Interview im SZ-Magazin :
Amir Kassaei kritisiert die Branche: "Werber sind faul geworden"

Der DDB-Kreativchef geht mit der Branche hart ins Gericht: "Wir sind faul geworden. Statt Trends zu setzen, laufen wir ihnen hinterher. Während die ganze Welt über Nachhaltigkeit nachdenkt, sind Werber die Letzten, die lauthals Propaganda für hemmungslose Konsumgier machen", sagt er in einem Interview mit dem SZ-Magazin.

Text: Markus Weber

Der weltweite DDB-Kreativchef Amir Kassaei geht mit der eigenen Branche hart ins Gericht: "Wir sind faul geworden. Statt Trends zu setzen, laufen wir ihnen hinterher. Während die ganze Welt über Nachhaltigkeit nachdenkt, sind Werber die Letzten, die lauthals Propaganda für hemmungslose Konsumgier machen", sagte er jetzt in einem Interview mit dem "Süddeutsche Zeitung Magazin". "Dass unser Ansehen am Boden ist, liegt an uns selbst", meint Kassaei in dem Interview.

Bis Anfang der 90er-Jahre seien Werber noch coole Stars gewesen. "Wenn Sie heute sagen, ich mache Werbung, gucken die Leute Sie mitleidig an und sagen: Herzliches Beileid." Viele, die nie etwas gerissen hätten, seien irgendwie in der Werbung gelandet und hätten dort einigermaßen Karriere gemacht: "Entsprechend gering ist die intellektuelle Substanz in den Agenturen", meint Kassaei, der für seine markigen Aussagen bekannt ist: "Die richtig hellen Köpfe gehen heute nicht mehr in die Werbung."

Auf die Frage "Wie deformiert Werbung den Werber?" antwortet der gebürtige Iraner in dem Interview: "Sie kriegen ein sehr, sehr aufgeblähtes Ego." Ihn motiviere es sehr, wenn Leute ihm Böses wollten: "Dass ich es vom kloputzenden Asylanten zum Kreativchef von DDB gebracht habe, zeigt vielen in der Branche, wie wenig sie zustande gebracht haben."


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.