Die Auswahl der Themen bei den "Trending Topics" von Facebook, die in Deutschland noch nicht verfügbar sind, übernimmt nach Angaben des Netzwerks ein Algorithmus. Die Rechenformel identifiziert, über welche Stories auf Facebook besonders heiß diskutiert wird. Dabei komme es zum einen auf eine besonders hohe absolute Zahl von Erwähnungen an, aber auch auf einen steilen Anstieg in einem kurzen Zeitraum. Ein Qualitätssicherungsteam solle sich dabei nur darum kümmern, dass Alltagsbegriffe wie "lunch", über die jeden tag zum Mittagessen geschrieben werde, nicht zu einem "Trending Topic" aufsteigen. Das Team schreibe auch kurze Beschreibungen der Themen.

"Gizmodo" behauptet nun, bei der Überprüfung der Trends seien aktiv Nachrichten zu republikanischen Politikern wie Mitt Romney oder Rand Paul sowie über das konservative CPAC-Treffen herausgefiltert worden. Dagegen seien für Gründer Mark Zuckerberg wichtige Themen wie die Anti-Rassismus-Bewegung "Black Lives Matter" manuell auf die Top-Liste gesetzt worden, obwohl der Algorithmus diese gar nicht vorgeschlagen habe.

Der zuständige Facebook-Manager Tom Stocky wies diese Zensurvorwürfe entschieden zurück: Man habe bei einer Überprüfung keine Belege dafür gefunden. Solche Manipulationen seien nach den internen Richtlinien verboten, schrieb er in einem Facebook-Eintrag. Es gebe technische Barrieren gegen Manipulationen der "Trending Topics". Zudem würden die Aktionen der Mitarbeiter aufgezeichnet und kontrolliert. Aufgabe des Teams sei es vor allem, die von einer Software ermittelten Trend-Nachrichten lediglich auf Doppelungen, Fälschungen oder schwache Quellenlage zu prüfen.

Die Debatte um die Zensur-Vorwürfe konnte Stocky mit seiner Stellungnahme allerdings nicht beenden. Das hat auch damit zu tun, dass nicht nur manche Medienmacher Facebook eine Manipulation des Nachrichtenstroms zutrauen. Das Netzwerk hatte vor zwei Jahren selbst eingeräumt, für eine Studie die Auswahl der Einträge in der "Timeline" von einigen hunderttausend Nutzern leicht manipuliert zu haben. Bei dem Experiment sollte erforscht werden, wie sich positive und negative Emotionen in Netzwerken ausbreiten.

Breitbart News, ein rechtes Nachrichten- und Meinungsportal, blies nach der "Gizmodo"-Veröffentlichung zur Attacke: Entgegen der eigenen Beteuerungen würden "hyper-progressive Silicon-Valley-Unternehmen wie Facebook offenkundig ihr eigenen Vorurteile dem Informationsfluss aufdrücken". Unterstützung bekamen die konservativen Publisher von der anderen Seite des politischen Spektrums: Glen Greenwald, der eng mit dem NSA-Whistleblower Edward Snowden zusammenarbeitet, schrieb auf Twitter, der Vorfall werde nicht nur den Verfolgungswahn auf dem rechten Flügel befeuern. "Dies ist eine wichtige Erinnerung, welche Gefahren drohen, wenn das Silicon Valley die Verbreitung der Inhalte kontrolliert."


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Autor: W&V Redaktion

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