Es ist eine gute Erinnerung für uns Besucher aus den großen Unternehmen, Beratungen und Agenturen dass wir durchaus Möglichkeiten haben, unsere priviligierte Position für positive Veränderungen in der Gesellschaft und im politischen Diskurs zu nutzen. Purpose-Kommunikation ist nicht umsonst einer der großen Trends unserer Zeit und Themen, für die es zu kämpfen gilt, gibt es aktuell wirklich mehr als genug.

 

Die Gen Z in China als Glaskugel für die westliche Welt

 

Einer der spannendsten Vorträge am heutigen Dienstag drehte sich um die Gen Z in China. Für die beiden Speaker Arnold Ma and Tom Nixon von Qumin, der ersten chineischen Digital-Agentur in Großbritannien, ist die Gen Z in China der perfekte Gradmesser für das Marketing in der westlichen Welt.

 

Die größten Trends sind bereits heute spürbar: die enorme Popularität von Social- und Live Commerce, die auch in den westlichen Märkten immer mehr an Fahrt gewinnen. Gaming und Esports als dominierende Unterhaltungsplattform in jungen Zielgruppen. Und nicht zuletzt der enorme Einfluss, den Influencer in China auf die Kaufentscheidung ihrer Follower haben, insbesondere im Vergleich zur traditionellen Werbung.

 

Ein anderes Marketing-Instrument, das in China extrem populär ist, hat es hingegen noch nicht zu uns geschafft: virtuelle Influencer. In China sind sie bereits seit 10 Jahren ein wichtiger Teil der Online-Kultur. Sie sind Partner für Unternehmen, werben für Produkte, geben Konzerte und dienen als Charaktere für digitale CRM-Systeme.

 

Inzwischen gehen viele Marken in China bereits einen Schritt weiter und entwerfen komplette digitale Welten rund um die virtuellen Influencer und als Raum für Storytelling rund um die digitalen Charaktere. Und wo ist dafür der perfekte Platz? Natürlich im Metaverse.

 

Also doch alles Metaverse?

 

Was nehmen wir mit von der SXSW 2022? Das Metaverse war sicherlich eines der dominierenden Themen. Aber sicherlich nicht als Allheilmittel, die Auseinandersetzung war differenziert und allen vielen Stellen kritisch. Wird die Zukunft des Metaverse, wie von vielen Experten propagiert, nicht in Virtual Reality und 3D stattfinden, sondern über Wearables? Oder hat Mark Zuckerberg nach Facebook's Transformation in Richtung Mobile auch mit seiner Vision Horizon Worlds den richtigen Riecher? Sind NFts wirklich die Möglichkeit für Künstler, die Kontrolle und Monetisierung ihrer Inhalte  zurück zu erlangen, oder sind sie reine Spekulationsobjekte? Wollen die Konsumenten wirklich ein transaktionales Metaverse, in dem alles zur Ware wird? Oder geht es viel mehr um unterhaltsame, immersive Social Spaces, in denen persönliche Beziehungen im Vordergrund stehen, die Spaß machen und die Grenzen zwischen realer und digitaler Welt weiter verschieben? In einigen Jahren werden wir schlauer sein.

 

Für mich persönlich war die vergangene Woche auch eine Rückbesinnung auf die Zeit vor der Pandemie. Der persönliche Austausch, die positive Energie der Konferenz, die vielen Eindrücke und das bewusste Erleben und Verarbeiten ebendieser klappt wohl nirgends besser als in Austin im März. Bis nächstes Jahr!

Alex Turtschan berichtet für W&V täglich von der SXSW in Austin, Texas. Bislang erschienen:

Alex Turtschan, Mediaplus

Über den Autor: Alex Turtschan ist Director Digital Accelerator bei der Mediaplus Gruppe und beschäftigt sich mit Trends und Innovationen in allen Bereichen des Marketings – von Zielgruppen über neue Touchpoints und Plattformen bis zu Geschäftsmodellen. Aktuell mit den Schwerpunkten Gen-Z & Gen-Alpha, Creator Economy, Future Commerce & Metaverse.


Autor: W&V Gastautor

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