Projekt Noto löst Typo-Problem :
Dank Google und Monotype gibt es nie wieder Tofu

Fünf Jahre hat Google daran gearbeitet, Tofu den Garaus zu machen. Dahinter steckt kein Ernährungsthema, sondern ein Design- und Kommunikationsproblem, das Google zusammen mit Monoptype gelöst hat. 

Text: Leif Pellikan

Auch Tibetanische Schriftzeichen wurden zunächst auf Papier gebannt und dann in Pixel gegossen
Auch Tibetanische Schriftzeichen wurden zunächst auf Papier gebannt und dann in Pixel gegossen

Fünf Jahre hat Google daran gearbeitet, Tofu den Garaus zu machen. Jetzt ist es geschafft. Allerdings, Feinde der Sojakekse, zu früh gefreut. Denn Tofu ist auch ein missliebiger Typographiefehler auf Computern. So werden die leeren Kästchen in Texten bezeichnet, die immer dann erscheinen, wenn auf dem Bildschirm bestimmte und meist exotische Zeichen nicht dargestellt werden können. Jetzt soll ein neuer Schriftsatz von Google und Monotype das Problem beheben. Rund 800 lebende und ausgestorbene Sprachen sowie 100 Schriftsysteme wurden in die neuen Font-Familie Google Noto überführt. Noto steht für "No Tofu" - eine digitalisierte Schriftfamilie, die nun nahezu alle Sprachen unterstützt, schön anzusehen und gut lesbar ist.

Hunderte von Forschern, Designern, Linguisten, Kulturschaffenden und Projektmanagern in aller Welt arbeiteten an Googles Noto-Projekt, um Schriften zu finden und für Computer nutzbar zu machen. Am Ende haben die Designer von Monotype und viele Helfer mehrere hunderttausend Zeichen in Form von Pixeln gegossen. Darunter Schriften wie Gurmukhi (für das indische Panjabi), die alte Schrift der Phoenizier, diverse Devanagaris (Sanskritschriften, die in Malaysia bis hin zu Madagaskar verwendet wird) und Tagalog (die Schrift der Philippinen, bevor die Spanier kamen). Zum Teil also archäologische Arbeit: "Manche Schriftzeichen sind nur noch auf Steinen erhalten. Wenn wir sie nicht digitalisieren, sind sie irgendwann Sand und für immer verloren", sagt Xiangye Xiao, Noto Project Manager von Google. Aber auch manche Minderheit kann nun Computer verwenden: "In vielen Fällen wird Noto die erste technische Schrift sein, mit der kleine Sprachgemeinschaften in Kontakt kommen", sagt Kamal Mansour, Linguist und Typograf bei Monotype.

Der Font-Satz stets ab sofort kostenlos zur Verfügung. Google Noto ist ein Unicode-Zeichensatz, der beispielsweise auf Websites als Ersatzschrift eingebunden werden kann, sofern der Rechner eines Users die eigentliche Schrift der Website nicht darstellt. Für die meisten Sprachräume stehen Sans- und Serif-Buchstabenformen zur Verfügung, oft in den Stilen Normal, Fett, Kursiv und Fett Kursiv, einschließlich ungezählter Ziffernarten, mathematischer Zeichen, Symbole, Emojis und weiterer nützlicher Zeichen. Die Tatsache, dass Emojis enthalten sind, macht deutlich, dass das Noto-Projekt längst nicht beendet wurde.