Das Niveau der Exekution sei auch international erstaunlich hoch gewesen, sagt von Scheven. Gerade die Entwicklungs- und Schwellenländer, die 2011 enorm viel eingereicht und zahlreiche Löwen gewonnen haben, hätten in diesem Jahr in der Umsetzung überrascht. „Der durchschnittliche Exekutionsstandard ist wahnsinnig hoch“, sagt der deutsche Kreative.

Was am Ende aber zählt ist die Idee. Und einen Löwen wert waren der Jury am Ende doch nur 99 Kampagnen/Motive von 5415 eingereichten Arbeiten. „Print ist die einfachste Form der Partizipation, die maximale Reduktion einer konzeptionellen Idee“, so die Jury. „Das Medium wird deshalb immer seine Berechtigung haben“, sagt Tony Granger, Global Chief Creative Officer von Y&R, der 2011 der Jury vorsitzt.

Der Grand Prix zeigt das exemplarisch (siehe Bildergalerie). Aus China hatte JWT in Shanghai eine Arbeit für Samsonite eingereicht, die, wie Granger sagt, durch „ihre Schönheit, ihre Detailfreude, ihre außergewöhnliche Kunstfertigkeit“ überzeugt. Samsonite beschreibt auf einer Doppelseite, welchen Weg ein Koffer gehen muss, wenn sein Besitzer im Flugzeug verreist. Während sich der Passagier an Bord entspannt, wie im Himmel umsorgt wird, geht der Samsonite im Bauch des Flugzeugs durch die Hölle, nimmt aber – als Samsonite natürlich – keinen Schaden.

Den Gegensatz Himmel-Hölle illustriert die Agentur aufwändig im 3D-Stil mit Engeln und Teufeln, Wolken und Feuer, der Verbraucher verliert sich im Betrachten der Details. „Auch eine Anzeige kann den Verbraucher also involvieren“, sagt Jury-Präsident Granger. Das ist ein Trend, der sich in diesem Jahr bekanntlich durch alle Kategorien zieht. Für den Grand Prix diskutiert wurde auch die Arbeit von Y&R Dubai für Harvey Nichols. „Die Press-Kampagnen werden immer spielerischer und experimenteller“, beobachtet von Scheven. Das übliche Cannes-Layout, mit überhöhtem Visual und einem Logo rechts in der Ecke, brauche niemand mehr. „Das punktet hier nicht mehr.“ Für China ist es der erste Grand Prix überhaupt.

Die Press-Löwen wurden am Mittwochabend zusammen mit den Cyber- und Design-Lions im Palais des Festivals vergeben.



Conrad Breyer, W&V
Autor: Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er interessiert sich für alles, was Werber:innen unter den Nägeln brennt, in Beratung, Strategie und Kreation. Besonders innovative Agenturmodelle haben es ihm angetan. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LGBTI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine. Vielleicht ist er deshalb auch Diversity-Beauftragter der SWMH geworden, der die W&V angehört.