Laut HateAid sind doppelt so viele Frauen wie Männer von digitaler Gewalt betroffen. Hierzu zählten unter anderem Beleidigung, Verleumdung, üble Nachrede, Bedrohung, Erpressung, Hassrede, Cybermobbing und Cyberstalking, so Otte. Auch das sogenannte Doxxing, das Veröffentlichen von privaten Daten. "Das Medium Sprache fügt Menschen mindestens genauso großen Schaden zu wie physische Gewalterfahrungen.", sagt die Sozialarbeiterin. Seit der Corona-Pandemie sei ein Anstieg von Beratungsanfragen zu beobachten. 

Sprache prägt die Wahrnehmung aller

"Von verbaler Gewalt sprechen wir, wenn Sprache bewusst dazu eingesetzt wird, Individuen oder Menschengruppen zu beleidigen, zu demütigen, zu belästigen oder auszugrenzen.", sagt Cornelia Lahmann, Angewandte Linguistin bei Babbel. Wenn frauenverachtende und hasserfüllte Texte und Kommentare indirekt in Liedtexten oder Online-Foren verbreitet werden, beeinflussten sie das Selbstbild von Millionen von Mädchen und Frauen.

"Sprache prägt die Wahrnehmung aller und führt zu Vorurteilen und Stigmatisierungen bis hin zu respektlosem und aggressivem Verhalten", so die Linguistin. Zu erkennen, dass Worte eine Quelle von Gewalt sein können, sei ein wichtiger Schritt für die Bemühung um einen gewaltfreien Ort sowohl digital als analog.

Über die Hälfte aller Frauen von 18 bis 29 Jahren hat Gewalt in digitalen Medien erlebt 

Eine Umfrage, die Babbel Ende Oktober unter 1000 Frauen durchgeführt hat, zeigt dass über 50 Prozent der 18- bis 29-jährigen Frauen schon digitale Gewalt erlebt hat. Unter den Frauen zwischen 30 und 39 Jahren hat mehr als jede vierte Frau (30 Prozent) digitale Gewalterfahrung gemacht. Bei den Befragten im Alter von 40 bis 49 Jahren sind es mit einem Viertel fast genauso viele.

Digitale Gewalt gegen Frauen

Digitale Gewalt gegen Frauen

Die meisten der 18-bis 29-Jährigen (40 Prozent) haben ihre schlechten Erfahrungen in Form von Kommentaren und Nachrichten in sozialen Netzwerken gemacht. Knapp 30 Prozent  wurden  mal in privaten Nachrichten ( SMS oder WhatsApp) beleidigt oder sexuell belästigt. Mehr als jede fünfte Frau (21 Prozent) hat digitale Gewalterfahrung in Dating-Apps gemacht. "Auffällig ist, dass digitale Gewalt gerade Frauen gegenüber oft sexualisiert ist.", so Otte.



Katrin Otto
Autor: Katrin Otto

ist Redakteurin im Medienressort. Sie schreibt über Radio, Außenwerbung, Kino und Film und freut sich über Empfehlungen für die Bücherseite. Wenn sie nicht in der Redaktion ist, ist sie auf Konzerten, im Kino oder im Wasser.