Das "Lost in Translation"-Syndrom: Promi-Werbung aus Japan

Was Hollywoodstars daheim peinlich ist, leben sie in Japan aus. Gern gegen Geld. W&V Online zeigt ausgewählte Nippon-Spots.

Text: Susanne Herrmann

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Was Hollywoodstars daheim peinlich ist, leben sie in Japan aus. Gern gegen Geld. Vor einigen Tagen hat Stern.de ein paar herrliche Beispiele zusammengetragen - die Liste aber ist lang, sehr sehr lang. Denn daheim sich zieren, in Japan aber ungeniert Spots zu drehen, für die eigentlich jeder B-Promi einen roten Kopf bekommen müsste, das hat in Hollywood Tradition. Im Kino setzte Sofia Coppola dem ein Filmdenkmal mit "Lost in Transalation": Bill Murray spielt einen alternden Schauspieler, der wegen eines Werbespots für Suntory Whiskey in Tokio ist.

Schön: Coppolas Vater, der Regisseur Francis Ford Coppola, trat selbst einst in Japan gemeinsam mit Kollege Akira Kurosawa in Suntory-Spots auf. Mit Sammy Davis jr. kam in den Siebzigern Suntory auf die Cannes-Rolle.

Manch einem Schauspieler war sogar seine probeweise Karriere als Musiker so peinlich, dass er seine Platten nur in Japan verkaufte - so zum Beispiel Kevin Costner, der nun seit ein paar Jahren doch zu seiner Liebe zu erdigem US-Countryrock steht (mit Modern West): Sein Album "Simple Truth" mit der Band Roving Boy gab es Ende der 80er nur in Japan zu kaufen.

Die 80er und 90er waren die Blütezeit der Nippon-Werbung mit Hollywoodstars - denn damals mussten die Promis nicht befürchten, dass ihre Peinlichkeit enthüllt wird. Heute sorgt das Internet für sofortige Verbreitung. Wir zeigen Ihnen ein paar Klassiker à la "Big in Japan".

Passend zu seinem Auftritt als Jack Bauer in "24" flext sich Kiefer Sutherland durch eine Tokioter U-Bahn.

Weltstar Harrison Ford in seinen besten Jahren - im Kino mit "Jäger des verlorenen Schatzes" und als Agent Jack Ryan, in Japan mit Bierwerbung - und in der Sauna.

Anspielung: Matt LeBlanc wirbt für Lippenstift - allerdings nicht er selbst, sondern seine Rolle: der Schauspieler Joey aus der Serie "Friends" hat einen japanischen Spot gedreht.

Lucy Liu, eine der "Drei Engel für Charlie"(2000) und Antagonistin von Uma Thurman in "Kill Bill" radelt fröhlich durch diesen Spot.

Brad Pitt hat eine lange Geschichte als Testimonial hinter sich - und war daheim nicht zu schüchtern: In den USA begann so seine Karriere (Levi's), er war aber in Japan und ebenso in Deutschland zu sehen:

Teil 1

Teil 5

Popstar Britney Spears total süß: Spot für Naschwerk von Suki.

Actionheld und Spaßvogel: Bruce Willis war im japanischen Werbeblock sehr präsent, unter anderem für Subaru und - erheblich früher - für Eneos.

Überhaupt Autohersteller: Sie engagieren in Japan gern US-Stars für die Werbung. Michael Jackson moonwalkte für Suzuki, als er noch schwarze haut und eine breite Nase hatte ...

... der junge Leonardo Di Caprio saß am Steuer eines Honda Civic ...

... und George Clooney Toyota.

Bei uns war Clooney zum Glück seiner weiblichen Fans in Spots für Martini und Nespresso zu sehen (unter anderem neben dem grandiosen John Malkovich). In Japan bestritten die Kaffewerbung (für Root) erst Brad Pitt, später Kevin Costner.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



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