Das Ende der klassischen Suchmaschinenoptimierung:
Die Lüge vom KI-Ranking: Warum ChatGPT Ihre Marke ignoriert
Eine viel beachtete Mega-Studie behauptet aktuell, KI-Markenempfehlungen seien reines Chaos und absolut nicht optimierbar. In unserem neuen Artikel decken wir den fatalen technischen Denkfehler der Forscher auf und zeigen Ihnen, wie Sie das Crawl-Verhalten der KIs systematisch für sich nutzen.

Foto: KI Generiert
Wir bei den AI Pirates begleiten täglich Unternehmen durch die digitale Transformation. Wir automatisieren komplexe Geschäftsprozesse, implementieren modernste KI-Tools in bestehende Workflows und treiben Innovationen durch den Einsatz kreativer KI voran. Doch wenn wir heute mit Geschäftsführern, Vorständen und Marketing-Entscheidern in unseren Strategie-Workshops sitzen, kristallisiert sich ein Thema als der absolute „heiße Scheiß“ heraus: KI-Visibilität (AI Visibility).
Für das C-Level ist das längst keine technische Spielerei mehr, sondern eine strategische Überlebensfrage. Millionen von Nutzern verabschieden sich von der klassischen Google-Suchleiste mit ihren zehn blauen Links. Wenn B2B-Einkäufer heute nach der besten CRM-Software, der zuverlässigsten Agentur oder modernen Dienstleistern suchen, wenden sie sich direkt an Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT, Claude oder Perplexity.
Die drängendste Frage in den Chefetagen lautet daher: Wie bringen wir unsere Marke auf Platz 1 in ChatGPT?
Kürzlich sorgte eine groß angelegte Studie von Rand Fishkin (SparkToro) und Patrick O’Donnell (Gumshoe.ai) in der Marketingwelt für Ernüchterung und stürzte klassische SEO-Agenturen in eine Sinnkrise.
Die Kernaussage der Untersuchung: KI-Empfehlungen sind extrem inkonsistent. Es gibt keinen „Platz 1“. Wer Ihnen heute noch ein Tool verkauft, das statische KI-Rankings misst, verkauft Ihnen eine Fiktion.
Doch bei genauerer Analyse der Daten wird klar: Die SparkToro-Studie erzählt nur die halbe Wahrheit. Sie misst präzise das Symptom – die chaotische Ausgabe –, aber sie scheitert daran, die technischen Ursachen zu benennen. Sie behandelt KI-Modelle wie isolierte Blackboxes und übersieht dabei den wichtigsten Hebel, den wir als Entscheider haben: das dynamische Crawl-Verhalten der KI-Systeme.
Wer im Bereich der Artificial Intelligence Optimization (AIO) Marktanteile gewinnen will, muss verstehen, was in dieser Studie übersehen wurde.
Teil 1: Was die Studie richtig macht – Das Ende der Positions-Metrik
Das Setup von SparkToro war simpel, aber effektiv: 600 Freiwillige gaben knapp 3.000 Mal identische Prompts (z. B. nach Software- oder Dienstleister-Empfehlungen) in ChatGPT, Claude und Google AI ein.
Die empirischen Ergebnisse sind ein Sargnagel für klassisches Ranking-Tracking:
- Nahezu null Reproduzierbarkeit: Die Wahrscheinlichkeit, bei demselben Prompt zweimal exakt dieselbe Liste in derselben Reihenfolge zu erhalten, liegt bei unter 1 Prozent.
- Chaotische Listenlängen: Ein Modell entscheidet scheinbar willkürlich, ob es auf dieselbe Frage heute drei und morgen zehn Marken empfiehlt.
- Die neue Metrik heißt „Share of Voice“: Da es keine festen Positionen gibt, ist die einzige sinnvolle Messgröße für das C-Level die Erwähnungshäufigkeit. Wenn Sie einen Kern-Prompt 100 Mal durch eine API jagen und Ihre Marke in 60 Antworten auftaucht, beträgt Ihre KI-Sichtbarkeit 60 %. Das ist Ihr neuer KPI.
Diese Erkenntnis ist essenziell. Doch die Schlussfolgerung der Studie, dass die Ausgaben reiner probabilistischer Zufall sind, ist für strategische Entscheidungen gefährlich unvollständig.
Teil 2: Die massiven blinden Flecke – Was die Studie komplett ignoriert
Die Forscher haben die KIs getestet, als wären es simple Blackboxes, und dabei fundamentale Mechaniken moderner KI-Architekturen übersehen. Die scheinbare "Inkonsistenz" ist kein unabänderliches Chaos, sondern das Resultat von Variablen, die die Studie nicht kontrolliert hat.
1. Der Crawl-Fehler (RAG vs. Parametrisches Wissen) Die Studie testete die Systeme, als würden sie ausschließlich aus ihrem alten, antrainierten Gedächtnis antworten. In der Realität nutzen Systeme wie ChatGPT (mit Web-Suche) oder Google AI Overviews eine Architektur namens RAG (Retrieval-Augmented Generation). Wenn ein potenzieller Kunde fragt „Welche sind die besten ERP-Systeme?“, rät die KI nicht. Sie löst einen Live-Crawl des Internets aus, liest in Echtzeit die am besten rankenden Fachartikel und synthetisiert diese. Das verfälscht die Studienergebnisse massiv:
- Fluktuierende Quellen: Crawlt die KI um 10:00 Uhr, liest sie vielleicht einen G2-Testbericht. Um 10:05 Uhr ist dieser kurzzeitig langsam, der Bot bricht per Timeout ab und liest stattdessen einen Forbes-Artikel. Andere Quellen bedeuten andere empfohlene Marken. Das ist kein KI-Chaos, sondern ein messbares technisches Crawl-Verhalten der Quellen.
- Temporärer Decay: Das Internet ändert sich sekündlich. Ein PR-Artikel eines Mitbewerbers ändert den Live-Datenpool sofort. Die Studie ignorierte diese zeitliche Ebene völlig.
2. Task Framing: Offene vs. Geschlossene Prompts Die Studie testete ausschließlich völlig offene „Entdeckungs-Prompts“ („Was ist das beste X?“). Bei solch vagen Fragen ist der Lösungsraum riesig, das Modell diversifiziert absichtlich. Zwingt man die KI jedoch durch strukturierte Eingaben in die Schranken („Generiere eine Liste basierend auf den Quellen X und Y nach Kriterium Z“), liefert sie hochgradig konsistente Ergebnisse. Die Inkonsistenz liegt oft also nicht an der KI, sondern an unpräzisem Prompting.
3. Adaptives Verhalten und Chat-Historie Die Testpersonen gaben die Prompts oft mehrfach ein. Wenn ein Nutzer eine KI wiederholt dasselbe fragt, interpretiert der Algorithmus dies als Unzufriedenheit mit der ersten Antwort – und diversifiziert die Liste beim zweiten Mal absichtlich. Die Studie misst hier intelligentes, adaptives Verhalten und verkauft es fälschlicherweise als Zufall.
4. Die fatale Ignoranz der Tonalität (Sentiment) Die Forscher maßen nur, ob eine Marke erwähnt wurde. Für Marketer ist das fatal. Ein „Share of Voice“ von 90 % ist geschäftsschädigend, wenn die KI in 90 von 100 Fällen sagt: „Marke X existiert, ist aber völlig überteuert und hat einen miserablen Support.“ Sichtbarkeit ohne Sentiment-Kontrolle ist wertlos.
Teil 3: Wie Sie den Algorithmus wirklich steuern (Die AIO-Strategie)
Sie können das Rauschen eines LLMs nicht kontrollieren. Aber Sie können absolut kontrollieren, was der KI-Crawler findet, wenn er das Web durchsucht, und wie der digitale Konsens aussieht. Wenn Sie verstehen, dass KIs nicht halluzinieren, sondern das Netz zusammenfassen, ändert sich Ihre Strategie:
1. Surround Sound SEO statt Ego-Ranking Es reicht nicht mehr, dass Ihre eigene Landingpage perfekt optimiert ist. Der KI-Crawler zitiert selten Herstellerseiten; er vertraut Aggregatoren, Vergleichsportalen und Fachmedien. Ihre Strategie muss sein, genau diese Quellen zu dominieren. Wenn der Bot fünf externe Testberichte ausliest und Sie in vier davon als Sieger hervorgehen, zwingen Sie das Modell mathematisch dazu, Sie zu empfehlen.
2. Co-Citations (Die neuen Backlinks) KIs lernen durch semantische Nähe. Wenn Ihr Markenname in Fachartikeln, Pressemitteilungen und Foren ständig im selben Absatz mit absoluten Marktführern und Ihren Kern-Keywords auftaucht, bildet das Modell eine starke Entitäts-Verknüpfung. Der Crawler registriert diese „Co-Citations“ und ordnet Sie automatisch in das Cluster der Top-Anbieter ein.
3. Strukturierte Daten für blitzschnelles Crawling KI-Bots haben wenig Zeit (Timeouts!). Wenn sie eine Seite crawlen, hassen sie Marketing-Prosa und lieben harte Fakten. Nutzen Sie präzises Schema.org-Markup und bereiten Sie Vor- und Nachteile sowie Preise in sauberen HTML-Tabellen auf. Je maschinenlesbarer Ihre Daten sind, desto wahrscheinlicher übernimmt der Crawler sie fehlerfrei.
4. Sentiment-Kontrolle durch Nutzer-Signale Da KIs den Konsens Dritter aggregieren, müssen Sie Bewertungsplattformen und Fachforen aktiv managen. Veraltete, negative Reddit-Threads oder Trustpilot-Reviews sind Gift für Ihre KI-Empfehlungen. Verdrängen Sie diese durch frischen, positiven User Generated Content (UGC), den die KI bei ihrem nächsten Live-Crawl aufsaugen kann.
Fazit: Gewinnen Sie die Kontrolle zurück
Die SparkToro-Studie ist ein wichtiger Meilenstein, aber sie darf in Vorständen nicht dazu führen, dass man vor der KI kapituliert. KI-Empfehlungen sind nicht unvorhersehbar, wenn man die Mechanik der Web-Crawler, das adaptive Modellverhalten und die Retrieval-Systeme versteht, die sie mit Daten füttern.
Wir befinden uns nicht mehr in der Ära des klassischen SEO, in der wir Keywords auf einer Seite platzieren und auf einen guten Platz im Index hoffen. Wir sind in der Ära der Künstlichen Intelligenz Optimierung (AIO). Der Gewinner von morgen ist nicht derjenige, der den Algorithmus überlistet, sondern derjenige, der das Informations-Ökosystem so dominiert, dass die KI unausweichlich über seine Marke stolpert.
Haltung, Mut und die Fähigkeit, auch unter Druck seinem Kurs treu zu bleiben: Das zeichnet die W&V Top 100 aus. >>> Hier findest Du alle W&V Top 100/2026: Menschen, die vorangehen.