarbeiter haben damit nicht mehr die eine Maschine, um die sie sich kümmern müssen, sondern sehen alle auf dem Smartphone, welche Aufgaben wo anstehen. In der App melden sie dann, wenn sie das entsprechende Problem lösen oder vielleicht noch einen Spezialisten zu Rate ziehen wollen.


Franziska Mozart
Autor: Franziska Mozart

arbeitet als freie Journalistin für die W&V. Sie hat hier angefangen im Digital-Ressort, als es so etwas noch gab, weil Digital eigenständig gedacht wurde. Heute, wo irgendwie jedes Thema eine digitale Komponente hat, interessiert sie sich für neue Technologien und wie diese in ein Gesamtkonzept passen.